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Jo Lendle im Gespräch : „Wir werden weniger Bücher machen!“

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Unerbittliche Subjektivität: Jo Lendle gibt seinen Lesern nur das, was er will Bild: Frank Schinski

Weniger Bücher, dafür mehr Nähe zu den Lesern: Diese Vorsätze sollen den DuMont Buchverlag in Schwung bringen. Wie Jo Lendle Masse durch Klasse ersetzen will, erklärt der neue Verlagsleiter in einem Gespräch mit der F.A.Z.

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          Vor dreizehn Jahren hat der DuMont Buchverlag sein literarisches Programm gestartet. Seit dieser Zeit bestimmte Jo Lendle das literarische Profil des Kölner Verlags mit, zuletzt als Programmleiter für deutschsprachige Literatur. Jetzt hat der 1968 geborene Lendle, der auch selbst als Autor erfolgreich ist - „Unter Mardern“ (1999), „Die Kosmonautin“ (2008), „Mein letzter Versuch die Welt zu retten“ (2009) -, die Verlegerische Geschäftsführung für das Literatur- und Sachbuchprogramm des DuMont Buchverlags übernommen.

          Im April ist der bisherige Verlegerische Geschäftsführer des DuMont Buchverlags, Lutz Wolff (66), auf eigenen Wunsch aus dem Verlag ausgeschieden. Das war insofern überraschend, als er erst ein Jahr zuvor - nach seiner Pensionierung als Lektor beim Deutschen Taschenbuch Verlag - zu DuMont gekommen war und große Pläne mit dem Verlag hatte. Offenbar gab es Unstimmigkeiten bezüglich der Programmausrichtung. Im Frieden geschieden ist man jedenfalls nicht, auch wenn dies nur hinter den Kulissen geäußert wird. Wie es nun weitergeht mit dem Literatur- und dem Sachbuchprogramm von DuMont, wie man sich im Hinblick auf die elektronischen Lesegeräte neu positioniert und wie der Aufstieg zum verlegerischen Geschäftsführer seine eigene Wahrnehmung verändert hat, erzählt Jo Lendle im Interview.

          Sie kennen den Verlag, den Sie nun leiten, seit vielen Jahren als Lektor. Wie groß ist die Umstellung? Konnte es sich der Lektor leisten, parteiischer zu sein?

          Der Lektor muss sogar parteiischer sein, er ist ein Minister, der für sein Ressort kämpft. Andererseits haben wir bei DuMont die Grenzen zwischen den Lektoraten immer schon recht offen gelassen, da ist der Innenminister nicht weniger stolz auf einen übersetzten Roman, und der Außenminister betreut auch mal einen deutschsprachigen Autor.

          Haben Sie in Ihrer neuen Position ein Vorbild? Einen der großen alten Verleger?

          Siegfried Unseld bin ich zum ersten Mal als Praktikant auf der Herrentoilette des Suhrkamp Verlags begegnet. Ein vergleichsweise unauratischer Moment. Dennoch gehört er zweifellos zu den Verlegern, denen für ihre Autorenliste Bewunderung gebührt. Das Bild des Verlegers prägen die Monarchen noch heute - auch wenn mir manche große Geste inzwischen nicht mehr notwendig erscheint. Am Ende findet jeder selbst seinen Stil. Ich habe einige Briefwechsel der großen Verlagspatrone gelesen, das betrachtet man jetzt mit anderen, verständnisvolleren Augen.

          Und wie ist das mit Suhrkamp heute? Sehen Sie im Umzug nach Berlin Mitte die ersehnte Rückkehr in die Mitte der Intelligenzia?

          Bei Suhrkamp erscheint nach wie vor ein erheblicher Teil der wichtigen Gegenwartsliteratur. Das ist es, was am Ende zählt. Es wäre vermessen, zu erwarten, dass es einem Verlag über Generationen hinweg gelingt, das literarische Gespräch zu monopolisieren.

          In Berlin wohnen ja auch viele der DuMont-Autoren. Dann vielleicht noch einige in anderen Großstädten, aber kaum einer in Köln. Der Buchverlag bleibt aber fest an seinen Stammsitz gebunden?

          Es soll DuMont-Autoren geben, die außerhalb Berlins leben? Überhaupt Schriftsteller in anderen Städten? Davon hätte ich gehört. Manuskripteinsendungen ordnen wir inzwischen nicht mehr nach dem Alphabet, sondern nach Berliner Bezirken, weil von anderswo kaum mehr etwas kommt. Ein Vorteil Berlins sind die unkomplizierten Autorenbesuche: Einfach auf der Kollwitzstraße in die Sonne setzen, und bevor man ausgetrunken hat, sind alle schon vorbeigekommen. Zum Lesen kehrt man dann ganz gerne an den Rhein zurück.

          Die Königsfrage: Werden Sie dem Publikum geben, was es will oder was Sie für richtig halten?

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