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Im Gespräch: Schriftsteller Richard Wagner : „Seine Freundschaft war von der Securitate verordnet“

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Der Bespitzelte durchschaut den Spitzel: Der Schriftsteller Richard Wagner Bild: Matthias Lüdecke - FAZ

Der Schriftsteller Peter Grosz hat zugegeben, Autorenkollegen für den rumänischen Geheimdienst bespitzelt zu haben. Seine Aufmerksamkeit galt der von Richard Wagner mitbegründeten „Aktionsgruppe Banat“, der auch Herta Müller nahestand.

          Der Schriftsteller Peter Grosz, geboren 1947 im Banat, hat zugegeben, in den siebziger Jahren unter dem Decknamen „Gruia“ Autorenkollegen für den rumänischen Geheimdienst bespitzelt zu haben.

          Ähnlich wie im Fall des Lyrikers Werner Söllner galt seine Aufmerksamkeit der von Richard Wagner mitbegründeten „Aktionsgruppe Banat“, der auch Herta Müller nahestand.

          Herr Wagner, seit wann wissen Sie von der Spitzeltätigkeit von Peter Grosz, und wie haben Sie davon erfahren?

          Seit ungefähr einem Jahr. In meiner Securitate-Akte, dem operativen Vorgang „Ziaristul“ (Journalist), befindet sich der IM-Bericht eines „Gruia“ über eine Lesung von Herta Müller im Februar 1976. Ich hatte mich an der Diskussion beteiligt. Der Bericht darüber wurde in der Handschrift von Grosz verfasst.

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          Wie lange war Grosz IM, und welche Art von Information hat er an die Securitate gegeben?

          Wie lange Grosz IM war, ist noch offen. Laut den mir zur Verfügung stehenden Unterlagen war er dies bereits im Juli 1974 und 1977 immer noch. Das ist durch einen IM-Bericht über meinen Kollegen William Totok, den Grosz noch am Vortag seiner Ausreise nach Deutschland ablieferte, belegt.

          Haben Sie seit Ihrer Kenntnis der Akten mit ihm darüber gesprochen?

          Ich habe Grosz im August 2009 in Berlin zu einem Gespräch getroffen. Er hat seine IM-Tätigkeit zugegeben, um sie gleichzeitig zu verharmlosen. Damals kannte ich seine Berichte aus den Akten meiner Kollegen Gerhard Ortinau und Wiliam Totok noch nicht, und so war mir das wahre Ausmaß seiner Geheimdienstumtriebe noch unklar, was er zum Märchenerzählen nutzte.

          Grosz hat unter dem Decknamen Gruia vor allem Mitglieder des Literaturkreises Aktionsgruppe Banat ausgeforscht, den Sie mitbegründet haben. Wie gut kannten Sie Grosz in jener Zeit?

          Die Aktionsgruppe hatte zahlreiche Anhänger, aber auch Gegner genug. Manche handelten aus Neid und Konkurrenz, andere im Auftrag der Securitate, wie wir heute wissen. Grosz hat sogar einen Gegenkreis gegründet, den Arbeitskreis 74. Dieser kam zwar über seine Gründungssitzung praktisch nicht hinaus, er versuchte aber, unser politisches Engagement ins Lächerliche zu ziehen. Der von Grosz stammende Wahlspruch dieses Vereins lautete: „Unser Programm ist kein Programm.“

          Hat Grosz Sie alle gleichermaßen ausspioniert, oder war er auf einige Mitglieder des Kreises speziell angesetzt?

          Grosz gehörte zum harten Kern der Securitate-Helfer. Diese wurden gezielt eingesetzt, und zwar nicht nur zur Informationsbeschaffung, sondern auch zur Manipulation des jeweiligen Opfers. Sie drangen systematisch in dessen Privatleben ein. Grosz hatte den Auftrag, sich mit den Aktionsgruppen-Mitgliedern Ortinau und Totok anzufreunden.

          Grosz wanderte bereits 1977 nach Deutschland aus, zehn Jahre früher als Sie und Ihre damalige Frau Herta Müller. Hatten Sie auch in Deutschland noch Kontakt?

          Grosz hat uns in den achtziger Jahren sogar in Temeswar noch einmal besucht. Er sagt heute, dieser Besuch habe nichts mit der Securitate zu tun gehabt. Er habe nach seiner Ausreise nie wieder einen Geheimdienstler zu Gesicht bekommen. In Deutschland traf ich ihn, gleich nach meiner Ankunft im Frühjahr 1987, beim Leonce-und-Lena-Lyrik-Wettbewerb in Darmstadt. Er verwaltete damals die Angelegenheiten Totoks.

          Es heißt, Grosz sei 1974 in Rumänien neunzehn Monate lang inhaftiert gewesen. Wissen Sie etwas über die Hintergründe?

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