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Afghanistan : Die Taliban warten vor der Tür

Zu fliehen ist nicht einfach, die Taliban kontrollieren fast alle Grenzübergänge: Am Übergang nach Pakistan, 13. August. Bild: EPA

Zermürbende Unsicherheit: Wer in Afghanistan für eine internationale Organisation gearbeitet hat oder am Aufbau der Zivilgesellschaft beteiligt war, fürchtet jetzt um sein Leben.

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          Mohammad kommt gerade von einer Konferenz aus Anlass des Internationalen Tag der Jugend, an der mehr als hundert Menschen teilgenommen haben. Während die Taliban eine afghanische Provinzhauptstadt nach der anderen erobern, gibt es in Kabul noch immer Veranstaltungen mit Titeln wie „Frauen für den Frieden“ oder „Nation-Building und Gerechtigkeit“. „Was sollen wir machen? Die Konferenz war seit Januar geplant. Wir können nicht einfach mit allem aufhören. So ist das Leben in Afghanistan“, sagt Mohammad, der eigentlich ganz anders heißt. Seinen richtigen Namen in der Zeitung zu nennen, wäre jedoch zu riskant.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Mohammad gehört zu jener Szene von Leuten, die Afghanistan in den vergangenen zwanzig Jahren in die Moderne geführt haben. Die sich mit Unterstützung ausländischer Geldgeber für Medienfreiheit, Frauenrechte und Demokratie einsetzten. Wegen dieser Arbeit sind sie jetzt in Gefahr. Deshalb sei es bei der Konferenz am Morgen nicht mehr wie früher darum gegangen, was getan werden kann, um das Land voranzubringen. Es ging darum, ob es an der Zeit  sei, es zu verlassen. „Viele Journalisten und Vertreter der Zivilgesellschaft suchen nach Wegen, ihr Überleben zu sichern“, sagt Mohammad. Das bedeute nicht, dass alle gleich nach Deutschland oder Großbritannien wollten. Manche hätten eher Usbekistan als vorläufigen Ausweichort im Sinn. „Wenn ich wüsste, dass die Taliban mir nichts tun, würde ich lieber hier bleiben“, sagt Mohammad. Er weiß, die Extremisten haben ihn seit Jahren im Auge.

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