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Andreas Rossmann (aro.)

Theater : Kölner Schaustelle

Das Kölner Theater ist in „Das kleine Haus“ zurückgekehrt. Zumindest fast. Die Sanierung von Opern- und Schauspielhaus ist noch lange nicht fertig, aber bis dahin kann es schon als Studiobühne genutzt werden.

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          Der Intendant hat sich in Schale geworfen. Schwarzer Anzug, Schlips, Champagnerlaune. Eine magentafarbene Schleife wird aufgezogen, ein Streichquartett spielt, Begrüßungsreden. Der rosarote Teppich führt in eine neue Spielstätte des Schauspiels Köln. Das Theater ist zurückgekehrt an den Offenbachplatz, in die Mitte der Stadt. Nein, die Sanierung von Opern- und Schauspielhaus ist noch lange nicht abgeschlossen, ein Termin dafür kann nicht genannt werden. Aber das künftige „Kleine Haus“ wurde so weit hergerichtet, dass es als Studiobühne genutzt werden kann. Eine Tribüne mit hundertfünfzig Plätzen wurde erstellt, schalldichte Türen eingesetzt, Technik und eine Lüftungsanlage installiert, ein Foyer und sogar eine Bar namens „Britney“ eingerichtet. Doch das Gebäude bleibt sichtbar ein Provisorium: Die Leitungen liegen, mit Plastikschellen befestigt, auf den unverputzten Wänden, als Vorhang dient eine Plastikfolie, Feuerlöscher stehen auf dem Boden. Theater kann hier trotzdem gespielt werden: die Baustelle als Schaustelle. Eine halbe Million Euro hat Intendant Stefan Bachmann aus seinem künstlerischen Etat abgezweigt, nur 150000 Euro beträgt der Anteil der „Sowieso-Maßnahmen“, die später ohnehin angefallen wären. Für mindestens eine Saison wird die Spielstätte von vier ehemaligen Regieassistenten kuratiert, die sich hier ausprobieren und, durchweg mit Ur- und deutschen Erstaufführungen, erste Schritte in die Selbständigkeit unternehmen können.

          Von Experiment ist zum Auftakt zwar nicht viel zu spüren, zu mitteilsam und bemüht das Stück „Karnickel“ von Dirk Laucke, eine klischeeselige Komödie, zu brav, illustrativ und faxensatt die Inszenierung von Pinar Karabulut. Das wichtigere Signal setzt der Spielort, auch wenn es zugleich pointiert, dass in Köln verkehrte Verhältnisse herrschen – das Domizil des Schauspiels befindet sich fern des Zentrums auf der rechten Rheinseite in einem aufgelassenen Industriegelände in Mülheim, während die neue Filiale als „Außenspielstätte am Offenbachplatz“ firmiert.

          Das Theater hat in der Diaspora nicht an Energie, doch die Stadt hat einen Ort der Öffentlichkeit und ein Kraftzentrum verloren. Noch trennt ein Bretterzaun die neue Bühne vom Offenbachplatz, auf dem der Brunnen schon wieder sprudelt, und der kleinere Platz schräg dahinter vor dem Schauspielhaus ist bereits fertig und freigegeben. Das Herz der Stadt schlägt noch nicht wieder, aber nach dem langen Stillstand, den vielen Verschiebungen und Vertröstungen muss es einem nicht länger als ein Wunder vorkommen, wenn die Operation gelingt.

          Andreas Rossmann
          Freier Autor im Feuilleton.

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