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The Last Week of the Proms (8) : Gott erhalte der Königin ihren Humor

Jiri Belohlávek dirigiert das BBC Symphony Orchestra und ein Fahnenmeer Bild: dapd

Nationalität weitet sich zur Humanität. Menschheitlich und gesittet geht es zu bei der Last Night of the Proms. Da ruft auch der Deutsche, mit oder ohne Deutschlandflagge, nach seinem Bogen von brennendem Gold.

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          Königin Elisabeth II. wird in zwei Jahren ihr diamantenes Thronjubiläum feiern. Ihr Denkmal steht in den Herzen ihrer Untertanen. Denn es ist nicht mehr üblich, dass Institutionen das Singuläre eines königlichen Besuchs durch die Errichtung eines Standbilds der Besucherin in Erinnerung halten. Die nach Sir Henry Wood benannten Promenadenkonzerte finden in einem Mausoleum statt. Das Grundstück, auf dem die Royal Albert Hall steht, wurde mit Gewinnen der Weltausstellung von 1851 gekauft, deren dirigierender Geist der 1861 verstorbene Prinzgemahl Königin Viktorias gewesen war.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Zur Errichtung des Gebäudes leisteten wohlhabende Untertanen der Königin ihren Beitrag, indem sie Anteile erwarben. Daher sind die Logen im großen Umgang des Konzertsaals bis heute Privateigentum der Nachfahren der damaligen Stifter. Die Schilder an den Türen weisen klingende Namen von Unternehmen und Adligen aus. Diese privaten Patrone der Albert Hall erhalten Eintrittskarten für alle Veranstaltungen, die sie bei Nichtbenutzung allerdings in den normalen Verkauf geben. Nur an wenigen Terminen im Jahr darf die Direktion Karten für den gesamten Saal ausstellen. Die BBC als Betreiber der Proms kann bei den meisten Konzerten etwa 4600 Karten verkaufen; die Patrone verfügen über weitere 1300 Sitze. Die im Krieg zerstörte Queen's Hall hatte 3200 Plätze.

          Der ganze Stadtbezirk rund um die Albert Hall ist eigentlich ein Monument für den deutschen Prinzgemahl, den Förderer der nützlichen Wissenschaften und der für die seelische Erhebung nützlichen Künste. Augustus, der erste römische Kaiser, rühmte sich, er habe eine Stadt aus Ziegelsteinen vorgefunden und eine Stadt aus Marmor hinterlassen. Dieses Vorbild war für den englischen imperialen Klassizismus verpflichtend. Aber Neu-Kensington, die Metropole der Geistesindustrie und Augentechniken, ist eine Stadt aus Backsteinen. Der Weg vom U-Bahnhof South Kensington zur Royal Albert Hall zieht sich ein wenig. Man muss das Viktoria-und-Albert-Museum des Kunsthandwerks und das Museum der Naturgeschichte passieren. Die Hochschule für angewandte Wissenschaften heißt immer noch Imperial College, obwohl der Vater der regierenden Königin den Titel des Kaisers von Indien abgelegt hat.

          Die Proms als nationaler Ritus im Zeichen eines universalen, menschheitlichen Enthusiasmus'

          Was die historische Forschung den „imperial overstretch“ nennt, spürt man jedenfalls in den Füßen, wenn man an dem weitläufigen Komplex vorbeimarschiert. Panorama-Kellerfenster erlauben den Blick auf riesige Greifarme mit aufgeklebten Sicherheitshinweisen der stolzen Hersteller. Wer fleißig ist, wird große Schritte machen und hoch hinauskommen: Die übermenschlichen oder posthumanistischen Dimensionen der Architektur dieses Viertels sind auch bei späteren Erweiterungen in Glas und Stahl nicht reduziert worden. Wenn man schließlich die Albert Hall erreicht hat, ist man fast enttäuscht, dass das Königliche Kollegium der Organisten sich mit einem Haus begnügen muss, das als Verschlag für die Konzertorgel von gegenüber zu klein wäre. Dafür erfreut der exquisite Fries der pfeifenden Putti.

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