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Comic : Meine italienische Geisterfahrt

Fünf Jahre lang hat Ulli Lust an einer Geschichte gezeichnet, die die Ereignisse zweier Monate im Jahr 1984 erzählt. In ihrem Atelier schildert die Künstlerin den schwierigen Weg zu einer Comicsensation.

          9 Min.

          Der umfangreichste Comic, der bislang in Deutschland gezeichnet wurde, stammt aus einem dunklen Berliner Hinterzimmer. Von links fällt spärliches Licht durch eines der beiden Fenster auf den Zeichentisch, an dem Ulli Lust 460 Seiten gestaltet hat. Ihr Blick beim Zeichnen geht auf die Wand. Dort hängen dicht an dicht Skizzen und Kopien fertiger Seiten – Erinnerungshilfen an Schlüsselszenen, Figurenstudien, Recherchematerial. Es sind Relikte einer fünfjährigen Arbeitsphase, in der die zweiundvierzigjährige Zeichnerin sich mit Haut und Haaren einem autobiographischen Großprojekt verschrieben hat: Es heißt „Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          In zwei Wochen wird dieser Comic in die Läden kommen. Er ist eine Sensation. Nicht, weil er so dick ist, sondern weil Ulli Lust eine Geschichte zu erzählen hat, die ihresgleichen sucht. Es ist ihre Geschichte oder, besser gesagt: die Geschichte der jungen Frau, die Ulli Lust war, als sie noch Ulli Schneider hieß, als Punkerin in Wien lebte und einen Tag nach ihrem siebzehnten Geburtstag beschloss, mit einer Freundin nach Italien durchzubrennen. Zwei Monate später war sie wieder zu Hause. Doch was in der Zwischenzeit geschah, hat ihr Leben geprägt und verändert: „Ich habe für meine Erlebnisse auf der Italien-Reise jahrelang in Schande gelebt.“

          Der richtige Ort für einen Neubeginn

          Ulli Lust sagt es mit einem Lachen. Sie sitzt vor ihrem Schreibtisch. Durch das Fenster fällt der Blick hinaus auf eine Waldlandschaft mitten in Berlin, doch das ist nur der wild bewachsene breite Zwischenraum von einem Häuserblock zum anderen. Ulli Lust kam 1995 aus Wien in die deutsche Hauptstadt. Da hatte sie seit ihrer italienischen Reise bereits fünf Jahre als Kostümbildnerin und zwei Jahre als Modezeichnerin hinter sich. Es waren zudem drei Bilderbücher aus ihrer Feder erschienen, doch nun wollte sie mit Ende zwanzig ein Grafik-Design-Studium aufnehmen.

          Berlin schien der richtige Ort für einen Neubeginn. Ulli Schneiders erste Arbeit als Buchillustratorin war 1993 beim hiesigen KinderBuchverlag herausgekommen. „Marco und der Drache“ hieß sie, gezeichnet nach einem fremden Szenario. Dann ging das in der DDR ehedem erfolgreiche Verlagshaus in den ökonomischen Nach-Wende-Strudeln unter, und Ulli Schneider fand in Tyrolia, einem Innsbrucker Verlag, ihre neue publizistische Heimstatt in der alten österreichischen Heimat. Doch als 1995 ihr selbstverfasstes Bilderbuch „Ein Stück Himmelblau“ erschien, war es Zeit, neu anzufangen. Seitdem ist die Bilderbuchillustratorin passé, und Ulli Schneider heißt nach dem Mädchennamen ihrer Mutter Ulli Lust.

          An der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee fand sie schließlich ideale Bedingungen: nur zwölf Studierende pro Semester, insgesamt kaum mehr als vierzig im Studiengang. Und unter ihren meist viel jüngeren Kommilitonen einige, die sich dem Comic verschrieben hatten. Gemeinsam mit ihnen entstand neben dem Studium die Zeichnergruppe „Monogatari“ – benannt nach dem japanischen Wort für „erzählte Geschichte“.

          Dreidreiviertel Jahre Netto-Lebenszeit

          Das ist der Anspruch der Gruppe: erzählen, mit allen Mitteln, die der Comic bereithält. Also Vorrang des Inhalts gegenüber der Form und vor allem: vom Leben erzählen. Monogatari hat einige der berühmtesten deutschen Comiczeichner der letzten Jahre hervorgebracht: Markus Witzel alias Mawil mit seinem autobiographischen Band „Wir können doch Freunde bleiben“, Kai Pfeiffer und Tim Dinter mit ihren gezeichneten Reportageserien aus Berlin, Jens Harder, der in diesem Jahr seine fast vierhundertseitige Evolutionsgeschichte „Alpha“ in Frankreich veröffentlicht hat. Ulli Lust aber blieb im Hintergrund. Man findet einige Kurzgeschichten in Anthologien wie „Pommes d’amour“, „Flitter“ oder „Alltagsspionage“, aber selbst ihr schöner Sammelband „Fashionvictims, Trendverächter“, in dem sie 2008 all die Bildkolumnen und Minireportagen zusammengestellt hat, die sie im vergangenen Jahrzehnt gezeichnet hat, fand nur geringe Beachtung. Sie hatte aber auch einfach zu wenig Zeit, um sich um eigene Projekte zu kümmern, denn „Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“ verschlang alle Energie. Drei Tage zeichnete sie im Schnitt an jeder Seite. Macht zusammen 1380 Tage oder dreidreiviertel Jahre Netto-Lebenszeit, Urlaub oder andere Arbeit nicht gerechnet.

          Die ersten Kapitel wurden zudem noch einmal neu gezeichnet. Denn Ulli Lust begann wie üblich damit, ihre Bleistiftvorzeichnungen mit Tusche in Reinform zu bringen. Auf der Internetseite „Electrocomics“, die sie gemeinsam mit Kai Pfeiffer als Forum für Netzcomics betreibt, stellte sie von 2005 an kapitelweise die fertigen Seiten des Mammutvorhabens vor – mit einer Buchpublikation rechnete sie noch gar nicht. Doch die sauberen Zeichnungen schienen ihr irgendwann nicht mehr passend zum Inhalt, der in „Heute ist der letzte Tag deines Lebens“ erzählt wird. Und Inhalt ist wichtiger als Form. So arbeitete sie fortan allein mit Bleistift, um einen rauheren, spontaneren Strich zu erreichen. Das Ergebnis spricht für sich. Doch die ersten Kapitel musste sie neu zeichnen, weil die Tusche ja nicht wieder abgekratzt werden konnte. Wieder ein paar Monate Mehrarbeit.

          Es ist alles wirklich so passiert

          Die erzählte Zeit umfasst etwa zwei Monate, von Mitte August bis Mitte Oktober 1984. In diesen acht Wochen reisen Ulli und ihre Freundin Edith von Wien per Auto-Stopp, Eisenbahn und bisweilen zu Fuß von Wien über Villach an die italienische Grenze, die sie illegal überqueren (Österreich war 1984 noch nicht Mitgliedsstaat der EU). Es geht weiter nach Verona, in die Adria-Badeorte Cattolico und Pescara, nach Rom und über Neapel nach Sizilien, wo in Palermo Höhe- und Tiefpunkt der Geschichte erreicht werden – Höhepunkt, weil Ulli Lust hier in einer Intensität erzählt, die selbst die vorherigen, weiß Gott schon nicht glatten Kapitel noch in den Schatten stellt; Tiefpunkt, weil Ulli und Edith dort in die Fänge der Mafia und in Kontakt mit harten Drogen geraten. Edith prostituiert sich, und dieser Schock und das Erlebnis, eines Nachts im Gefängnis zu landen, als nach den Aussagen des festgenommenen Mafiapaten Tommaso Buscetta eine große Razzia stattfindet, lassen Ulli wieder zurückfinden in ein Leben, das sie zuvor als spießig abtat.

          Ist das alles wirklich so passiert? Ja, bekräftigt Ulli Lust, nur den Namen von Edith habe sie geändert, um der heute wieder in Wien lebenden Frau keinen Schaden zuzufügen. Gesehen haben sich beide seit damals nicht mehr. Als Ulli Lust nach ihrer Freilassung aus der kurzen Haft und der zwischenzeitlichen Rückkehr nach Rom schließlich im Oktober 1984 wieder daheim ankam, war Edith ihr schon zuvorgekommen und hatte dort die eigene Drogensucht und Prostitution der Freundin untergeschoben. Das begründete die Schande, in der Ulli fortan zu leben hatte. Niemand wollte ihr glauben, dass es bei einmal Heroin geblieben war und von Prostitution keine Rede sein konnte, dafür aber von Vergewaltigung und Belästigung.

          „Ganz schön dumm, aber einfach eine gute Geschichte“

          Heute erzählt Ulli Lust davon derart ruhig, dass man der feingliedrigen Frau jedes Wort glauben muss. Die Zeit und wohl auch der Abstand zur österreichischen Heimat haben den Zorn gemindert, der sie lange umgetrieben hat. In Berlin hat sie eine neue, ihre eigene Welt errichtet, und in deren Mittelpunkt steht die künstlerische Arbeit am Erzählen von dem, was andere Welten ausmacht. Ulli Lust versteht sich als Beobachterin, und so ist es auch im Falle ihrer selbst: Das eigene Handeln, damals wie heute, wird genau reflektiert, aber unmittelbar abgebildet. Dazu braucht es den Ruhepol des Ateliers, in dem es als einziges Zugeständnis ans sonstige Leben eine Matratze auf dem Boden gibt, über der eine rotkarierte Tagesdecke liegt – „hier: mein Arbeitsbett“, scherzt die Zeichnerin. Das Hinterzimmer befindet im ersten Stock eines Mietshauses in Prenzlauer Berg, nicht weit um die Ecke ist der Helmholtzplatz, wo die Zeichnergruppe Monogatari ihr Gemeinschaftsatelier unterhält. Doch Ulli Lust arbeitet lieber hier, wo sie auch wohnt, zwischen Büchern und zahlreichen Pinselbechern auf den Regalen.

          Sie teilt die Wohnung mit dem Monogatari-Kollegen Pfeiffer, der lange Überzeugungsarbeit geleistet hat, um sie zu bewegen, die italienischen Erlebnisse aufzuzeichnen. Genau ein Vierteljahrhundert nach der Reise ist die Sache nun fertig, und Ulli Lust zieht Bilanz: „Ich habe mich aus dieser Schande wieder herausgekämpft, und dann hatte ich mit der ganzen Disziplin und Kraft, die ich gewonnen habe, und meinem tollen Kunststudium nichts Besseres zu tun, als die ganze Story wieder zu erzählen.“ Sie lacht. „Das ist ganz schön dumm, aber es ist einfach eine gute Geschichte.“

          Darauf hat der deutsche Comic gewartet

          Auf solche Geschichten hat nicht nur der deutsche Comic gewartet, aber er ganz besonders. Zur Zeit schwelgt die Branche hierzulande im Graphic-Novel-Boom, also im - zunächst vor allem publizistischen, noch nicht wirklich ökonomischen - Erfolg von Comics, die keine Rücksicht auf Formate oder Umfänge mehr nehmen, sondern so erzählen, wie es der Stoff eben erfordert. Vorbild dabei sind Romane, deshalb die Bezeichnung „Graphic Novel“, die irreführend ist, weil die Verlage mittlerweile fast alles unter diesem Rubrum veröffentlichen, was nichts ins gängige Heft- oder Albenschema passt. Also Literaturadaptionen genauso wie Biographien oder nun Ulli Lusts Erlebnisbericht, der viel eher Anspruch darauf erheben dürfte, als Memoiren oder Reportage bezeichnet zu werden denn als Roman.

          Dennoch kann man dem kleinen ehrgeizigen Avant-Verlag, der „Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“ in sein Programm genommen hat, nicht genug dafür danken. Wer schon einmal umfangreiche Comics im Internet gelesen hat, weiß, wie viel mühsamer diese Lektüre ist. Ulli Lust hatte zudem fürs Netz ihre Seiten meist in ein Comic-Strip-Format umgearbeitet und damit spezifische Möglichkeiten der Seitenarchitektur, die nur eine Buchseite zur Verfügung stellt, vernachlässigen müssen. Die nun wiederhergestellte ursprüngliche Anordnung und die zum Teil auch neu arrangierte Bilderfolge nutzen das andere Erscheinungsbild perfekt aus. Nur um einzelne graphische Entscheidungen kann es einem leid tun, etwa dem Besuch Ullis in der Sixtinischen Kapelle, bei dem sie in der Netzversion des Comics erst einmal nur zur Decke mit Michelangelos Fresken blickt und dann im nächsten Panel die Perspektive so geweitet wird, dass nun auch die Betrachterin selbst mit ins Bild kommt. Dieser Wechsel von subjektiver zu objektiver Beobachtung war ein kleines Meisterstück; im Buch ist jetzt nur noch der objektive Blick übriggeblieben.

          Die Höhlen unterm Haus

          Die Bilder bleiben immer auf Ulli konzentriert. Als sie Edith auf dem Weg von Neapel nach Palermo aus den Augen verliert, gibt es keinen Erzählstrang, der den Weg der Freundin auf den Strich und in die Mafiakreise hinein verfolgt. Erst als sich beide durch Zufall nach tagelanger Trennung in Palermo wiederbegegnen, erfahren wir, wie es Edith in der Zwischenzeit ergangen ist. Diese Perspektive einer Quasi-Ich-Erzählung (die bisweilen auch konkret wird, wenn die Zeichnerin Ulli Lust aus der Rolle fällt und die Leser direkt mit einer kleinen Nebenbemerkung anspricht) wird nur einmal verlassen, als einer der vielen italienischen Männer, die Ulli in ihr Bett gedrängt haben, auf dem Bahnhof von Neapel verhindert, dass sie und Edith sich finden. Da zeichnet Ulli Lust eine schematische Überblicksdarstellung des Bahnhofs, um die Trennung der Freundinnen vorzuführen, und das ist die einzige zum Bild geronnene Szenerie, die sie als die Ulli vor fünfundzwanzig Jahren nicht selbst hat beobachten können.

          Immer häufiger wagte die Zeichnerin Ulli Lust im Laufe der Arbeit an ihrer Riesengeschichte formale Experimente, die den streng chronistischen Erzählton des Beginns erweitert haben. Ein Traum der jungen Ulli wird durch ein Höhlensystem unter dem Haus, in dem sie schläft, visualisiert; ein anderes Mal lösen sich bei einem Zornesausbruch die Konturen der Hauptfigur auf und verschwimmen ins Nichts. Einzelne Leerseiten werden zur Verdeutlichung von psychischen Ausnahmezuständen eingesetzt, und bei der letzten Aussprache, die Ulli auf der Rückfahrt nach Rom mit einem anderen österreichischen Aussteiger führt, wechselt die Perspektive plötzlich an die Decke des Zugabteils, wir blicken auf die beiden jungen Menschen herab, die sich da über die Liebe (er) und über die Enttäuschung (sie) zu verständigen versuchen, und dann fliegen wir als Betrachter weg, lassen die zwei winzig zurück auf ihrem dunklen Fleck Geborgenheit, um dann auf der nächsten Seite mitten im regnerisch-kalten und einsamen Rom zu landen. Was als Kamera- und Schnittsequenz im Kino wegen des dafür notwendigen Aufwands manieriert gewirkt hätte, ist im Einpersonen-Handwerk Comic ein simples Kunststück, das aber umso effektiver wirkt.

          Prater, Punk, Persepolis

          Ulli Lust versammelt in ihrem Buch etliches, was der Comic an ästhetischen Lösungen entwickelt hat. Wenn die Männer über Ulli herfallen, nehmen sie die tiefschwarzen Silhouetten von Raubtieren an, wie wir es aus Lorenzo Mattottis Geschichten kennen. Die Blickverlagerung in die Höhe hat David Mazzucchelli in seiner Paul-Auster-Adaption „Stadt aus Glas“ vor anderthalb Jahrzehnten mustergültig vorgeführt, und auch die allegorisch-traumverlorene Bildersprache eines David B. findet sich in „Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“ bisweilen wieder.

          Der Vergleich jedoch, dem Ulli Lust sich vor allem wird aussetzen müssen, ist der mit Marjane Satrapis Erfolgscomic „Persepolis“. Nicht nur, weil es immer noch selten ist, dass Frauen sich in die Riege der großen Comiczeichner vorkämpfen, sondern vor allem, weil beide Künstlerinnen traumatische selbst erlebte Jugendgeschichten erzählen. Und es gibt einen gemeinsamen biographischen Bezugspunkt: Satrapis Wiener Zeit in der Mitte der achtziger Jahre. Das ist der Teil von „Persepolis“, der angesichts der für Europäer viel spannenderen Episoden, die Satrapi über ihre Heimat Iran erzählt, in der Rezeption immer vernachlässigt wird. Doch die Perserin in Österreich erlebte ähnliche Enttäuschungen wie die Östereicherin in Italien, und zudem gehörten beide der Wiener Punkszene an. Ulli Lust lacht wieder, als sie darauf angesprochen wird: „Ich glaube, ich kenne diesen Punker Momo, mit dem Marjane Satrapi in Wien befreundet war. Er war ein paar Jahre jünger als ich, seine linke Attitüde seltsam schnöselhaft. Wir konnten nichts miteinander anfangen.“

          Streng gegenüber sich selbst und rücksichtslos

          Diese Äußerung macht einen entscheidenden Unterschied zwischen „Persepolis“ und „Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“ klar: Ulli Lust hat keine Botschaft, kein politisches Interesse, keine Überzeugung, die es zu vertreten gälte. Marjana Satrapi hat all das. Dafür hat sie ihr eigenes Leben neu arrangiert, um über die mehr als zehn Jahre, die „Persepolis“ umfasst, einen Spannungsbogen zu ziehen, der dramaturgischen Gesichtspunkten gehorcht, nicht dem realen Geschehen - hier folgt der Inhalt der Form. Ulli Lust dagegen ist auf der komprimierten Strecke von zwei Monaten Erzählzeit (bei größerem Buchumfang!) streng gegenüber sich selbst. Sie will erzählen, was genau passiert ist, weil es nichts Wichtigeres zu berichten gibt als das, was einen selbst gesprägt hat. Deshalb sind Dokumente in den Band einmontiert: Notizzettel, Bettelschilder, Tagebuchnotate - all das, was Ulli Lust als Siebzehnjährige schon gesammelt hat, um vor sich Rechenschaft abzulegen.

          Damit gesellt sie sich jetzt als jüngste und bislang eindrucksvollste Stimme dem immer noch wachsenden Chor autobiographischer Erzähler im Comic zu. Ulli Lust ist nicht nur streng gegenüber sich selbst, sondern auch rücksichtslos. Vier Freunde ließ sie die Sache probelesen; drei ermunterten sie, eine Freundin sah sie danach nicht mehr wieder. Ihren Eltern hat sie den Comic noch nicht gegeben, und der vierundzwanzigjährige Sohn Philipp, geboren ein Jahr nach der italienischen Reise, will das fertige Buch abwarten, ehe er die Geschichte liest. „Das ist mir zwar ein wenig unangenehm“, sagt Ulli Lust, „aber insgesamt vertraue ich auf sein liberales aufgeschlossenes Weltbild.“ Der Sohn wird die Mutter anders kennenlernen, als er sie zu kennen glaubte. Alle anderen Leser werden mit „Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“ Comics anders kennenlernen, als sie sie zu kennen glaubten.

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