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Theatralischer Rassismusvorwurf : Angeschwärzt

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Am Berliner Schlossparktheater spielt ein Weißer einen Schwarzen. Das soll rassistisch sein. Warum fordern wir nicht gleich, dass Hamlet von einem Dänenprinzen gespielt wird?

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          Was tut das Theater? Wir wiederholen es hier zum hundertsten Mal (gerne auch noch öfter): Das Theater zeigt wirklich, was in Wirklichkeit nicht ist. Also: Hamlet stirbt wirklich (möglichst glaubwürdig) auf der Bühne - aber in Wirklichkeit verbeugt er sich nach der Vorstellung, trinkt in der Kantine ein Bier, fährt mit der Straßenbahn nach Hause, um am nächsten Abend wieder wirklich zu sterben. Auch kann der Darsteller des Hamlet ein Badener oder ein Hottentotte sein, er muss nicht dem dänischen Königshaus angehören, um den Dänenprinzen über die Rampe zu bringen. Und wer den venezianischen Mohrengeneral Othello spielt, muss kein Schwarzer sein, um, schuhwichsenverschmiert unter tollsten Schweißfontänen wie einst der große Ulrich Wildgruber (Hamburg, 1976) den dunkelsten Super-Außenseiter hinzulegen.

          Selbst als der Dramatiker Jean Genet 1964 die deutsche Erstaufführung seines Dramas „Die Neger“ verbieten wollte, weil das Darmstädter Landestheater die Genetschen Schwarzen nicht mit waschechten solchen besetzen konnte, offenbarte der sowieso schon Mackenreiche nichts als eine Erz-Macke. Die aber seitdem unter dem Obermacken-Stichwort „Authentizität“ hie und da zu einer blödsinnigen, wiewohl virulenten Verwechslung von wirklichem Theater und wirklichem Leben geführt hat. Erst noch im Dezember musste das Berliner Deutsche Theater die deutsche Erstaufführung von „Clybourne Park“ des amerikanischen Pulitzerpreisträgers Bruce Norris noch vor der Premiere stornieren - weil Norris die Besetzung von schwarzen Figuren mit weißen Schauspielern mackenmäßig verbot.

          Und jetzt bricht über das kleine, tapfere, privat betriebene und von Didi Hallervorden geleitete Berliner Schlossparktheater eine internetgesteuerte Schmutzkampagne herein, die sich aber ins reinste Weiß des korrektest scheinenden Anti-Rassismus kleidet. Man spielt dort Herb Gardners Komödie „Ich bin nicht Rappaport“, eine liebenswürdige Geriatrität, in der ein alter, Dauerreden quasselnder Weißer (Nat) und eine alter, die Dauerreden des Weißen klug parierender Schwarzer (Midge) auf einer Parkbank letzte Abwehrgefechte gegen die Zumutungen des Alterns, der Umwelt, des Abgeschobenseins und dergleichen witzig bestehen.

          Diese Harmlosigkeit geht seit mehr als vierzig Jahren über alle möglichen deutsche Bühnen, gespielt von allen möglichen Weiß-Schwarzen wie Schwarz-Weißen (Minetti selig darunter): gehobener Boulevard für zwei Virtuosen. Dass der weiße Schauspieler Joachim Bliese schwarz geschminkt den Schwarzen Midge gibt, hat dem Schlossparktheater den - internetschlammlawinengesteuerten - Vorwurf des Rassismus eingetragen. Hallervorden wehrt sich zu Recht. Denn wer fordert, dass nur Schwarze Schwarze spielen dürfen und man folglich einem Schwarzen auch verbieten müsste, einen Weißen zu spielen - wäre der dann nicht der wahre Rassist.

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