https://www.faz.net/-gqz-15vdv

Zukunft der Verlagsbranche : Die Unabhängigen stärken

  • -Aktualisiert am

Bücherstapel auf der Leipziger Buchmesse Bild: Archiv

Der Schriftsteller Ulf Erdmann Ziegler hat die Buchverleger aufgefordert, die Macht der Buchhandelsketten einem eigenen Gegenkonzern zu brechen. Der Verleger Stefan Weidle zweifelt an der Machbarkeit dieser Utopie. Er hat andere Ideen.

          Mit seiner Analyse der Verhältnisse im deutschen Buchhandel hat Ulf Erdmann Ziegler (siehe Zur Zukunft des Buchmarkts: Gründet endlich den Gegenkonzern!) völlig recht: Die Konzentration führt zur Ausdünnung, und wir unabhängigen Verlage spüren das. Wir kommen bei Thalia, Hugendubel et cetera in der Regel nicht vor. Das hat natürlich rein kommerzielle Gründe, das Geschäft mit uns blüht eben nicht so wie das mit den Großverlagen. Aber die Tatsache, dass in immer mehr Städten unsere Bücher nicht mehr im Laden liegen, schadet uns. Und nicht nur das: Wie oft rufen Kunden bei kleineren Verlagen an und fragen nach einem Titel, von dem es in der Buchhandlung hieß, er sei nicht mehr lieferbar! Diese Aussage ist in mehr als neunzig Prozent der Fälle falsch, manche Buchhändler wollen keine Einzelbestellung bei der Verlagsauslieferung machen, wenn das Buch beim Großhandel, mit dem man online verbunden ist, ausgelistet wurde. Es muss aber auch Titel geben, die nicht in Zehntausender Auflagen hergestellt werden! Die aber gleichwohl ihre Leser haben, die sie finden sollen.

          So sehr wir kleineren, unabhängigen Verlage gutverkäufliche Ware anbieten wollen, so sehr sind wir doch unseren Programmen verpflichtet, und viele davon sind nun einmal nicht massentauglich. Kurt Wolff, einer der bedeutendsten deutschen Verleger des letzten Jahrhunderts, hat das so ausgedrückt: „Es gibt zwei Sorten von Verlegern. Die einen machen das, wovon sie meinen, dass die Leser es lesen wollen. Und es gibt einen anderen Typ, der eben Bücher macht, von denen er meint, dass die Leser sie lesen sollen.“ Diesem Typ fühlen wir uns zugehörig. Wie aber erfährt der Leser von unseren Büchern? Wo kann er sie in die Hand nehmen? Das ist unser Dilemma, das sich zuspitzt.

          Stärkt den unabhängigen Buchhandel!

          Was tun? Ziegler schlägt vor, dass die unabhängigen Verlage eigene Buchhandlungen gründen, an denen sich auch die programmatisch anspruchsvolleren Imprints der Konzernverlage beteiligen. Spätestens hier aber scheitert dieses Konzept: Die Konzernverlage sind so fest mit den Buchhandelsketten verbandelt, dass sie diesen keine neue Konkurrenz wünschen. Schließlich hat man nicht umsonst für jede der Ketten einen eigenen Key Account Manager eingestellt, der den Kontakt hält und die Präsenz der eigenen Titel in den Geschäften überprüft.

          Nein, der einzige Weg ist, den unabhängigen Buchhandel zu stärken. Nur diese Buchhandlungen sind noch frei zu bestellen, was sie interessiert, und nicht, was man ihnen aus der Zentrale vorgibt. Nur hier findet unabhängige Beratung statt. Wenn man die Grundlage der Preisbindung ernstnimmt – alle Bücher sollen überall zum gleichen Preis verfügbar sein –, muss man diejenigen fördern, die das garantieren. Die Situation ist durchaus derjenigen der Programmkinos vergleichbar. Deshalb schlage ich eine Förderung der unabhängigen Buchhandlungen vor, gleichfalls mittels eines Prämiensystems. So kann die Buchkultur erhalten werden.

          In Frankreich gibt es das bereits: Die Buchhandlungen können sich mit einer Beschreibung ihres Programms bewerben und erhalten nach einer Prüfung (neben Steuererleichterungen) ein Gütesiegel für die Ladentür. Das könnte man hierzulande ebenfalls einführen, die Auswahlkriterien sind gar nicht so kompliziert – die Buchhandlung müsste inhabergeführt sein, ein konzernunabhängiges Sortiment anbieten, das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) nutzen und nicht ausschließlich über den Großhandel, also Libri, KNV et cetera, bestellen. Die Kurt Wolff Stiftung als staatlich geförderte Interessenvertretung der Independent-Verlage könnte bei der Auswahl helfen. Denn merke: Wenn die zehntletzte unabhängige Buchhandlung stirbt, dann stirbt auch der letzte unabhängige Verlag. Das aber kann niemand wollen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Frankfurt (Oder) aus der Vogelperspektive – in Brandenburg sind die Grundsteuern eher niedrig.

          Kommunalen Abgaben : Die Gemeinden erhöhen weiter die Steuern

          Wer in Nordrhein-Westfalen lebt, zahlt mehr für die Grundsteuer als ein Bayer oder Brandenburger. Viele Gemeinden erhöhten zuletzt wieder ihre Steuern – besonders oft im Saarland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.