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Suhrkamp-Verlegerin Unseld-Berkéwicz : „Wir planen den Umzug zur Jahreswende“

  • -Aktualisiert am

Ulla Unseld-Berkéwicz im F.A.Z.-Gepräch in der Frankfurter Villa Unseld Bild: F.A.Z. - Wolfgang Eilmes

Es ist entschieden: Der Suhrkamp Verlag geht nach Berlin. Im Gespräch mit der F.A.Z. erklärt die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz ihre konkreten Zukunftspläne und die Gründe, die sie zum Umzug in die Hauptstadt bewogen haben.

          Seit Wochen wird über die Umzugspläne des Suhrkamp Verlags nach Berlin spekuliert. Im Gespräch mit der F.A.Z. erklärt die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz ihre konkreten Zukunftspläne und die Gründe, die sie zum Umzug in die Hauptstadt bewogen haben.

          Suhrkamp geht nach Berlin. Ist dies das Ende des Verlags, wie wir ihn kennen?

          Im Gegenteil. Die „alte“ und die „neue“ Suhrkamp-Kultur sollen zu einer Synthese geführt werden, die Kultur der Bonner Republik und die Kultur der Berliner Republik. Wir gehen ja nicht nach Abu Dhabi, sondern in die Hauptstadt. Eine bessere Operationsbasis als Berlin, diese Schnittstelle von Ost und West, lässt sich für den Verlag nicht denken.

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          Was versprechen Sie sich von dem Umzug? Braucht der Verlag neue Impulse?

          Der Verlag braucht nicht nur Impulse, er produziert sie auch. Wo viel ist und wo viele sind, die viel wollen, kann auch viel bewegt werden. Dass das in Berlin gegeben ist, liegt auf der Hand. Außerdem leben viele unserer deutschsprachigen Autoren in Berlin, und auch mancher unserer ausländischen Autoren ist vorübergehend oder ganz dorthin gezogen. Und dann ist da der Osten mit seinen Autoren. Von Berlin bis Moskau kommt er nach den demütigenden Zeiten der Verarbeitung der Systemniederlage, des Versuchs der Biographienauslöschung und der Benachteiligungen innerhalb der Einheit endlich wieder zu Wort. Der Verlag ist im Hinblick auf die rein literarische Repräsentanz des Ostens im Programm traditionell und auch neuerdings mehr als günstig positioniert.

          Sie sind bereits heftig für die Umzugsidee kritisiert worden: Der Ortswechsel nach Berlin bedeute das Ende der Ära Suhrkamp und verstoße gegen Siegfried Unselds Vermächtnis.

          Solche Kommentierungen sind nicht neu. Das ist ein Gewohnheitsrecht der Öffentlichkeit, die diesen Verlag als volkseigen betrachtet. Schon Siegfried Unseld war immer wieder erstaunt, was man sich ihm gegenüber herausgenommen hat.

          Eine Dependance haben Sie ja schon länger in Berlin. Aber warum muss jetzt der ganze Verlag umziehen? Was genau sucht Suhrkamp dort?

          Bis 1933 war Berlin die große deutsche Verlagsstadt. Jetzt macht Berlin da weiter, wo es damals zwangsweise aufhören musste. Und jetzt kehrt der Verlag, den viele für den bedeutendsten halten, dorthin zurück. Am 18. März 2002 schrieb Siegfried Unseld im Zusammenhang mit den damaligen Umzugsgedanken des Feuilletons dieser Zeitung an Ihren Herausgeber Frank Schirrmacher: „Was Berlin heute vielleicht noch nicht ist, wird es in Zukunft werden: der entscheidende Mittelpunkt deutscher Kultur in allen Bereichen.“ Und er schrieb damals: „Ich kann Ihnen gestehen, dass auch ich mir überlegt habe, ob ich mit dem Suhrkamp Verlag einen Umzug wagen sollte.“

          Warum ist denn der Verlag dann nicht schon damals umgezogen?

          Weil Berlin damals noch nicht war, was es heute geworden ist. Nachdem die erste Testphase abgeschlossen ist, können wir die „Idee Berlin“ nun selber mitformen und mitprägen. Jetzt ist der richtige Moment, das Angebot der Stadt anzunehmen.

          Was kann Berlin dem Verlag denn bieten, was es in Frankfurt nicht gibt?

          Je weniger ortsgebunden Kulturleben und Wirtschaft werden, desto wichtiger werden paradoxerweise die Orte, an denen man genau das begriffen hat. Berlin ist so ein Ort: Die Verwaltung, die Kulturträger, die Intelligenz, die Menschen dieser Stadt haben verstanden, dass Lokalpatriotismus alleine nicht genügt, sich zu behaupten, zu entfalten und zu wachsen. Darüber hinaus politisiert sich die Lage bis tief ins Kulturleben momentan stärker als je seit den sechziger Jahren; auch das geht wesentlich von Berlin aus. In den Sechzigern war Suhrkamp bei solchen Prozessen mit tonangebend; es gibt keinen Grund, warum das nicht wieder geschehen kann.

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