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Verleger Ammann im Gespräch : Ein großer Verlag ist am Ende

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Das Entdecken gehört zum Handwerk von Verlegern, wie wir uns sehen. Es war immer eine besondere Freude, uns für Autoren einzusetzen, an die wir geglaubt haben und weiterhin glauben. Für Ulrich Peltzer zu arbeiten, der längst zu den wichtigsten deutschsprachigen Erzählern gehört, ist eine große Herausforderung für einen Verleger. Für seine Bücher mussten wir kämpfen, und es hat sich gelohnt. Auch Thorsten Becker und Julia Franck machen ihre Wege, nicht mehr bei uns, aber bei ihren neuen Verlagspartnern, und darüber freuen wir uns. Wir haben sie ja gewissermaßen ans Licht geholt. Andere, an die wir glauben – Navid Kermani etwa, Matthias Zschokke, Fritz Kröhnke, Svenja Leiber, Ulla Lenze –, werden ihre Chancen in andern Häusern finden. Schwieriger wird es für einige Experimentelle. Generell aber kann die literarische Existenz von Autoren nicht von der Schließung eines Verlags abhängen.

Die dritte Säule Ihres Programms sind die Übersetzungen. Im Herbst schließt Swetlana Geier mit dem „Spieler“ ihre glanzvolle Neuübersetzung von Dostojewskijs Großromanen ab. Für 2010 und 2011 haben Sie bereits neue Projekte angekündigt. Dann aber wird der Verlag nicht mehr existieren.

Immer der Neugier entlang, bin ich früh auf bedeutende Autoren der Weltliteratur wie Fernando Pessoa, Ossip Mandelstam oder Antonio Machado gestoßen. Da es von ihnen kaum etwas auf Deutsch zu lesen gab, lag es nahe, im eigenen Verlag diese großen Werke zu heben. Wir hatten mit unseren Übersetzern immer großes Glück, so etwa mit Ralph Dutli, mit Inés Koebel, mit Fritz Vogelgsang und natürlich mit der Meisterin Swetlana Geier. Für 2011 hatte ich mir eine besondere Aufmerksamkeit für die fremdsprachige Literatur vorgenommen. Es ist ein alter Wunsch von mir, Dantes „Commedia“ in einer verständlichen, also les- und verstehbaren Übersetzung zu publizieren. Mit Kurt Flasch ist ein Mann an der Arbeit, der uns das verspricht. Ihm zur Seite sollte ein zeitgenössischer Klassiker der italienischen Literatur stehen: der 1992 gestorbene Sizilianer Stefano d’Arrigo mit seinem Meeresroman „Horcynus Orca“, eine zeitgenössische Odyssee. Wegen der sprachlichen Schwierigkeiten ist das 1200-Seiten-Buch noch nie übersetzt worden. Moshe Kahn aber, der sich seit gut zehn Jahren mit diesem Epochenroman befasst, wird das meistern. Sie werden das Erscheinen dieser Werke sehr wohl erleben, wenn auch nicht mehr mit dem Ammann-Impressum, was ja letztlich auch nicht so wichtig ist. Glücklich bin ich, die Gesamtausgabe von Machado mit „Guerra – Krieg“ im Frühjahr abschließen zu können.

Ist Ihr Rückzug jenseits aller persönlichen Gründe nicht auch ein Zeichen dafür, dass die Zeit der eigenständigen, von den großen Konzernen unabhängigen und auf anspruchsvolle Literatur setzenden Klein- und Mittelverleger sich dem Ende zuneigt?

Die Veränderungen im Literaturbetrieb sind kein neues Phänomen, seit vierzig Jahren kann man diesen Prozess beobachten. Die Konzentration im Verlagswesen wie im Buchhandel schreitet natürlich im Internetzeitalter noch rasanter voran. Dementsprechend werden sich der Verleger- und Buchhändler-Beruf verändern. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass es immer wieder junge leidenschaftliche Menschen geben wird, die sich an diesen Berufen versuchen.

Sie sind jetzt 68 Jahre alt und seit 29 Jahren eigenständiger Verleger. Sind Sie reich oder zumindest wohlhabend geworden? Und falls nicht: Sind Sie gescheitert, weil das nicht geschah?

Unser Leben als Verleger hat uns mit Werten reich gemacht, die jenseits des Pekuniären zu finden sind. Wir waren nicht vermögend bei der Gründung des Verlags, wir sind es auch heute nicht. Dass wir den Verlag überhaupt so lange betreiben konnten, wäre ohne die Unterstützung von Freunden, insbesondere George Reinhart und Monika Schoeller, so nicht möglich gewesen.

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