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Jugendbuch : Der unendliche Spaß an der Apokalypse

Weltuntergang, wohin man liest: Die amerikanische Autorin Suzanne Collins vollendet ihre „Panem“-Trilogie. Das Buch zeigt eine düstere Welt, für die sich nicht nur jugendliche Leser begeistern.

          Manche Jugendbücher bringen Eltern um den Schlaf. Zum einen, weil sie so fesselnd sind, dass auch Erwachsene sie nicht mehr aus der Hand legen mögen. Zum anderen aber, weil Eltern, die ihre Kinder gut genug kennen, nur allzu genau wissen, welche Faszination gerade diese Bücher auf empfängliche Jugendliche ausüben können - und das heißt Anfang 2011: welchen Reiz der Weltuntergang für junge Leser besitzt.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Im Schatten der allgegenwärtigen Vampir-, Elfen-, Nixen- und Dschinnschmonzetten ist auf dem Jugendbuchmarkt ein neuer Trend unübersehbar: Immer mehr Autoren entwerfen lustvoll Apokalypsen oder schildern die Mühen der Überlebenden unter den Bedingungen der Postapokalypse, schicken Jugendliche durch Wasserlandschaften, von aller Zivilisation verlassene Waldgebiete oder Glaskugelwelten und schwelgen im aus der Not geborenen Provisorium.

          Was wird tradiert, was geht verloren?

          Die Ursachen für den Untergang unserer Kultur sind dabei vielfältig - Kriege, Umweltkatastrophen oder kosmische Zusammenstöße stehen hoch im Kurs -, spielen aber in der Regel nicht die Hauptrolle. Wichtiger ist den Autoren, wie sich die versprengten Überlebenden anschließend berappeln, zu einer neuen Gesellschaft zusammenfinden und mit den Relikten der Vergangenheit umgehen. Was wird tradiert, was geht verloren? Welche Lehren zieht man, welche Fehler begeht man wieder und wieder? Und vor allem: Welchen Kommentar liefern die Zukunftsvisionen zur Gegenwart der Lesenden wie der Schreibenden?

          Ab sofort im Handel: Der Schlussband der Trilogie „Die Tribute von Panem”

          Am heutigen Donnerstag erscheint im Oetinger-Verlag mit „Flammender Zorn“ der abschließende Band der Erfolgstrilogie „Die Tribute von Panem“ (im Original: „The Hunger Games“) von Suzanne Collins auf Deutsch - eine Serie, in der sich in nuce alles wiederfindet, was Postapokalypsen für junge Leser so attraktiv macht. Die jugendliche Jägerin Katniss wächst in einer Gesellschaftsordnung auf, die wie ein schwundstufenhaftes Amalgam aus den Vereinigten Staaten und dem antiken Rom wirkt. Eine „Capitol“ getaufte Zentralregierung herrscht mit absoluter Macht über zwölf Distrikte, von denen jeder eine Versorgungsaufgabe für den Gesamtstaat übernimmt - Katniss' Heimat ist zuständig für die Erz- und Kohleförderung.

          Kräftemessen mit der Zentrale

          Zum Brot kommen die Spiele: Seit Generationen entsendet jeder Distrikt jährlich zwei Jugendliche zu einem großen Wettkampf, der unter den Objektiven der Fernsehkameras in einer riesigen Arena stattfindet und so zum landesweit verfolgten Medienereignis wird. Die Regeln verlangen, dass derjenige siegt, der die anderen 23 überlebt, so dass aus dem Reality-TV-Format ein echtes Gemetzel wird und auch der Sieger nicht unbeschadet aus dem grauenhaften Spiel hervorgeht.

          Katniss, die im ersten Band für ihre als Vertreterin des Distrikts ausgeloste kleine Schwester Prim einspringt und gewinnt, wendet sich im zweiten Band gemeinsam mit ihrem Freund Peeta gegen das Capitol und führt im dritten den Widerstand an. Die Rebellen haben sich in den Katakomben eines zerstörten Distrikts verschanzt und trainieren für das finale Kräftemessen mit der Zentrale. Dabei geben sie sich eine Verfassung, die an einen Militärstaat wie Sparta erinnert und schleichend alle moralischen Unterschiede zu dem verhassten Gegner verwischt: Wer das Capitol besiegen will, wissen die Rebellen, darf keine Skrupel haben.

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