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E-Books : Weltbild stellt eigenes Gerät vor

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„Der Buchhandel wandelt sich gerade zum online dominierten Multi-Channel-Geschäft”, sagt Weltbild-Geschäftsführer Carel Halff Bild:

Weltbild bietet ein eigenes E-Book an. Damit macht der Verlag Marktführer Sony Konkurrenz. „Mit der besseren Technik“, wie Geschäftsführer Halff versichert. Vorteil seien die zwölf verschiedenen Schriftgrößen.

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          Die Augsburger Medien- und Verlagsgruppe Weltbild GmbH bietet ein eigenes elektronisches Buchlesegerät (E-Book) an. Damit macht sie dem einzigen bisher käuflich zu erwerbenden Modell von Sony Konkurrenz. „Aber mit der besseren Technik“, wie der Vorsitzende der Geschäftsführung, Carel Halff, versichert. Das eigene von dem mittelständischen französischen Hersteller Bokeen hergestellte Buchlesegerät könne den Inhalt von mehr als eintausend Büchern speichern, das von Sony nur 160. Der größte Vorteil seien aber die zwölf verschiedenen Schriftgrößen, unter denen der Nutzer wählen könne. Das seien dreimal mehr als im Konkurrenzprodukt, das zudem noch teurer sei.

          Dennoch erwartet Halff keinen Umsatzsprung durch das neue Gerät. „Wenn wir in 3 bis 5 Jahren mit dem digitalen Buch das Volumen des Hörbuchs von derzeit 4 Prozent Marktanteil am Buchmarkt erreichen, dann ist das ein beachtliches Ergebnis“, sagt Halff. Vor allem der Einstiegspreis von 250 bis 300 Euro für das Lesegerät stehe einer schnellen Verbreitung im Weg. Für Halff ist das elektronische Buch, das sein Haus unter dem Namen Cybook verkauft, denn auch kein Ersatz für gedruckte Bücher, sondern ein zusätzlicher Weg, um Buchinhalte zu verbreiten, zumal die elektronischen Buchinhalte zwischen 10 und 15 Prozent billiger angeboten werden als die gleichen Inhalte in gedruckter Form. Halff geht davon aus, dass das elektronische Buchlesegerät erst im dritten Jahr positive Deckungsbeiträge leisten wird.

          „Der Buchhandel wandelt sich gerade“

          Die großen Aufgaben der kommenden zwei bis drei Jahre für sein Haus sieht Halff woanders. „Der Buchhandel wandelt sich gerade vom katalogdominierten zum Onlinedominierten Multi-Channel-Geschäft“, beschreibt Halff die große Veränderung, auf die sich sein Haus mit einer großen Umstrukturierung einstellt. Das Multi-Channel-Geschäft, wonach die Absatzkanäle Versand und stationärer Einzelhandel eine verbundene Einheit bilden, betreibt Weltbild schon mehrere Jahre. Man kann die im Katalog angebotenen Medien (Bücher, CDs, Filme, elektronische Spiele, Software) über das Internet bestellen und im Buchgeschäft abholen. Innerhalb dieses Zusammenspiels der Vertriebskanäle wächst das Internet ganz deutlich. Der Online-Handel nehme weiterhin zweistellig zu, sagt Halff. Die Weltbild-Gruppe erziele bereits die Hälfte ihres Handelsumsatzes über das Internet.

          Dieses Geschäft sei sehr ertragreich, weil der Kunde seine Bestellung quasi selbst einscanne, weil man über das Internet neue Kunden ohne Werbeaufwand generiere und weil man Katalogkosten spare. Daher sei Weltbild in der Lage, künftig die Versandkosten selbst zu tragen, anstatt sie dem Kunden in Rechnung zu stellen. Auf den Katalog werde man nicht verzichten. Er habe aber zunehmend nur noch die Aufgabe eines Impulsgebers für die Online-Bestellung, und man könne sich überlegen, ob dieser Impuls wie bisher zwölfmal im Jahr erfolgen müsse oder ob es nicht reiche, einem Kunden acht- oder zehnmal einen Katalog zuzusenden.

          „Aber wir sind immer noch deutlich in der Gewinnzone“

          Der stationäre Einzelhandel von Weltbild liege im Trend des gesamten stationären Buchhandels, der im März einen Umsatzrückgang um 8 Prozent habe hinnehmen müssen. Aufgrund der steigenden Online-Umsätze liege die gesamte Weltbild-Gruppe in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2008/09 (30. Juni) mit ihrem Umsatz dennoch leicht im Plus. „Damit sind wir zufrieden“, sagt Halff, der davon ausgeht, diese leichte Positiventwicklung auch über das gesamte Geschäftsjahr halten zu können. Der Ertrag habe zwar gelitten, „aber wir sind immer noch deutlich in der Gewinnzone“, versichert er.

          Finanzielle Luft verschafft zusätzlich der Verkauf des niederländischen Online-Anbieters bol.com. Weltbild nennt keinen Verkaufspreis, in der Branche geht man aber von einem Erlös von gut 200 Millionen Euro aus. Der Verkauf der niederländischen Beteiligung sei ebenso wie der Rückzug aus dem Russland-Geschäft jeweils eine Einzelmaßnahme und kein Ende der Expansion. Bol stehe vor einer Expansionsphase, die Weltbild nicht habe mittragen wollen. In Russland sei nach einer staatlich angeordneten Portoerhöhung der Buchversand unattraktiv geworden. Die Aktivitäten in Polen, Österreich und der Schweiz würden fortgesetzt. Allerdings stehe angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jetzt eine weitere Expansion der Gruppe - der nichtkonsolidierte Umsatz belief sich im letzten vollen Geschäftsjahr auf 1,95 Milliarden Euro - nicht im Vordergrund.

          Da die Umstrukturierung mit den Gesellschaftern, den katholischen Bistümern, abgesprochen ist, dürfte sich auf Eigentümerseite längere Zeit nichts ändern. Die Bistümer hatten nach einem Erwerber gesucht, sehen aber derzeit kaum Chancen, den gewünschten Preis zu erzielen. Die Verkaufsbemühungen seien daher zunächst auf Eis gelegt worden. Ein größerer Personalabbau werde mit der Umstrukturierung nicht verbunden sein, da vor allem im Internethandel steigende Volumina zu bewältigen seien.

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