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Tanz : Seelentanz - der letzte Teil von Sasha Waltz' Trilogie

  • -Aktualisiert am

Premiere in Berlin: Sasha Waltz „17-25/4”, letzter Teil der Körpertriologie Bild: Wolfgang Hilse, Berlin

Die Immaterialität des Körpers zu tanzen - das versucht Sasha Waltz im letzten Teil einer Trilogie an der Berliner Schaubühne.

          2 Min.

          Die Choreografin Sasha Waltz hätte so gerne, dass ihr Tanztheater etwas mit dem Leben zu tun hat. Oft aber wirft ihr die Kritik einen banalen Umgang mit der Wirklichkeit vor. Ihr neues Stück „17-25/4“ hatte am Donnerstag an der Berliner Schaubühne Premiere. Im schrecklichen Kontext der fatalen Ereignisse in Amerika erscheint auch dieses Ereignis in einem anderen Licht.

          Clusterbildung liegt dem Stück zugrunde. Das Individuelle der Tänzer und Tänzerinnen ist aufgelöst zugunsten einer flüchtigen Gemeinschaft. Deutlich ist die choreografische Struktur zu erkennen: Menschen konzentrieren sich an einer Stelle des Raumes. Scheinbar sind sie in Einklang miteinander. Die vorgegebenen Bewegungen - springen, beugen, ausstrecken, verharren, fallen - werden von ihnen ausgeführt. Irgendwie. Nur ein paar Wenige, die zum Cluster gehören, stören den Gleichklang. Sie fallen, wenn der Rest springt; sie neigen sich, wenn die anderen stehen; sie drehen sich nach rechts, wenn sich die meisten nach links wenden.

          Plötzliche Störungen lassen die flüchtige Gruppe sich zerstreuen und an anderer Stelle neu formieren. Sollte sich dort gerade ein Mitglied befinden, das zuvor aus der Truppe ausgeschert war, wird es wie in einer Amöbenbewegung wieder in die Gruppe einbezogen. Der einzelne Tanzkörper geht als Tanzkörper aller auf. Weil aber die Synchronität der Bewegungen durch minimale Veränderungen gestört ist, entsteht in der flüchtigen Ordnung ein Chaos, das trotz seiner Selbstverständlichkeit folgenschwer wirkt.

          Geräusche von Maschinen und Metall

          Der Sound von Hans Peter Kuhn verleiht den getanzten Verdichtungen und Verflüchtigungen zusätzlich eine gewalttätige Note. Geräusche von Maschinen, Flugzeugen, Eisenbahnen, Metall auf Metall, Holz auf Holz sind eingebunden in ein nicht endendes Rauschen. Alles wird so verstärkt, bis es sich über die Bodenvibration auf die Anwesenden überträgt und für das Publikum physisch zu spüren wird. Die tiefen Töne machen den Körper schwer. Die Musik verstärkt die Konfusion, die die Tänzer und Tänzerinnen verbindet und auseinandertreibt.

          Leider ist dies nur eine Episode des dritten Teils von Waltz'-Körpertrilogie, die sich - so sagt die Choreografin - mit der Immaterialität, dem Geistigen beschäftigt. Zum ersten Mal seit mehr als 15 Jahren sind dafür die drei Säle der Schaubühne zu einem zusammengelegt worden. Eine Herausforderung, auf 70 Metern Länge und annähernd 30 Meter Breite mit 28 Tänzern und Tänzerinnen Spannung aufzubauen und zu halten. Dennoch gelingt es; zumindest so lange, bis die ganze Truppe beim großen hinteren Tor des Raumes ankommt, es aufreißt und dem Lastwagen mit offenem Heck, auf dem eine Frau aufzuwachen scheint, ins Freie folgt.

          Der Zuschauer wird Teil der Inszenierung

          Der Spielort der Tänzer wird nun auf die Dächer der Schaubühne und anderer angrenzender Häuser verlegt. Waltz' Idee war es, drinnen die Schwere, draußen aber die Leichtigkeit zu zeigen. Wie Feen und Traumgebilde treten die Ensemblemitglieder auf und verschwinden wieder. Sie ziehen die Zuschauer hinter sich her. Und nun bilden diese das Cluster, dem zwar die gemeinsame Handlung - nämlich zu folgen - vorgegeben ist, wohl aber nicht die Art, wie dies ausgeführt wird: Rauchend. Frierend. Über die Katastrophe redend, die in diesen Tagen die Welt bewegt.

          Mitmachtheater ist eine heikle Sache. Mit der amorphen Zuschauermasse im Schlepptau, gelingt es Sasha Waltz nicht, den Spannungsbogen zu halten. Alles verflüchtigt sich in der Nacht.

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