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David Grossman kritisiert Israel : Neinsagen ist keine Politik

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Ein Leben hinter Stacheldraht: Palästinensische Arbeiter mit Baumaterial für den Gaza-Streifen Bild: AFP

Die Weigerung, mit der Hamas zu verhandeln, sichert dem israelischen Staat keinesfalls das Überleben – ganz im Gegenteil. Ein Plädoyer für einen Neuanfang von Friedenspreisträger David Grossman.

          5 Min.

          Statt jahrelang darüber zu debattieren, wie viele und welche Hamas-Gefangene im Austausch gegen Gilad Shalit entlassen oder nicht entlassen werden sollen, Gefangene, die Israel ohnehin im Rahmen irgendeiner Abmachung freilassen wird, sollte Israel der Hamas lieber ein sehr viel weiter reichendes und mutigeres Angebot machen.

          Das Angebot einer Absichtserklärung nämlich, die einen vollständigen Waffenstillstand, die Beendigung aller von Gaza ausgehenden terroristischen Aktivitäten und eine Aufhebung der Blockade vorsieht. Eine Übereinkunft, in der die Frage Gilad Shalits und der Hamas-Gefangenen nur eine von vielen Klauseln darstellt, die unmittelbar nach der Aufnahme von Verhandlungen umgesetzt werden sollten.

          Würde der Terror „legitimiert“?

          In der aktuellen Situation, an die wir uns nur allzu sehr gewöhnt haben, mag dieser Gedanke unrealistisch erscheinen. Aber ist er das wirklich? Sind der Staat Israel und die Hamas wirklich nicht fähig, mit Hilfe ausländischer Vermittler eine partielle, aber wirkungsvolle Übereinkunft dieser Art zu treffen? Würde solch eine Übereinkunft bedeuten, „eine Terrororganisation zu legitimieren“, wie die Gegner jedes Kontakts mit der Hamas behaupten, oder wäre es die realistische Reaktion eines Landes, das seine schwierige Situation mit Mut und Flexibilität zu verbessern versuchte? Und müsste man nicht auch von den gegenwärtigen Verhandlungen sagen, dass sie in gewisser Weise „eine Terrororganisation legitimieren“? Und weshalb sollte man sich mit der (ersehnten) Freilassung Gilad Shalits begnügen, wenn es möglich ist, eine für Israel weitaus vorteilhaftere Situation zu schaffen, und das zu einem Preis, der kaum höher sein dürfte, als Israel für Shalit zahlen wird?

          Die Politik muss das verknöcherte Mosaik des Konflikts aufbrechen: David Grossmann

          Israel wird in absehbarer Zeit nicht in der Lage sein, einen umfassenden und echten Frieden mit der Hamas zu schließen, und vielleicht nicht einmal in ferner Zukunft. Die Hamas verweigert dem Staat Israel die Anerkennung und macht Friedensverhandlungen abhängig von einer Anerkennung des „Rechts auf Rückkehr“ und von einem Rückzug auf die Grenzen von 1967. Es ist vollkommen ausgeschlossen, dass Israel diese Vorbedingungen akzeptiert. Aber weshalb sollte Israel nicht wenigstens zu erreichen versuchen, was sich in dieser schwierigen Lage erreichen lässt? Vielleicht zeigt sich ja, dass selbst die Hamas inzwischen reif ist und sich angesichts der Zwangslage, in die sie sich durch ihre starre Ablehnung manövriert hat, nach ein wenig Bewegung sehnt.

          Desaströse Bilanz

          Es ist peinlich, sich das Verhaltensmuster anzuschauen, zu dem Israel sich immer wieder selbst verurteilt hat, etwa bei der Jahrzehnte währenden totalen Ablehnung der Palästinensischen Befreiungsorganisation als Gesprächspartner, bei der Räumung der Siedlungen von Gusch Katif im Jahr 2006, beim überhasteten Rückzug aus dem Libanon und bei der Flottillen-Affäre, die zur Aufhebung der über den Gaza-Streifen verhängten Blockade geführt hat. Seit Jahren verfolgt Israel eine starre, engstirnige und einseitige Politik. Immer häufiger lässt man die Muskeln spielen und erklärt, man werde keinen Zoll zurückweichen, sofern die Lage sich nicht plötzlich, über Nacht oder vielleicht auch über Tag, vollständig verkehrt. Wenn der Boden oder auch das Meer unter Israels Füßen nachgibt, wird man zu weitaus größeren Zugeständnissen gezwungen sein, als man sie in Verhandlungen hätte machen müssen (und natürlich wird man dann für diese Zugeständnisse auch weniger Gegenleistungen erhalten).

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