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Theater : Schlingensief gründet „Zentrale für aussteigewillige Neonazis“

  • Aktualisiert am

„Hamlet” mit Neonazis Bild: dpa

Schlingensief hält die Nation in Atem. Der Regisseur will in Düsseldorf eine Zentrale für aussteigewillige Neonazis einrichten.

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          Trotz heftiger Kritik von Kulturschaffenden und Politikern hält Theaterregisseur Christoph Schlingensief an seiner Arbeit mit Neonazis fest. Gemeinsam mit dem Schauspieler Peter Kern und dem Rechtsrock-Produzenten Torsten Lemmer will er in Düsseldorf eine „Europäische Zentrale für aussteigewillige Neonazis“ gründen.

          Die Institution soll eng mit der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Aussteigerprojekt der Bundesregierung „Raus“ zusammenarbeiten.

          Bundesweit sorgt Schlingensief seit Wochen für Kontroversen. Anlass ist sein umstrittenes Theaterprojekt „Hamlet“, in dem auch nach eigenem Bekunden aussteigewillige Rechtsextremisten wie Lemmer mitspielen. Dieser versichert, sich von der Neonazi-Szene distanziert zu haben.

          Nach Auftritten in Zürich und Berlin setzen sich die Theatermacher nach wie vor dafür ein, das umstrittene Stück auch im Düsseldorfer Schauspielhaus zu zeigen. Schauspiel-Intendantin Anna Badora hat jedoch mehrfach gesagt, die Produktion sei in ihrem Haus nicht erwünscht.

          Nordrhein-Westfalens Kulturminister Michael Vesper (Grüne) sagte, er könne Badoras Entscheidung „nachvollziehen“. Die Inszenierung sei ein außergewöhnlicher politischer Versuch. Über die künstlerische Seite werde gestritten. Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff empfahl der Intendantin, „hart“ zu bleiben. Er wolle die Kultur in Düsseldorf nicht zu „Steigbügelhaltern von Rechtsradikalen“ machen.

          Kern verteidigte die Inszenierung als „neu definiertes Theater“. Schlingensief wage mit diesem Projekt die „Resozialisierung als Gesamtkunstwerk“. Anfragen für Gastspiele aus der ganzen Welt lägen vor. „Resozialisierung findet nur statt durch Öffentlichkeit und nicht durch Abschiebung und Anonymisierung von Nazis“, betonte Kern.

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