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Guttenberg-Biographie : Ein Aufsteiger von oben

Teilzeit-DJ: Karl-Theodor zu Guttenberg im Bundestagswahlkampf 2009 in Neuburg
          4 Min.

          Im Berliner Nachtleben, schreibt Anna von Bayern, Redakteurin bei der „Bild am Sonntag“ und Freundin von „KT“, also dem Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, ist zwei Uhr früh noch eine „zahme Zeit“. Nur eine „kleine Traube“ von Menschen steht an einem kalten Januarabend vor einem unscheinbaren Hauseingang, hinter dem ein „angesagter Techno-Schuppen“ liegen soll. Sie - das sind zwei Ehepaare, alte Freunde, Anna von Bayern, ihr Mann, Karl-Theodor und Stephanie zu Guttenberg - waren noch nie hier.

          Julia Encke
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Sie sind „zu früh, also uncool, und in schwarzen Kleidern, Jeans und korrekt gebügelten Hemden auch noch falsch angezogen“. Ohnehin versteht von ihnen nur einer was von Techno: KT. Der ist gerade Generalsekretär der CSU geworden, in Party-Laune und stellt, mit Blick auf Lippenpiercings und kahlrasierte Schädel, fest: „Kein typisches CSU-Publikum.“ Sie treten zum „Casting“ an der harten Tür an, schieben sich an einer Gruppe verschwitzter Mädels vorbei, bestellen Bier und tanzen - tanzen lange, so als wüssten sie, „dass dies das letzte Mal ist, dass das so möglich ist“.

          Distanzlose Hingabe an einen alten Freund

          Anna von Bayern hat ihre private Berliner Clubnacht als Nacht der Zäsur zum Ausgangspunkt genommen, um in ihrem jetzt erschienenen Buch „Karl-Theodor zu Guttenberg - Aristokrat, Politstar, Minister“ den unaufhaltsamen Aufstieg ihres Freundes zu beschreiben. Das Buch, sagt sie, sei keine Abrechnung - was einen nicht wirklich wundert. Es sei, obwohl es doch so aufgemacht ist, „selbstredend auch keine politische Biographie, die über einen Mann von 38 Jahren zu schreiben im wahrsten Sinne des Wortes vermessen wäre“. Und es sei kein Auftragswerk: „Das Buchprojekt stieß beim Minister selbst auf wenig Begeisterung.“ Die Autorin hat den Politiker bei seinen Terminen begleitet, war zu Gast bei der Familie, aber ein Interview, betont sie, habe sie für dieses Buch nicht mit ihm geführt. Was genau ist dieses Buch dann?

          Bild: Verlag

          Es ist eine Heldensage und eine kleine Hagiographie, wenn Anna von Bayern beschreibt, wie Menschen in entfesselter „Kate Mania“den Minister auf Wahlveranstaltungen anfassen wollen, um dann zu beschließen, sich die Hände nicht mehr zu waschen; wenn der „Hoffnungsträger zum Heilsbringer“ wird, als eine Mutter ihm ihr Baby entgegenstreckt, ganz so, als würde sie ihn bitten, es zu segnen. Es ist eine Hommage an den, laut Umfragen, beliebtesten Politiker des Landes. Und, darauf jedenfalls läuft es auf der letzten Seite hinaus, ein Plädoyer für Karl-Theodor zu Guttenberg als nächsten Kanzlerkandidaten, wovon, da sichert sich die Autorin ab, der Minister selbst nichts wissen wolle. Aber sie: „Nur so viel sei gesagt“, verrät sie halb-geheimnisvoll im letzten Satz: „Er hat eine Wette laufen, wer die nächsten Kanzlerkandidaten sein werden, und sein Name ist nicht darunter. Aber wir erinnern uns, dass er in seiner Jugend zunächst auch nicht in die CSU eintreten wollte.“ Die Frage ist nur, ob Anna von Bayern bei so viel distanzloser Hingabe ihrem alten Freund KT mit diesem Buch wirklich einen Gefallen getan hat.

          Er war schon vorher wer

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