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Bascha Mikas Emanzipationsschrift : Die Vermausung der Welt

  • -Aktualisiert am

Bitte kein Pink! Bascha Mika erregt sich über den Kleinmut ihrer Geschlechtsgenossinnen Bild: Andreas Kuther

So harsch hat wohl noch niemand je öffentlich Dreijährige kritisiert: Bascha Mikas neue Streitschrift „Die Feigheit der Frauen“ wählt alle die Frauen zum Gegner, die nicht Mikas eigenem Lebensmodell gefolgt sind. Das Streiten lohnt sich deshalb nicht.

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          Alle drei Jahre kommt etwas Schwung in die Feminismus-Debatte, ein paar Talkshows bestücken dann ihre Sitzecken mit Expertinnen zum Thema, in den Feuilletons wird eine Diskussion simuliert. Zuletzt kamen 2008 etwa gleichzeitig mehrere Bücher jüngerer Frauen auf den Markt, die an einem Punkt in ihrer Biographie angekommen waren, an dem sie feststellen mussten, dass es mit der Gleichheit vielleicht doch noch nicht so weit her ist, wie sie bis dahin anzunehmen vorgezogen hatten. Danach war wieder Ruhe.

          Eine seltsame, unbegründete, ein bisschen unheimliche Ruhe eigentlich, bedenkt man, was sich alles nicht getan hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten, was die Gleichstellung von Männern und Frauen im Berufsleben angeht. Dass deutsche Frauen fast ein Viertel weniger verdienen als Männer in denselben Jobs, kann nur als Sauerei bezeichnet werden; dass ernsthaft noch diskutiert werden muss über eine gesetzliche Quote, die niedliche 30 Prozent Frauen in Führungspositionen vorschreiben würde, als Trauerspiel. Aktuell sind in den 200 größten deutschen Unternehmen nur 3,2 Prozent der Vorstandsposten mit Frauen besetzt. Rechnet irgendjemand außer Angela Merkel ernsthaft damit, dass sich daran ohne politischen Druck irgendetwas ändern wird? Bekannt ist auch, dass es bei weitem nicht genug Kinderbetreuungsplätze in diesem Land gibt, in dem es nun mal eine Realität ist, dass auch Frauen arbeiten. Ob sie nun müssen oder wollen oder beides.

          Es ist also ein sehr guter Zeitpunkt, mal wieder über Gleichberechtigung nachzudenken. Eben erst brachte der „Spiegel“ eine aufregende Titelgeschichte, in der eine Quote auch im eigenen Haus gefordert wurde, was in der Männerdomäne Top-Journalismus einem mittelschweren Erdbeben gleichkommt – und, wie zu hören ist, möglicherweise sogar Konsequenzen nach sich ziehen soll: angeblich will die Chefredaktion ein Konzept zur Frauenförderung erarbeiten. Und nun erscheint ein Buch, das den so provokanten wie unter Marketingaspekten genialen Titel trägt „Die Feigheit der Frauen“, geschrieben von einer Frau, deren Karriere alles andere als gewöhnlich verlief: Bascha Mika, die einzige Chefredakteurin einer überregionalen Tageszeitung, die Deutschland je hatte, von 1999 bis 2009 leitete sie die „taz“.

          Lustlos lüftet sie gläserne Decken, old-boys-networks und und und

          Ihr Buch will sie als „Streitschrift“ verstanden wissen, wie der Untertitel verrät, genauer als „Streitschrift wider den Selbstbetrug“. Interessanterweise hatte der „Spiegel“ denselben Begriff für seinen Frauenquoten-Titel gewählt: „Warum Deutschland die Frauenquote braucht – eine Streitschrift“. Offenbar muss, wenn Frauen etwas Kontroverses in die Diskussion einbringen, immer beschwichtigend vorausgeschickt werden, dass nun ein Beitrag folgt, der von dem einen oder anderen als unbequem verstanden werden könnte. Es hat etwas von einer vorauseilenden Entschuldigung. Aber gut, Mikas Buch soll also eine Aufforderung zum Widerspruch sein, zu einem Streit gehört ja immer mindestens eine abweichende Zweitmeinung. Und interessant ist, mit wem Bascha Mika streiten will: Mit den Frauen. Und zwar mit all jenen, die es anders gemacht haben als sie selbst, die nicht Karriere gemacht haben, obwohl sie, so Mikas Behauptung, das ursprünglich einmal vorhatten.

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