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Theater : Christoph Marthaler verläßt Zürich

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Christoph Marthaler Bild: dpa/dpaweb

Christoph Marthaler, Chef des Schauspielhauses Zürich, verläßt die Bühne vorzeitig zum Ende der nächsten Spielzeit. Seinen Ausstieg begründet er mit „gesundheitlichen Gründen“ und der „nicht mehr tragbaren Belastung“.

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          Christoph Marthaler, Chef des Schauspielhauses Zürich, verläßt die Bühne vorzeitig zum Ende der nächsten Spielzeit. Das teilten die Direktion und der Verwaltungsrat des Schauspielhauses am Dienstag in Zürich mit.

          Marthaler, seit 2000 für fünf Jahre als künstlerischer Leiter verpflichtet und zwischenzeitlich wegen mangelnden Publikumszuspruchs mit Kündigung bedroht, begründete seinen Ausstieg zum Ende der Saison 2003/2004 mit „gesundheitlichen Gründen“ und der „nicht mehr tragbaren Belastung“. Er werde jedoch die - bislang noch nicht feststehende - neue künstlerische Direktion unterstützen und als Hausregisseur zur Verfügung stehen.

          Marthaler betonte, seine Entscheidung habe nichts mit Sparmaßnahmen des Theaters zu tun. Stefanie Carp, enge Mitarbeiterin Marthalers in Zürich, lehnte das Angebot des Verwaltungsrates zur Führung der Bühne ab. Sie sehe keine Möglichkeiten, nach dem Wegfall der Zusatzleistungen des Kantons in Höhe von 2,5 Millionen Schweizer Franken ein künstlerisch angemessenes Theaterprogramm anbieten zu können. Nachdem diese aus Sicht des Verwaltungsrates „optimale Lösung“ leider nicht zu Stande komme, seien erste Schritte eingeleitet worden, um eine neue künstlerische Leitung für Mitte 2005 zu finden.

          Als möglicher Nachfolger Marthalers an der Spitze des Schauspielhauses ist in Schweizer Medien bereits Stephan Müller genannt worden, derzeit Dramaturg am Wiener Burgtheater. Zuvor war er Co-Direktor des Zürcher Theaters Neumarkt. Marthaler, im deutschsprachigen Raum als Erneuerer der Theaterkunst gefeiert, war 2000 mit einem Fünf-Jahres-Vertrag in seine Schweizer Heimat zurückgekehrt. Viele Kritiker bescheinigten ihm, das Haus mit der großen Vergangenheit zu neuem Leben erweckt zu haben. 2001 und 2002 wurde das Schauspielhaus zum „Theater des Jahres“ gekürt. Beim Berliner Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen spielte das Zürcher Schauspielhaus seit Beginn der Ära Marthaler stets ganz vorn mit.

          Als das Zürcher Theaterpublikum dem Kultregisseur jedoch die Gefolgschaft versagte und einige Produktionen vor fast leeren Rängen gezeigt wurden, flatterte Marthaler Ende August 2002 die vorzeitige Kündigung zum Ende der laufenden Spielzeit auf den Tisch. Nach Protesten in der Schweiz und im Ausland nahm der Verwaltungsrat den Rausschmiß im Oktober vorigen Jahres zurück, verpflichtete das Marthaler-Team jedoch zu einem rigorosen Sparprogramm. Gleichzeitig flossen mehr öffentliche Subventionen.

          Von der Spielzeit 2004/2005 an klafft jedoch noch eine Finanzierungslücke von 2,5 Millionen Franken (rund 3,8 Millionen Euro). Der Zuschauerschwund ist in beiden Spielstätten - der Pfauenbühne und der Schiffbauhalle - unterdessen eingedämmt. Die Auslastung liegt nach Angaben der Geschäftsführung in der laufenden Saison bis Ende April im Pfauen bei durchschnittlich 56 Prozent (Vorsaison: 46 Prozent) und im Schiffbau bei 83 Prozent (Vorsaison: 73 Prozent).

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