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Bioethik in der Literatur : Aufstand im menschlichen Ersatzteillager

Spiegel der künftigen Gesellschaft: Die kleine Siri (Nina Gummrich) ist der Klon ihrer Mutter (Franka Potente) in dem Film „Blueprint” Bild: ddp images

Wird die Gen-Industrie Klone als Organspender produzieren? Die Jugendliteratur verhandelt schon heute Konflikte, die morgen drohen können. Auch die Präimplantationsdiagnostik ist hier schon längst durchgesetzt.

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          Wenn ein alter, reicher Mann einen Jungen zärtlich behütet und ihn „mein Leben“ nennt, mag sich das Kind alle möglichen Hoffnungen auf ein schönes Erbe machen. Bei Matt, dem Helden aus Nancy Farmers Jugendbuch „Das Skorpionenhaus“, ist es umgekehrt: Er verdankt seine Existenz einem einzigen Zweck - eines Tages soll er als Organspender dienen, er soll dem Älteren Herz, Niere, Lunge sein, denn er wurde aus den Zellen des Reichen geklont. Die Bezeichnung „mein Leben“ ist ganz wörtlich gemeint.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          „Das Skorpionenhaus“ (Fischer Schatzinsel), die düstere Vision einer gar nicht so fernen Zukunft, ist bereits 2002 erschienen. Der Jugendroman wurde mehrfach prämiert und für die Präzision gelobt, mit der darin eine bioethische Debatte lebendig aufbereitet wurde. Neu allerdings war Farmers Sujet nicht.

          Bereits fünf Jahre zuvor hatte Birgit Rabisch in „Duplik Jonas 7“ (dtv) ebenfalls von der Erzeugung und Aufzucht menschlicher Klone berichtet, die für all jene gegebenenfalls neue Organe liefern sollen, die dafür bezahlt haben. In diesem Fall heißt das: Während der Medizinstudent Jonas Helcken das privilegierte Leben eines reichen Sohnes führt, lebt sein „Duplik“ genannter Klon in einer Art ewiger Jugendherberge mit Kleingruppen, Beschäftigungstherapie und viel Sport. Bis zu dem Moment, da irgendein Teil seines Körpers benötigt wird.

          Dass beide Bücher ausmalen, was wäre, wenn gewisse Tendenzen unserer Gegenwart fortgeführt würden, liegt auf der Hand. Und auch die Linie, die hier von der Wirklichkeit in die Möglichkeit führt, lässt sich einigermaßen klar bestimmen: Aus der Produktion mehrerer Embryonen werden die Auswahl des mutmaßlich lebensfähigsten sowie das Einfrieren weiterer Zellen zu therapeutischen Zwecken. Im nächsten Schritt wird die Auswahl verfeinert.

          Bist du arm, stirbst am kranken Darm

          Es geht nicht mehr nur um das Überleben des Embryos, sondern um eine gewünschte genetische Veranlagung, die chronische Krankheiten oder Behinderungen des Kindes unwahrscheinlich machen soll. Der darauf folgende Schritt ist dann nicht mehr das Ausmerzen unerwünschter Eigenschaften, sondern das Fördern gewünschter: Blond soll das Kind sein, eine Stupsnase haben, eine schlanke Statur und ein sonniges Naturell. Und damit es das auch behält, reift ein zweites Kind heran, dessen Körper dem ersten ein langes Leben verspricht. In „Duplik Jonas 7“ bringt das ein Kinderreim auf den Punkt: „Eins, zwei, drei, du bist frei / bist du arm, stirbst am kranken Darm, / bist du reich, heilt dich Dupliks Leich'.“

          Reich sind natürlich nicht die Kinder, sondern deren Eltern, und anders als in „Das Skorpionenhaus“ kommen hier nur Menschen als Empfänger von Organen der Dupliks in Frage, deren Eltern vor der Geburt dafür gesorgt haben, dass es Klone ihrer Kinder gibt. Diese Entscheidung der Autorin ist ebenso wichtig wie auf den ersten Blick überraschend. Warum sollte die biologische Forschung, die in jener Zukunft schon so viel ermöglicht hat, nicht auch aus adulten Stammzellen Klone herstellen können?

          Nur noch gut für die verbrauchende Forschung

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