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Teletext : Tobias Schlegl

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Auch befremdlich, sich beim Gedanken zu ertappen: "Der arme Wolfgang Bosbach!" Und Unfug obendrein, denn vermutlich hat den CDU-Fraktionsvize niemand dazu gezwungen, zum NDR-Satiremagazin "Extra 3" zu gehen, um sich von dessen neuem ...

          2 Min.

          VON STEFAN NIGGEMEIER

          Auch befremdlich, sich beim Gedanken zu ertappen: "Der arme Wolfgang Bosbach!" Und Unfug obendrein, denn vermutlich hat den CDU-Fraktionsvize niemand dazu gezwungen, zum NDR-Satiremagazin "Extra 3" zu gehen, um sich von dessen neuem Moderator Tobias Schlegl Rheinischen Sauerbraten servieren, "Schwarze Sau / Schwule Sau" sagen und fragen zu lassen, wofür er sich entscheiden würde: "Kein Ministeramt oder ohne Senf am Würstchenstand? Kopf in den Sand oder Merkel an die Wand?" (Bosbach hat treffend geantwortet, dass man ja blöd wäre, die Frage "Pest oder Cholera" mit Pest oder mit Cholera zu beantworten.) Auch befremdlich, sich beim Gedanken zu ertappen: "Der arme Wolfgang Bosbach!" Und Unfug obendrein, denn vermutlich hat den CDU-Fraktionsvize niemand dazu gezwungen, zum NDR-Satiremagazin "Extra 3" zu gehen, um sich von dessen neuem Moderator Tobias Schlegl Rheinischen Sauerbraten servieren, "Schwarze Sau / Schwule Sau" sagen und fragen zu lassen, wofür er sich entscheiden würde: "Kein Ministeramt oder ohne Senf am Würstchenstand? Kopf in den Sand oder Merkel an die Wand?" (Bosbach hat treffend geantwortet, dass man ja blöd wäre, die Frage "Pest oder Cholera" mit Pest oder mit Cholera zu beantworten.)

          Das war in seiner halb gewollten Peinlichkeit schwer anzugucken, und vermutlich war das Selbstmitleid am Ende sogar noch größer als das mit "WoBo".

          Vorher hatte Schlegl in Interviews gesagt, er werde zeigen, dass er "austeilen" kann, wolle "hohe Tiere mit unerwarteten Themen bombardieren", bei ihm würde kein Politiker die Chance bekommen, "sich zu profilieren". Das war offenbar wörtlich zu nehmen - und beschreibt exakt das Problem der Sendung. Welchen Sinn hat es, jemanden einzuladen und mit ihm zu reden, wenn nicht den, dessen Profil zu schärfen? Sei es dadurch, dass er sich auf ein paar politische Aussagen oder persönliche Überzeugungen festlegen lässt, dass er sich durch Ausweichen und Lavieren verrät, oder, im Rahmen einer Spaßsendung wie "Extra 3", auch nur dadurch, dass er Schlagfertigkeit beweist. Aber Schlegl geht es darum, sich selbst zu profilieren: Eine Provokation und Pointe nach der andern feuert er auf Bosbach ab, ignoriert die Antworten, wechselt, sobald es interessant werden könnte, Munition und Ziel und nutzt den Politiker nur als Attrappe für seine Schießübungen.

          Die jetzt für sich genommen auch nicht so sensationell kunstfertig sind, dass es einem genügte, Schlegl einfach nur beim Zielen und Feuern zuzusehen.

          Was wirklich nervt, ist diese Attitüde, etwas Besseres zu sein. Mit der passt er zwar ganz gut zu "Extra 3", einer Sendung, die sich im - zugegebenermaßen schwierigen - Genre der Fernsehsatire gerne damit zufriedengibt, die erstbeste Idee umzusetzen und aus einer Perspektive von oben herab zu erzählen. Aber als ehemaliger Moderator einer täglichen Talkshow, bei der er schon ähnlich wenig Interesse an seinen Gästen hatte und an der das Beste war, dass sie kein Jahr überlebte, sitzt es sich schlecht auf dem hohen Ross. Er habe sich nicht in den vergangenen Jahren in den traurigen Panelshows rumgetrieben wie so viele Kollegen, sagt Schlegl. Das ist irgendwie begrüßenswert. Nur vermutlich niemandem aufgefallen.

          Tobias Schlegl wollte zum Beispiel nicht neben Bernhard Hoëcker sitzen. Kein Wunder. Er hätte alt ausgesehen.

          Teletext

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