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Talente : Erste Schritte, erste Liebe, erste Ehe

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Strahlender Nachwuchs: Die „First Steps”-Gewinner - von links nach rechts - Ina Weisse, Dirk Böll, Isabelle Stever, Marc Lutz und Jörg Kalt
          2 Min.

          Dem Blitzlichtgewitter auf dem roten Teppich souverän die Stirn bieten, noch schnell ein Gläschen Sekt im Foyer trinken, ein paar Begrüßungsküsschen austauschen und schließlich unter den wachsamen Augen der Kameras lässig im rotsamtenen Sessel Platz nehmen. So feiern die Stars des Filmgeschäfts sich selbst. Doch neben den Rudniks, Vogels und von Borsodys stand am Montagabend im Musical-Theater am Potsdamer Platz in Berlin zur Verleihung des „First-Steps“-Preises der Nachwuchs im Rampenlicht.

          Zum dritten Mal wurden mit der mit insgesamt 72.000 Euro dotierten Auszeichnung - einer Initiative von Constantin Film, Mercedes Benz, SAT.1, Spiegel TV und teamWorx - Absolventen deutschsprachiger Filmhochschulen für ihre Abschlussarbeiten geehrt. Erstmals wurde in diesem Jahr auch der beste Werbefilm prämiert. 192 Studierende hatten ihre Arbeiten eingereicht. Die hochkarätig besetzten Jurys - Regisseur Detlev Buck, Journalist Gerd Ruge und Schauspielerin Suzanne von Borsody gehörten unter anderen dazu - hatten daraus fünf Preisträger auszuwählen. Keine einfache Entscheidung, denn über die hohe Qualität und das kreative Potenzial der Filme war sich das fachkundige Publikum einig.

          Erste Ehe

          Die Wahl fiel auf Filme, die alltägliche Geschichten aus einer neuen Perspektive beleuchten. So erzählt der prämierte Kurzfilm „Alles anders“ die Geschichte eines Taxifahrers, der eine schwangere Frau mit nach Hause nimmt. Die 1968 in Berlin geborene Schauspielerin Ina Weisse, die in den vergangenen Jahren ein Filmstudium an der Universität Hamburg absolviert hat, erzählt darin als Regisseurin von einer Entscheidung, die das ganze Leben verändert.

          In „Richtung Zukunft durch die Nacht“, für den Jörg Kalt in der Kategorie Spielfilme bis 60 Minuten den Preis bekam, erleben der arbeitslose Vorspeisen-Koch Nick und die Filmstudentin Anna ihre erste gemeinsame Nacht. Der 1967 geborene Kalt ist Absolvent der Wiener Filmakademie. In der Kategorie abendfüllender Spielfilm wurde „Erste Ehe“ ausgezeichnet. Es ist der Abschlussfilm von Isabelle Stever, Jahrgang 1963, an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Seine Geschichte beginnt, wo die meisten anderen Filme happy enden: bei der Hochzeitsparty.

          Perlensuche in Indien

          Auch der 1973 geborene Dirk Böll von der Kölner Kunsthochschule für Medien ist mit seinem preisgekrönten Dokumentarfilm mitten im Leben. „Die Perle in der Kacke“ nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch Indien, lässt ihn gemeinsam mit dem Filmemacher in den Wellblechhütten nach Spiritualität suchen.

          Einstimmig preiswürdig fanden die Juroren Marc Lutz' Coca-Cola- Werbespot „First Love“. Der 1975 geborene Absolvent der Filmakademie Ludwigsburg erzählt die Geschichte eines kleinen Jungen, der durch den Besuch bei einer Friseurin zur braunen Brause findet. Der Spot wird wie alle prämierten Filme am 29. August im Hackesche Höfe-Filmtheater in Berlin gezeigt.

          „Wir wollten mit „First Steps“ dem Nachwuchs ein Publikum geben“, erklärt Nico Hofmann von teamWorx. Dabei sollten nicht nur Otto-Normal-Zuschauer sehen, was an deutschen Filmhochschulen heranwächst, sondern vor allem diejenigen, die für die zweiten und dritten Schritte sorgen könnten. So verbindet denn auch Mercedes Benz den Werbefilmpreis mit dem Auftrag für ein Filmprojekt, und SAT.1- Geschäftsführer Martin Hoffmann bot während der Verleihung Jörg Kalt an, „seinen ersten abendfüllenden Film doch bei uns“ zu machen. Schade nur, dass Kalt nicht wusste, wer „uns“ ist. Es gibt also doch noch etwas zu lernen für den professionellen Nachwuchs.

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