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Suhrkamps Umzugspläne : Vor dem Sprung

Bezugsfertig zum Jahreswechsel? Nicht nur die Berliner Immobilienfrage ist beim Suhrkamp-Umzug noch immer offen Bild: ddp

Wo andere Unternehmen ihren Umzug zunächst planen und dann verkünden, regelt der Suhrkamp Verlag die Details seines Wechsels nach Berlin lieber im Anschluss. Noch sind einige Fragen offen. Immerhin: Der Sozialplan für die Mitarbeiter steht.

          Suhrkamp macht es spannend. Wo andere Unternehmen ihren Umzug zunächst planen und dann verkünden, regelt der Frankfurter Verlag die Details seines Großen Sprungs nach Berlin lieber im Anschluss an die Umzugsentscheidung. Schnell soll es in die Hauptstadt gehen, schon am 1. Januar 2010 will der Verlag in Berlin seine Arbeit aufnehmen, heißt es aus der Frankfurter Lindenstraße.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Offen sind derweil Kleinigkeiten wie die Frage der Unterkunft des Verlags an seinem neuen Standort. Ob Suhrkamp bis Anfang nächsten Jahres wirklich das von der Geschäftsführung und dem Land Berlin favorisierte Nicolaihaus in der Brüderstraße bezieht, ist nach Angaben von Verlagssprecherin Tanja Postpischil noch immer nicht endgültig geklärt. Während niemand weiß, woran es liegt, dass Verlag und Land in dieser Frage zwei Monate nach der Ankündigung des Umzugs noch immer keine Entscheidung getroffen haben, drängt die Zeit. Auch andere Berliner Immobilien scheinen noch im Spiel zu sein, zumindest das Nicolaihaus müsste jedoch vor einem Bezug durch Suhrkamp saniert werden.

          Ein Drittel der Belegschaft macht wohl nicht mit

          Nur in einer Angelegenheit hat die Verlagsgeschäftsführung bislang Tatsachen geschaffen. Allen Angestellten sind Änderungskündigungen zugegangen. Sie bieten den Mitarbeitern einen neuen Arbeitsplatz zu den gleichen Bedingungen wie bisher, allerdings am neuen Verlagsstandort. Mit dem 31. März soll ausgerechnet der fünfzigste Todestag von Gründungsverleger Peter Suhrkamp (siehe auch: Peter Suhrkamp: Der Mann fürs Ungebärdige) letzter Zustellungstag der Kündigungen gewesen sein.

          Bis nächsten Freitag haben die Suhrkamp-Mitarbeiter noch Zeit, das Angebot der Geschäftsführung anzunehmen. Wer es aus beruflichen oder privaten Gründen ablehnt, verliert seine Stelle. Noch ist nicht absehbar, wie viele Mitarbeiter sich für Berlin entscheiden. Zuletzt sei man davon ausgegangen, dass bis zu zwei Drittel den Standortwechsel mitmachen würden, sagte Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Schneider. In welchem Ausmaß das den Plänen der Geschäftsführung entgegenkommt, die in Berlin aus Kostengründen wohl mit weniger als den jetzt etwa 130 Angestellten weitermachen will, ist unklar.

          Immerhin: Es gibt jetzt einen Sozialplan

          Schön an einer solchen Entwicklung wäre immerhin, dass es manche erfolgreich eingespielten Abläufe im Verlag nicht endgültig zerrisse. Zu den erfreulichen Nachrichten gehört auch, dass Betriebsrat und Geschäftsführung sich nach fast gescheiterten Verhandlungen auf einen Sozialplan einigen konnten. Er dürfte die Verlagsleitung einiges kosten; Abfindungen, Umzugsbeihilfen und Pendlerpauschalen runden sich zu einer ordentlichen Summe. Ob das Geld aus dem nach Angaben von Geschäftsführer Thomas Sparr sehr erfolgreichen Jahr 2008 stammt oder aus dem Verkauf der Verlagsgebäude an der Lindenstraße erlöst werden soll, ist nicht ersichtlich.

          Letzterer wird der Verlagsleitung noch Kopfzerbrechen machen: Nach dem Verkauf wäre für Teile der Liegenschaft nur eine den Verkaufspreis mindernde Wohnnutzung gestattet. Aber vielleicht kommt ja auch alles ganz anders, und Minderheitsgesellschafter Joachim Unseld verweigert dem im Februar nur mehrheitlich gebilligten Umzugsplan seine Unterstützung. Falls der Verlag seine Berliner Tätigkeit jedoch auf einer Baustelle beginnen müsste, hätte dies als Bestätigung der Meinung von Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz zu gelten, Orte müssten erarbeitet werden.

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