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Selbstversuch: Reich werden : Was würde George Soros tun?

Heike Faller, zurück in der Redaktion Bild: Matthias Lüdecke - FAZ

Ein Jahr Auszeit hat sich die Zeit-Journalistin Heike Faller genommen, um nichts anderes zu tun, als das Spekulieren zu lernen. Das Startkapital: 10.000 ersparte Euro. Das Ziel: Verdopplung der Einlage. Das Ziel hat sie verfehlt, aber ein bemerkenswertes Buch ist entstanden.

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          Bevor es zur Finanzkrise kam, von der sie damals nichts ahnte und die ihr später, auch das ahnte sie nicht, einen Strich durch ihre Rechnungen machen sollte, hatte die „Zeit“-Journalistin Heike Faller selbst eine Krise: In ihrer Redaktion gab es Umstrukturierungen. Ihr Ressort richtete sich neu aus. Sie hatte den Eindruck, ihre Reportagen seien nicht mehr so gefragt. Also fragte sie sich, wie lange sie selbst noch gefragt sein würde und wie weit ihre Ersparnisse eigentlich reichen würden. Der Fragilität ihrer Angestelltenexistenz plötzlich bewusst, träumte sie davon, irgendwann einmal so viel Geld zu besitzen, dass sie davon leben könnte, Geld, das sie unabhängig machte.

          Julia Encke

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Und da Heike Faller wunderbarerweise nicht zu jenen gehört, die bloß Existenzängste haben und unablässig davon reden, beantragte sie ein Jahr Auszeit, das sie auch bekam, um einen Selbstversuch durchzuführen: Zwölf Monate lang wollte sie nichts anderes tun, als das Spekulieren zu lernen. Sie wollte sich in die riskante Welt der Termingeschäfte begeben, in der man seinen Einsatz innerhalb von Tagen verlieren oder vervielfachen kann, eine Geschäftswelt, von der sie bis dahin keine Ahnung hatte. Ihr Startkapital: 10.000 ersparte Euro, die sie zu investieren bereit war. Ihr Ziel: diesen Betrag innerhalb eines Jahres zu verdoppeln.

          Platinplättchen im Tresor

          „Wie ich einmal versuchte, reich zu werden - Mein Jahr unter Spekulanten“ heißt das Buch, das aus diesem sehr aufregenden Jahr hervorgegangen ist und das, völlig unverhofft, weil es als solches ja gar nicht geplant war, zu einem der interessantesten und sicher auch sympathischsten Beiträge zur Finanzkrise geworden ist, da es die Perspektive derer einnimmt, denen die Finanzwelt ein Rätsel ist, in dieser Perspektive aber nicht verharrt, sondern alles daransetzt, dieses Welträtsel für sich, so weit es irgend geht, zu durchdringen. Heike Faller knackt gewissermaßen den Zugangscode zur Finanzwelt, der auch ein Sprachcode ist, ein Jonglieren mit Begriffen.

          Neu-Spekulantin gerät in Bankenkrise: Heike Faller

          Mit Sprache hatte, drei Jahre zuvor, alles angefangen: Heike Faller stand nicht im Verdacht, in ihren Artikeln in den Börsenjargon zu verfallen. Aus diesem Grund hatte ihr Redaktionschef sie 2004 nach Bayern geschickt, wo sie zwei Sparkassenmänner treffen sollte, die damals das erfolgreichste Musterdepot Deutschlands führten: In sieben Monaten hatten die beiden Männer 43 Prozent Plus gemacht, in einer Zeit, in der normalen Bankberatern und Fondsmanagern das Geld ihrer Anleger unter den Händen wegschmolz. Die Autorin fuhr hin und traf auf zwei dialektsprechende Naturburschen mit unverhohlener Verachtung für die Karrierebanker in Frankfurt, London und New York, die ihr irgendwann Einblick in ihren Schrankwand-Tresor gewährten. Darin: Goldbarren, flache Platinplättchen, Silbermünzen, Palladium.

          Long in Gold

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