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Sexismus in der Werbung : Das Hinternletzte

  • -Aktualisiert am

Im Jahr 2018 wünscht sich so manch einer – oder eine – weniger Sexismus im Alltag. Die Werbebranche erinnert uns immer wieder daran, dass wir noch weit von diesem Wunsch entfernt sind.

          Da ist man(n) sprachlos, frau wohl auch: Auf deutschen Bahnhöfen von Stuttgart über Frankfurt bis Berlin ist derzeit ein Bild zu sehen, bei dessen Verfertigung den Werbeleuten der Deutschen Telekom offensichtlich die Hitze zu Kopf gestiegen war. Über der anbiedernden Parole „Zusammen geht mehr“ versucht ein junges Paar mittels Räuberleiter über einen Drahtzaun zu gelangen. Während aber der holde Knabe mit seiner Achtziger-Jahre-Föhnfrisur und holzkettchenberingten Armen auf dem Plakat ganz abgebildet wird, ist von ihr nur der Hintern in einer kurzen Fransenjeanshose zu sehen.

          Kein Gesicht nirgends. Damit auch kein Individuum. Nur ein Gluteus, der sich über den Zaunabschluss wölbt. Wie kann man nur so dumm, so sexistisch sein? Mit großer Sicherheit hätte sich niemand gestört gefühlt, wenn der Jungmann beim Überklettern der Zauns gezeigt worden wäre; im Gegenteil, es hätte noch Witz gehabt, wenn die Frau mit derselben nonchalanten Armhaltung den sich abkämpfenden Mann mühelos wie Wonder-Woman über den Zaun befördern würde. Denn der ist keinerlei Hilfe für die Frau, kann mit der indifferenten Haltung seiner Hände unter ihren Sohlen und ohne jegliche Muskelanspannung unmöglich eine Stütze bieten. Er grinst nur debil vor sich hin.

          Bayrische Kleinstadt wirbt mit ähnlichen Mitteln

          Der Fall zeigt, wie sehr in unserem vorgeblichen Bilderflut-Zeitalter eine funktionierende Bildkritik fehlt. Schon in der Schule sollte das spielerische Beschreiben und Einordnen von Bildern des täglichen Lebens, das heißt auch und gerade der Werbung und des Internets, wegen ihrer unbestreitbaren Macht verpflichtendes Fach sein. Denn offensichtlich gab es weder in dem Werbebüro eine kritische Bildbesprechung noch bei der Telekom eine verständige Endabnahme. Oder es laufen in den Büros dort wirklich nur Cro-Magnon-Urmenschen und Gluteus-Fetischisten herum.

          Es muss einfach die denkverhindernde Hitze sein, denn die Stadt Cham, tief im Bayerischen Wald, warb in den letzten Wochen in einer offiziellen Kampagne doch tatsächlich ähnlich hirn- und hinternverbrannt mit den Worten „Der schönste Arsch der Welt“ für ihre geographische Randlage. Im dazugehörigen Werbefilm zum neuen Leitsatz der Stadt aber fokussiert die Kamera allein auf die knapp behoste Rückseite einer Beachvolleyballerin, untermalt von einer Männerstimme, die den zweifelhaften Cham-Charme von Waldmenschen Elmar-Gunsch-haft eben mit den Worten „Der schönste Arsch der Welt“ zu belegen sucht. Ein CSU-Landrat hat zur Vorstellung der Cham-Offensive zusätzlich Klopapierrollen mit dieser Werbelosung verteilen lassen. Dasselbe unsägliche Werbebüro bei Telekom und in Cham? In jedem Fall: Zwei Dumme, ein (sonnenversengter) Gedanke, wie man in Süddeutschland sagt.

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

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