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Terrorismus-Prävention : Es führt immer ein Weg zurück

  • -Aktualisiert am

Er fand als Teenager zum radikalen Islamismus: Fritz Gelowicz - Mitglied der sogenannten „Sauerland-Gruppe“ Bild: ASSOCIATED PRESS

Wie lässt sich der radikale Islamismus eindämmen? An Ansätzen mangelt es nicht, wie Stiftungen und akademische Stellen zeigen. Gelegentlich fehlt es allerdings an amtlichem Geschick.

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          Fritz Gelowicz aus Neu-Ulm leidet unter der Trennung seiner Eltern. Kurz bevor er sechzehn Jahre alt wird, findet er über einen Freund zum Islam. Im Jahr 2005 pilgert er nach Mekka und lernt in einem pakistanischen Trainingscamp, wie man Bomben baut. Wieder zurück in Deutschland, führt er ein „Doppelleben“, wie sein Vater erst Jahre später bemerkt. Da ist der Sohn längst zum bewaffneten Kampf bereit. Am 4. September 2007 wird Fritz Gelowicz mit weiteren Komplizen verhaftet. Sie hatten Anschläge auf amerikanische Einrichtungen in Deutschland geplant. 2010 verurteilt das Düsseldorfer Landgericht den „Rädelsführer“ der sogenannten „Sauerland-Gruppe“ zu zwölf Jahren Haft. Hätte ihm das erspart bleiben können, wenn ihm rechtzeitig eine Möglichkeit zum Ausstieg aus der Dschihadisten-Szene geboten worden wäre?

          Laut Verfassungsschutzbericht 2011 werden bundesweit dreißig aktive islamistische Organisationen mit rund 38.000 Mitgliedern gezählt. Ungefähr tausend Personen ordnen deutsche Sicherheitsbehörden dem polizeilich bekannten islamistisch-terroristischen Personenpotential zu, hiervon sind gut hundert Personen sogenannte „Gefährder“, denen die Durchführung eines Anschlags zugetraut wird. Diese Zahlen klingen erschreckend, aber man muss sie ins Verhältnis zur Anzahl der in Deutschland lebenden Muslime stellen. Dann sieht man, wie klein diese Minderheit ist. Doch wo die Grenzen von Islam und Islamismus verlaufen, ist nicht nur für Nichtmuslime, sondern auch für Muslime, besonders junge Gläubige, schwer zu erkennen. Und wie wird in Deutschland gegen radikalen Islamismus vorgegangen oder ihm vorgebeugt?

          Eine Plakatkampagne sorgt für Verdruss

          Das Innenministerium des Landes Brandenburg gibt im Internet beispielsweise eine Liste mit sieben einschlägigen Aussagen heraus: Islamisten forderten unter anderem die Identität von Staat und Religion, die wörtlich verstandene Geltung von Koran und Sunna bis hin zur Bekämpfung der „ungläubigen“, nichtislamischen Welt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz ruft dazu auf, Auffälligkeiten, die auf Islamismus hindeuten, Beratungsstellen zu melden. Die sogenannte HATIF-Hotline (Heraus Aus Terrorismus und Islamistischem Fanatismus) steht seit gut zwei Jahren zur Verfügung und richtet sich an Menschen, die in den Einfluss solcher Gruppierungen geraten sind, sowie an betroffene Eltern, Familienangehörige und Freunde. Es handele sich dabei um eine „Option, die in Einzelfällen in Anspruch genommen wurde“, so der Verfassungsschützer Hans-Georg Maaßen.

          Auch das Bundesinnenministerium hat im Rahmen der „Initiative Sicherheitspartnerschaft“ eine „Beratungsstelle Radikalisierung“ beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eingerichtet. Mit Vermisstenanzeigen auf Plakaten und Postkarten soll in deutschen Großstädten auf diese Beratungsstelle aufmerksam gemacht werden. Doch genau diese Kampagne sorgte für Missstimmung zwischen dem Bundesinnenminister und vier muslimischen Verbänden, die ihre Zusammenarbeit mit der Initiative Sicherheitspartnerschaft einstellten.

          Denn der Koordinationsrat der Muslime (KRM) zeigte sich entsetzt über den „an Unsensibilität kaum mehr zu übertreffenden Vorgang“ des Bundesinnenministeriums, die Kampagne „Vermisst“ ausgerechnet in der Kölner Keupstraße zu starten, in welcher der Nagelbombenanschlag der NSU verübt wurde. In einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin bat der damalige Vorstandsvorsitzende der Ditib, Ali Dere, Angela Merkel, sich für den Stopp dieser Kampagne einzusetzen. Ansätze deutscher Sicherheitsbehörden, die unter keinem guten Stern stehen.

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