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Gina Thomas (G.T.)

Kritik an Serie „The Crown“ : Der royale Punk spielt nicht mit

  • -Aktualisiert am

Legt Wert auf historische Genauigkeit: John Lydon alias Johnny Rotten von den Sex Pistols. Bild: AP

Beim Silbernen Thronjubiläum der Queen 1977 sorgten die Sex Pistols für mächtig Wirbel. Wie die Netflix-Serie „The Crown“ diesen aufpustet, missfällt dem Frontmann Johnny Rotten allerdings sehr.

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          Im Juni 1977, am selben Tag, an dem sich die Menschenmassen vor dem Buckingham Palace versammelten und der Königin zu ihrem silbernen Thronjubiläum zujubelten, fuhren die Sex Pistols auf einem Boot die Themse entlang. Vor dem Parlament schmetterten sie ihre Lieder, bis die Polizei ihnen den Strom abdrehte. Die Aktion war als provozierende Werbeaktion für die Anti-Nationalhymne „God Save the Queen“ der Punk-Rock-Band inszeniert worden.

          Mit ihrem subversiven Zorn auf das Establishment skandalisierten die Sex Pistols damals die Öffentlichkeit. Obwohl die BBC und die Unabhängige Rundfunkbehörde die sarkastische Darstellung der Königin als unmenschliches Oberhaupt eines faschistischen Regimes mit einem Sendeverbot belegte, schnellte „God Save the Queen“ auf den zweiten Platz der Hitparade.

          Inzwischen gilt der Song als eines der einflussreichsten Lieder aller Zeiten. Auch der Plattenumschlag mit dem Bild der Königin, deren Augen und Mund mit Zeitungsbuchstaben im Stil von Lösegeldforderungen zugeklebt sind, ist berühmt. Und der Regisseur Danny Boyle sagt, dass die Band die britische Gesellschaft und Kultur für immer verändert habe.

          Kein Wunder, dass die Netflix-Serie „The Crown“ den Eklat um die Sex Pistols in die Episode über das Kronjubiläum von 1977 einbauen wollte. Wie jetzt in einem Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit einer sechsteiligen Fernsehserie Boyles über die Punk-Band zutage kam, war Johnny Rotten, der Frontmann, der bürgerlich John Lydon heißt, jedoch nicht bereit, mitzuspielen.

          Für kein Geld der Welt

          Lydon sagte dem Gericht, es habe ihm widerstrebt, dass die Serie das Thronjubiläum negativ verzerren wollte. Demnach hätte die Königin verzweifelt in ihrer Kutsche gesessen, während es wegen der Sex Pistols zu chaotischen Szenen zwischen der Menge und flaschenwerfenden Punks gekommen sei. „Das ist eine Lüge“, so Lydon. An diesem Tag hätten nur die Sex Pistols gegen die königliche Familie protestiert. „Die Macher von ,The Crown‘ können die Geschichte durcheinanderwürfeln, so viel sie wollen, aber nicht unter Verwendung meines Namens.“ Das sei kein Geld der Welt wert.

          „The Crown“ indes ist als fiktionale Serie weniger zimperlich im Umgang mit der Wahrheit. In der betreffenden Folge blickt die Königin durch ein Fenster ihrer Kutsche und sieht den unter dem Gewicht der Bärenfellmütze zu Pferd sich abmühenden Thronfolger, wie zur Bestätigung der Zeile aus „God save the Queen“: „Es gibt keine Zukunft in Englands Träumen.“

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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