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Gerührte Polizisten in München : Ungestört

Der Tempel im Münchner Hofgarten am zweiten Abend nach der Öffnung der Außengastronomie Bild: Elena Witzeck

Einer der ersten Frühlingsabende in München, es darf wieder draußen bestellt und bedient werden. Im Hofgarten am Odeonsplatz finden sich seltsame Paare zum Tanz – und noch seltsamere Zuschauer.

          2 Min.

          An diesem Abend scheint es in München gar nicht dunkel zu werden. Auf den Horizont gebettet liegt ein schmaler Wolkenstreifen, darüber steht der zarte Mond im Dämmerblau. Darunter glückliche Münchner, die von Außengastronomie zu Außengastronomie schlendern, Bedienungen, die versuchen, sich wieder an die Weinkarte zu erinnern, und Wirte, die „'s wird schon alles“ raunen. Am Viktualienmarkt hatte sich manch einer den Brückentag freigenommen, um jeder Champagnerbude und jedem Fischimbiss einen Besuch abzustatten, mit Erfolg.

          Elena Witzeck
          Redakteurin im Feuilleton.

          Wenige Meter vom Schumann‘s entfernt, wo die Menschen in Steppjacken bei Spritzgetränken sitzen und in Münchner Manier tun, als hätten sie nie etwas anderes getan, lehnen Jugendliche in Shirts und Shorts am U-Bahn-Eingang Odeonsplatz und schauen schon recht benommen von so vielen Bieren und Eindrücken. Alles flirrt und jubiliert, und die schlachtenschlagenden Herzoge an der Wand  zum Hofgarten triumphieren auch heute wieder im Angesicht dieser Münchner Szene: Die Normalität ist zurück.

          Taschenlampenstrahlen hinterher

          So etwas wie Normalität. Die Einsatzkräfte, die vorhin mit vier Streifenwagen und Blaulicht die Leopoldstraße hinuntergerauscht sind, haben sich im Park verteilt. Was hier eigentlich erlaubt ist und was nicht, weiß niemand mehr so recht, zu groß die Euphorie über den lauen Abend, zu stürmisch der Übermut. Von der Staatskanzlei grölt erst und läuft dann eine Gruppe Jungs herauf und verschwindet im Schatten der Bäume. Taschenlampenstrahlen irren hinterher. Jetzt ist es doch noch dunkel geworden. Nur der Dianatempel im Hoftgartenzentrum leuchtet. Erst klingt es nach Walzer, dann tritt man näher und sieht, wie sich zwischen den Säulen zwei Mädchen im Tanzschritt vorbeitasten. Auf den Steinbänken unter der Kuppel ein paar kichernde Jungs, auf der anderen Seite eine Tänzerin mit spitzen Hacken. Sie wechselt die Musik, justiert den Lautsprecher, dreht auf, greift nach dem Partner, und ein Tango erklingt.

          Ein Moment Verzückung über ihre kreisenden Beine und tippelnden Füße, dann springen auch die Jungen von den Steinbänken auf und schwenken einander wild im Kreis, und noch andere kommen dazu, und so etwas Berührendes und Seltsames hat man schon lange nicht mehr gesehen. Die Musik schwillt an, und man blickt man an den Säulen vorbei nach rechts ins Dunkel. Da steht dicht an dicht das ganze Einsatzbataillon mit Masken und greift sich ans jeweilige Revers. Bis auf ein Wispern ist nichts zu hören. Sie stehen einfach da und schauen den umschlungenen Unruhestiftern zu, und der Lichtschein des Tempels fällt auf ihre unschlüssigen, gerührten Gesichter.

          Irgendwann sagt einer: „Wir gehen mal wieder mobil.“ Und stapft mit einer Kollegin davon. Das Lied und der Tanz gehen weiter, und der Mond ist jetzt noch besser zu sehen.

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