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Theater : Hochhuth äußert sich zu Vorwürfen der Deutschen Bank

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Der Autor Rolf Hochhuth stellt klar: In seinem Drama werde kein Verständnis für einen möglichen Mordanschlag auf Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geäußert. Ein Sonett handelt schon davon.

          Der Schriftsteller Rolf Hochhuth hat Vorwürfe zurückgewiesen, in seinem neuen Theaterstück „McKinsey kommt“ werde Verständnis für einen möglichen Mordanschlag auf Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geäußert.

          „Nein, da liegen Sie falsch", sagte Hochhuth der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch auf eine entsprechende Frage. Teil seines Theaterstücks ist ein Sonett, in dem Ackermann scharf angegriffen wird. „Für Josef Ackermann jährlich 6,95 Millionen Euro. Beirrt/ ihn dass er 14,31 Prozent Deutsche Banker entlässt?/ Die Kosten dem Staat aufhalst, den die Wirtschaft erpresst?", heißt es darin. Das Gedicht endet mit dem Dreizeiler: „Die FAZ lehrt A's rechtlose Opfer als 'Umbau' zu tarnen!/ 'Tritt' A. nur 'zurück' wie Geßler durch - Tell?/Schleyer, Ponto Herrhausen warnen.“

          Deutsche Bank alarmiert

          In Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ tötet der Schweizer Freiheitsheld Tell den tyrannischen Landvogt Geßler. Einer der Vorgänger Ackermanns, der frühere Deutsche Bank Vorstandssprecher Alfred Herrhausen, der ehemalige Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer und der ehemalige Präsident der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, waren Anschlägen der linksradikalen Untergrundgruppe Rote Armee Fraktion (RAF) zum Opfer gefallen.

          Die Deutsche Bank lehnte es am Mittwoch ab, zu dem Theaterstück Stellung zu nehmen. Allerdings zitierte der Berliner „Tagesspiegel“ am Mittwoch den Deutsche-Bank-Sprecher Detlev Rahmsdorf mit heftigen Vorwürfen gegen Hochhuth. Die Aussagen zu Ackermann seien ein Skandal, heißt es dort. Die entsprechenden Textpassagen seien unverantwortlich. Die Deutsche Bank prüfe alle rechtlichen Schritte.

          Meinungsfreiheit für Theaterfigur

          Hochhuth selbst wollte zu den Vorwürfen der Deutschen Bank nur konkret Stellung nehmen, wenn diese ihm vorliegen. „Wenn ich den Klartext der Deutschen Bank habe, werde ich auch antworten", sagte er. „Ich will wissen, was er (der Sprecher) mir vorhält.“ Da von Anzeigen die Rede sei, müsse er wissen, auf was er zu antworten zu habe.

          Hochhuths Stück soll Mitte Februar im Brandenburger Theater, wo derzeit die Proben laufen, aufgeführt werden. Verlegt wird es im Münchner Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv). Der dtv-Cheflektor für Belletristik, Lutz Wolff, sieht keinen Grund für die Vorwürfe der Bank: „Erstens, Herr Hochhuth lehnt Gewalt ab, er ist gegen jedes Blutvergießen. Und zweitens handelt es sich hier um Literatur, wir reden über ein Gedicht, das eine Figur in einem Theaterstück vorträgt.“ Diese Figur dürfe Meinungsfreiheit haben.

          Aufruf nicht erkennbar

          "Ich denke, dass eine solche literarische Bezugnahme auf die Figur des Tell schon zeigt, dass es sich hier um eine literarische Darstellung handelt", sagte er weiter. Er könne nicht erkennen, dass ein Aufruf zu irgendwelchen Gewalttaten vorliege. In Hochhuth Stück wird in Zusammenhang mit Ackermann auch der Philosoph Jacob Burckhardt erwähnt: Burckhardt nennt Mord „Hilfsmittel, da man Richter wird bei Abwesenheit aller legalen Rechtsmittel.“

          Ackermann muss sich seit Mittwoch vor dem Düsseldorfer Landgericht wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn, davon gewusst zu haben, dass Millionenprämien für Ex-Manager des Mannesmann-Konzerns bei der Übernahme durch Vodafone unrechtmäßig hoch gewesen seien.

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