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David Grossman kritisiert Israel : Neinsagen ist keine Politik

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Selbst in der schmerzlichen und frustrierenden Frage der Freilassung Gilad Shalits scheinen die Dinge sich in diese Richtung zu entwickeln. Doch angesichts der Tatsache, dass beide Seiten hier in ihren Positionen gefangen und Lösungen nicht in Sicht sind, werden wir es diesmal vielleicht wagen, unseren Standpunkt plötzlich zu erweitern, uns von den üblichen Vorbedingungen zu lösen und selbst die Initiative zu ergreifen (Initiative – ein längst vergessenes Wort).

Verknöcherte Verhältnisse

Die Hamas wird dem nicht zustimmen? Das ist möglich. Wir sollten es trotzdem ausprobieren. Vielleicht werden wir überrascht sein. Die Hamas-Regierung ist in der Tat fanatisch und agiert vielfach auf abscheuliche und unmenschliche Weise, selbst gegenüber den Palästinensern. Aber kann das eine Rechtfertigung für Israels vollständige Lähmung im Umgang mit der Hamas sein? In Wirklichkeit handelt es sich gar nicht um eine Lähmung, denn untergründig ist hier ein Prozess im Gang, der Israel zunehmend zwingen wird, die eigenen Positionen zu räumen, ohne eine Gegenleistung dafür zu erhalten, wie es beim Rückzug aus Gusch Katif und in der Flottillen-Affäre geschehen ist.

Niemand versucht, ein wenig Bewegung in diese verknöcherten Verhältnisse zu bringen und einen Prozess in Gang zu setzen, der die Hamas zwingen könnte, ihr Vorgehen zu ändern. Von ihrer Einstellung gegenüber Israel will ich hier gar nicht reden. Niemand tut etwas, um die Lage Israels zu verbessern. Neinsagen ist keine Politik, sondern eine mentale Fixierung. Und letzten Endes verleugnet Israel damit nur die eigene Handlungsfreiheit.

Mit Klischees gefüttert

Eine Überprüfung verdienen auch die gängigen Argumente, die man der israelischen Öffentlichkeit im Sinne eines unantastbaren Axioms präsentiert und wonach Verhandlungen mit der Hamas angeblich die Stellung der gemäßigteren palästinensischen Führung in der Westbank untergraben. Vielleicht wird sich hier wie bei der Gaza-Blockade zeigen, dass man uns seit Jahren mit Klischees füttert, die den Feinheiten und Möglichkeiten der Situation nicht gerecht werden. Und vielleicht wird sich auch zeigen, dass Verhandlungen mit der Hamas mit dem Ziel irgendeiner Übereinkunft die Mitglieder der Palästinensischen Autonomiebehörde anspornen werden, den Friedensprozess mit Israel zu beschleunigen. Und vielleicht entsteht dadurch eine Dynamik, die einen Versöhnungsprozess zwischen den beiden verfeindeten Teilen des palästinensischen Volkes in Gang setzt, einen Prozess, ohne den kein stabiles Friedensabkommen erreicht werden kann, nicht einmal mit dem Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas und seinen Leuten.

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