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Bücher und ihre Cover : Auf dem Umschlagplatz

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Geballte Klischeeladung: Gewitterwolken, Vögel, eine Frau im Trenchcoat Bild: Piper

Für die meisten Bücher ist das Cover die erste und einzige Werbefläche. Wenn man sie aber nur danach beurteilte, wäre es um die schöne Literatur schlecht bestellt. Jetzt bringt der Künstler Neo Rauch frische Malerei in die Ödnis. Aber nicht jedem gefällt das.

          Der Versuch, in einer deutschen Buchhandlung ein Cover zu finden, das allein bereits den Kauf des Buches lohnt, ähnelt der verzweifelten Suche am Kiosk nach einer Grußkarte, mit der man weder sich selbst noch den zu Beschenkenden blamiert. Buchumschläge, nach denen man in der Titelflut sofort die Hand ausstrecken möchte, sind selten geworden. Lässt man den Blick über die Bücherstapel schweifen, blickt kaum ein Werk zurück. Es ist ein großes, ermattetes Daliegen, so weit das Auge reicht, ein braves, resigniertes Warten darauf, dass einen irgendwer mitnimmt, bezahlt, heimträgt. Liest. Dabei sind die überwiegend von Agenturen produzierten Belletristik-Cover keineswegs hässlich. Sie sind nur: langweilig. Abgestorben. Illustrativ statt innovativ. Vor allem aber sind sie unpersönlich. Kein Wunder, dass Lustkäufe im Buchhandel selten sind.

          Dabei ist der Umschlag, im Fachjargon auch „U1“ genannt, für die große Mehrheit der knapp fünfunddreißigtausend literarischen Neuerscheinungen im Jahr die erste und vor allem einzige Werbefläche, die sie bekommen. In der Belletristik sind das Titel, deren Auflage zwischen drei- und zehntausend Exemplaren liegt. Ab einem gewissen Punkt darüber wie darunter, sagen Fachleute, spielt das Buchgesicht allerdings keine Rolle: wenn ein Werk von vorneherein Bestsellerstatus hat, wie beispielsweise der neue Mankell - oder aber er sich ohnehin nur an eine kleine Gemeinde von Eingeweihten richtet, wie es etwa bei Lyrik häufig der Fall ist. Zwar macht ein gelungenes Cover ein Buch noch nicht zum Verkaufserfolg, aber es kann ihm den Weg dahin ebnen. Wenn ein Werk nichts taugt, kann allerdings auch der schönste Umschlag es nicht retten.

          Geballte Klischeeladung

          Die Sichtbarkeit eines Buches im Handel ist auch wichtig, damit die Literaturkritik greifen, der Leser eine Empfehlung finden kann. Dennoch gibt es immer wieder Bücher, die sich, obwohl von den Medien gänzlich unbeachtet, überdurchschnittlich gut verkaufen: ein solcher stiller Erfolg, sagt der Buchhändler meines Vertrauens, könne durchaus von einem stimmigen Cover angestoßen werden. Dass er als Beispiel ausgerechnet „Die Frau meines Lebens“ von Nicolas Barreau nennt, ist, was den massenkompatiblen Umschlaggeschmack angeht, niederschmetternd: Gewitterwolken, Vögel, eine Frau im Trenchcoat, deren Gesicht ein aufgespannter roter Regenschirm verdeckt, im Hintergrund Paris samt Eiffelturm. Offenbar hat die geballte Klischeeladung von Titel und Cover die Kunden schlicht schachmatt gesetzt.

          Geballte Klischeeladung: Gewitterwolken, Vögel, eine Frau im Trenchcoat Bilderstrecke

          Da die Erinnerung an ein zuvor gern gelesenes Buch bei der Wahl neuer Lektüre eine große Rolle spielt - ein Umstand, den sich etwa Amazon für seine Empfehlungslisten längst zunutze macht -, werden Bestseller-Umschläge gern nachgeahmt. In diesem Herbst geht die dreisteste Kopie auf das Konto von Dumont. Schon der Umschlag von Ralf Bönts Roman „Die Entdeckung des Lichts“ verweist auf Kehlmanns „Vermessung der Welt“. Am auffälligsten aber sind die Kopien in der Unterhaltungsliteratur, wo Cecilia Ahern mit ihren Bestsellern blitzblaue Himmel mit Wölkchenschrift zum Cover-Renner gemacht hat, eine positive Assoziation, von der noch Dora Heldt mit ihrem Dauerbrenner „Tante Inge haut ab“ anfangs profitiert haben könnte, dessen biedere Strandkorb-Anmutung ihrerseits wiederum bereits imitiert wird. Schneller schaffen es selbst neue Modetrends nicht vom Laufsteg zu H&M.

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