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Telefonie : Die Deutsche Telekom wird richtig sauer

Telefonie mit der Deutschen Telekom - ob analog oder digital, ein besserer Umgangston ist erwünscht. Bild: dapd

Der junge Mann am anderen Ende der Leitung identifiziert sich als „Deutsche Telekom“. Er will mir die Umstellung von analoger auf digitale Telefonie erklären - dabei wird sein Ton immer harscher. Ich blaffe zurück.

          Es ist ein Samstagnachmittag im Juli, so gegen halb fünf. Das Festnetztelefon klingelt, jetzt bitte eigentlich nicht. Dann doch den Anruf angenommen, es ist eine 0800-Nummer, und eine alerte Jungmännerstimme identifiziert sich als „Deutsche Telekom“. Ob sie, will die Stimme gleich wissen, mit Frau – und jetzt folgt, sehr pointiert, der ganze Name – spreche? Ob sich womöglich selbst die Deutsche Telekom, quasi in Person, verwählen könnte?, frage ich mich still für mich. Also, ja...?

          Nun, es gehe um die Umstellung von analoger auf digitale Telefonie, das heiße, es werde dann praktisch übers Internet telefoniert, was einzig bedeute, dass weiterhin telefoniert werden könne wie bisher, wenngleich da Veränderungen angebracht seien, die freilich keine Auswirkungen aufs Telefonieren haben werden... Ungefähr eine Minute lang höre ich kommentarlos zu, ohne zu verstehen, worauf diese Eloquenz hinauslaufen soll. Schließlich erkundigt sich der sprechfreudige Anrufer: Vielleicht wissen Sie das schon? Ja, behaupte ich kess, um die Angelegenheit abzukürzen. Deshalb, fährt die Stimme der Deutschen Telekom fort, wolle sie nun wissen, was für einen Router ich denn habe?

          Erstens, so konstatiere ich innerlich zufrieden, traut die Deutsche Telekom ihrer Kundin immerhin zu, dass sie überhaupt um ein solches Gerät in ihrer Wohnung weiß. Zweitens allerdings drängt sich mir die Frage auf, wieso die Deutsche Telekom nicht selbst am besten weiß, welchen Router ich von ihr bekommen habe. Nun kann es ja sein, dass ästhetisch versierte Kunden dieses Kästchen als Schaustück neben die Familienfotos auf den Kaminsims stellen, nicht so ich. Weil ich also keine Lust habe, einfach mal so zu meinem gut kaschierten Router zu krabbeln, frage ich impertinent zurück: Worauf das Ganze denn abziele? Ob die Deutsche Telekom mir vielleicht etwas verkaufen wolle?

          Denn das kenne ich von den 0800-Anrufen der Deutschen Telekom, gern abends oder wochenends, weil dann arbeitende Menschen besser erreichbar sind. Über diese Insubordination ist die inkarnierte Telekom am anderen Ende ehrlich empört: Frau – es folgt, extrastark akzentuiert, wieder der Name –, nun habe man mir doch grade erklärt... Aber leider bin ich grade nicht in der Stimmung für angewandte Didaktik, also blaffe ich dazwischen: Nicht in diesem Ton! Damit habe ich den Bogen endgültig überspannt.

          Die Deutsche Telekom wird richtig sauer: Frau – siehe oben –, man habe doch einfach freundlich darum gebeten, Angaben zu meinem Router zu bekommen. Wenn ich das nicht wolle, könne man mir das auch gern schriftlich zukommen lassen. Schönen Tag noch! Ihnen auch, hauche ich zierlich, indessen schon ins Leere, weil vom anderen Ende her abgehängt. Warum nicht gleich so, denke ich mir (natürlich meine ich nicht, einfach auflegen), eine schriftliche Erklärung, um den Sinn dieser Anfrage zu verstehen, als E-Mail oder meinethalben auch per Post (schon gut, die Deutsche Telekom ist nicht die Deutsche Post). Bis heute warten mein kleiner grauer Router „·T···COM·Speedport W700V“ und ich auf den versprochenen Brief.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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