https://www.faz.net/-gqz-15t9q

Miriam Meckels Burnout-Buch : Diagnose: Totale Erschöpfung

Fünfzehn Jahre auf der Überholspur: Miriam Meckel Bild: dpa

Jüngste Professorin Deutschlands, Regierungssprecherin, Moderatorin im Fernsehen - das sind nur einige der Berufe von Miriam Meckel. Irgendwann bekam sie einen Burnout. Darüber hat sie das Buch „Brief an mein Leben“ geschrieben.

          6 Min.

          Sitzt man ihr gegenüber, dann glaubt man es kaum, so wach, witzig und charmant wirkt Miriam Meckel. Dabei ist es nur wenig mehr als ein Jahr her, dass die Zweiundvierzigjährige physisch und psychisch völlig zusammenbrach. Es ist ein sonniger Morgen, als die Professorin in ihrem Büro am Rand der Altstadt von St. Gallen über das schwärzeste Jahr ihres Lebens spricht. Bis dahin hatte Miriam Meckel auf der Überholspur gelebt, fünfzehn Jahre lang war sie durch die Welt gehetzt. Dann kam der Crash. Im September 2008, sie war gerade von einer mehrwöchigen Reise zurückgekehrt, moderierte sie in Berlin eine Veranstaltung über den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Als sie am nächsten Morgen aufwachte, konnte sie nicht mehr aufstehen. „Es fühlte sich an, als hätte ich gleichzeitig eine Überdosis Schlaftabletten und Aufputschmittel genommen“, erinnert sie sich.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Sie hatte Schmerzen, Schweißausbrüche, saß nur noch da und heulte. Und dann tat sie etwas, das ihr bis heute unbegreiflich ist. Denn obwohl nichts mehr ging, sie nicht einmal mehr ihren Koffer heben konnte, setzte sie sich an den Computer, um nach ihren E-Mails zu schauen. Als sie im elektronischen Postfach fünfzig ungelesene Nachrichten entdeckte, brach sie zusammen. Ihre Lebensgefährtin, die Fernsehmoderatorin Anne Will, brachte die Freundin zum Arzt. Schnell stand die Diagnose fest: schwerer Erschöpfungszustand in Verbindung mit einer Infektion. Was niemand je vermutet hätte, am wenigsten sie selbst, war eingetreten: Miriam Meckel war am Ende.

          Zu akzeptieren, dass sie ihr bisheriges Leben nicht mehr so weiterführen konnte, sagt sie heute, da sie als genesen gilt, war eine große Herausforderung für die Tochter eines Theologen, die bis dahin nur den Erfolg kannte: „Ich habe einfach nicht glauben können, dass ich nicht immer so weitermachen kann.“ Mit einunddreißig wurde die promovierte Kommunikationswissenschaftlerin Deutschlands jüngste Professorin und von Wolfgang Clement als Regierungssprecherin nach Düsseldorf geholt. Sie moderierte eine Fernseh-Talkshow, schrieb wissenschaftliche Aufsätze, Artikel sowie Bücher und erhielt 2005 den Ruf an die renommierte Schweizer Universität in St. Gallen.

          Über die Gefahren hatte sie bereits geschrieben

          Mit ihrer Biographie ist Miriam Meckel aber nicht nur ein Paradebeispiel für beruflichen Aufstieg, sondern auch dafür, wie schwer es manchmal sein kann, Dinge umzusetzen, die man längst erfasst und verstanden hat. Denn erst vor drei Jahren veröffentlichte Miriam Meckel „Das Glück der Unerreichbarkeit“, ein Sachbuch, das von ebenjenen Gefahren pausenloser Kommunikation handelt, deren Opfer sie selbst geworden ist.

          Heute kann sie darüber lachen, wenn man sie darauf anspricht. Sie redet über diesen Widerspruch genauso offen wie über andere Vorfälle in ihrem Leben, die dem Bild der Erfolgsfrau nicht entsprechen. Freimütig bekennt sie ihre Konzentrationsschwierigkeiten und denkt laut über die psychische Disposition als Ursache für ihr notorisches Zuspätkommen nach. Selbstironisch geht sie auch den eigenen Ehrgeiz an, etwa wenn sie einen grotesken Traum schildert.

          Ihre Vorurteile gegenüber „Psychokram“ waren groß

          Topmeldungen

          Wegen seines Umgangs mit dem Missbrauchsskandal in der Kritik: Rainer Maria Kardinal Woelki

          Erzbistum Köln : Gibt es noch eine Zukunft mit Woelki?

          In Köln ist das Vertrauensverhältnis zwischen Erzbistum und Erzbischof zerrüttet. Ein externer Moderator muss einspringen. Nicht wenige hoffen, dass ein Spruch aus Rom die Angelegenheit schon vorher erledigt.
          Im Wahlkampf: Der Kanzlerkandidat der Union und CDU-Vorsitzende Armin Laschet

          Wahlprogramm der Union : Adenauer reicht nicht mehr

          Vielleicht wäre es Armin Laschet am liebsten gewesen, einfach Wahlkampfplakate mit den Worten „Keine Experimente!“ zu bedrucken – und abzuwarten, wie sich die Konkurrenz um Kopf und Kragen redet. Tatsächlich muss er mehr tun.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.