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Jonathan Safran Foer im Interview : Ich liebe Würste auch. Aber ich esse sie nicht

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„Es geht einfach um sehr viel”: Nach zwei gefeierten Romanen hat Jonathan Safran Foer ein Sachbuch geschrieben Bild: Andreas Pein

Verzicht auf Fleisch kann die Erde retten: Der amerikanische Schriftsteller Jonathan Safran Foer über Massentierhaltung, Fischfang als Krieg und die Verlockungen der Weißwurst auf dem Viktualienmarkt.

          Verzicht auf Fleisch kann die Erde retten: Der amerikanische Schriftsteller Jonathan Safran Foer über Massentierhaltung, Fischfang als Krieg und die Verlockungen der Weißwurst auf dem Viktualienmarkt.

          Ihr neues Buch, „Eating Animals“ (bisher nur in Amerika erschienen) ist ein Sachbuch. Es handelt von den Folgen, die das Essen von Fleisch für die Erde hat. Wie kamen Sie auf dieses Thema?

          Das Thema hat mich schon lange interessiert. Und als mein Sohn auf die Welt kam, wollte ich mehr darüber herausfinden, um entscheiden zu können, wie wir ihn ernähren sollen. Außerdem fand ich faszinierend, dass niemand darüber spricht, obwohl es so ein zentraler Punkt in unserem Leben ist. Dieses Vakuum hat mich angezogen.

          Natalie Portman bekannte, durch die Lektüre zur Veganerin geworden zu sein. Bekommen Sie viele solche Reaktionen?

          Nicht ein Tag vergeht, an dem ich nicht einen Brief oder eine E-Mail bekomme. Meistens ist der Inhalt in etwa: Fuck you, ich mochte Fleisch immer sehr gerne, aber jetzt möchte ich es nicht mehr essen.

          Meine Essgewohnheiten haben Sie auch verdorben: Ich ertappe mich dabei, plötzlich Gemüseeintopf zu bestellen statt der Hühnersuppe, die mir eigentlich viel besser schmeckt.

          Aber es muss ja nichts Absolutes sein. Ich glaube, wenn wir die Diskussion von einer Frage der Identität loslösen könnten - entweder Vegetarier oder nicht - und sie zu einer Frage von Entscheidungen machen, wäre viel gewonnen. Okay, hier ist eine Speisekarte, darauf stehen viele verschiedene Sachen, die ich bestellen könnte, weil ich Lust drauf habe - aber ich kann auch etwas anderes bestellen, weil mir vielleicht gewisse Dinge wichtig sind.

          Einmal Nudeln anstelle eines Steaks: Das würde Ihnen reichen als Reaktion?

          Wie bisher über dieses Thema gesprochen wurde, hat nichts gebracht. Bislang wurde es uns immer als Schwarzweißszenario präsentiert: Fleisch essen ist ungut, warum hörst du nicht ganz auf damit? Das hat nicht funktioniert. Nun, vielleicht ist es ungut, Fleisch zu essen, aber es gibt viele ungute Sachen, zu denen ich nicht nein sage, obwohl ich es besser weiß. Das ist menschlich. Ich habe das Buch geschrieben, um ein Umdenken anzuregen. Und ich bin da ganz realistisch. Ich muss nur mich selbst als Beispiel nehmen: Ich habe zwanzig Jahre gebraucht, bis ich aufgehört habe, Fleisch zu essen. Ich erwarte von niemandem, dass er von heute auf morgen radikal seine Ernährungsgewohnheiten umstellt.

          Einer neuen Studie zufolge ist Viehzucht für 51 Prozent der klimaerwärmenden Gase verantwortlich. Bislang war man von 18 Prozent ausgegangen. Warum hat man über diesen Aspekt so wenig aus Kopenhagen gehört?

          Das ist eine gute Frage. Ich glaube aber, langsam wird darüber gesprochen. Der Klimaexperte Lord Stern sagte kürzlich, der einzige Weg, den Planeten zu retten, sei eine globale Bewegung hin zum Vegetariertum. Und auch Al Gore fängt an, darüber zu reden. Umweltschützer wussten es natürlich schon immer, das ist wie der Elefant im Wohnzimmer. Das Problem ist, dass es den meisten Menschen nicht behagt, wenn ihre Ernährungsgewohnheiten kritisiert werden, und man will nicht riskieren, all diejenigen, die gewillt sind, für die Umwelt einiges in ihrem Leben zu ändern, damit zu verprellen, dass man ihnen auch noch ihr Fleisch ausreden will.

          Sie sprechen von einem Krieg zwischen Mensch und Tier.

          Massentierhaltung ist eine 140-Milliarden-Dollar-Industrie; nahezu ein Drittel der Erdfläche wird für Viehzucht genutzt, der Regenwald wird abgeholzt, um Tierfutter anzubauen. Es geht hier einfach um sehr viel. Und vor allem, was den Fischfang angeht, kann man es nicht anders als Krieg nennen. Wir nutzen Kriegstechnologien, um Fische zu jagen. Kriegsschiffe, Radar, Satelliten - der ganze Meeresboden wird leer geräumt. Wenn das kein Krieg ist, weiß ich nicht, was Krieg sein soll.

          Wenn man gerne etwas Gutes tun möchte, aber nicht vollkommen auf Fleisch verzichten, was sollte man dann am ehesten weglassen?

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