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Tagebau Inden : Das Leben nach der Kohle

  • -Aktualisiert am

Die Braunkohle wird nicht ewig reichen: Was kommt danach? Bild: dpa

Zwischen Aachen und Köln wird seit Jahren Kohle abgebaut. Doch schon bald wird die Grube mit Wasser gefüllt - ein See, so groß wie der Tegernsee, entsteht. Wie gestaltet man diese Zukunft?

          Rudi Bertram, Bürgermeister von Eschweiler, hat für einen Politiker, der einem Wahlzyklus unterliegt, etwas Ungewöhnliches: Er hat eine Perspektive, die weit über die sechs Jahre seiner Amtszeit hinausreicht. Das liegt an der Region, in der Eschweiler liegt: dem Indeland.

          Das Indeland gibt es eigentlich nicht. Es ist ein Projekt, eine „großartige Idee voller Phantasie, Spaß, Natur, Energie und Perspektiven“, wie die einschlägige Website sagt. Geboren wurde diese Idee vor etwa sieben Jahren von Kommunalpolitikern aus dem Städtedreieck Düren-Eschweiler-Jülich, die ihre Region attraktiv und zukunftsfähig machen wollten. Wer durch diese Gegend im Westen der Republik zwischen Aachen und Köln fährt, nimmt die gewaltigen Wolkenfabriken schon von ferne wahr. Der Wasserdampf, der vom Kohlekraftwerk in Weisweiler aufsteigt, prägt die Landschaft. Das RWE-Kraftwerk, das dort seit hundert Jahren Kohle in Energie umwandelt, wurde ständig erweitert. Es ist die sechstgrößte CO2-Schleuder Europas und das heimliche Zentrum des Indelands.

          Die Bagger kommen

          Die 20 Millionen Tonnen Kohle, die jährlich gefördert werden, kommen aus einem nur wenige Kilometer entfernten riesigen Loch in der Erde. Das Loch heißt „Tagebau Inden“ und ist der kleinste von drei bis zu 300 Meter tiefen und 34 Quadratkilometer großen Kratern, die am eindrucksvollsten sind, wenn man sie im Landeanflug auf den Flughafen Düsseldorf von oben sieht. 850 Menschen arbeiten hier. Über die Kohleförderung gab und gibt es natürlich immer wieder Diskussionen, nicht nur wegen des von der Braunkohle mitverursachten Klimawandels. Denn neben der Kohle wird noch etwa das Vierfache an Abraum abgebaggert. Dazu muss weiträumig Grundwasser abgepumpt werden, mit erheblichen Konsequenzen für Natur und Grundwasser. Und schließlich mussten und müssen auch die Bewohner den Baggern weichen. Den alten Ort Inden gibt es schon lange nicht mehr.

          Weitere Ortschaften kamen dazu, und noch einige werden folgen. Kurzum: Alles verläuft nach einem Plan, der Jahrzehnte in die Zukunft reicht. Die Landschaft ist geprägt von einem ständigen Kommen und Gehen. Alte Dörfer weichen, neue entstehen oder werden gerade geplant. Vom „Indemann“ aus, einer stählernen Aussichtsplattform in Gestalt eines winkenden Kerls, sieht man, wie die Bagger sich Tag für Tag in die Landschaft fressen und wie das Loch den Menschen in den verbliebenen Orten näher kommt. Anwohnern, die umsiedeln müssen, werden Entschädigungen gezahlt. Diese sind in die Energiepreise eingerechnet, die der Verbraucher zahlt.

          Ein Schaufelradbagger bahnt sich seinen Weg: Den riesigen Maschinen müssen ganze Ortschaften weichen

          Die Region rund um Aachen, in der das „Indeland“ liegt, ist Umbrüche gewohnt. Es handelt sich um ein sehr altes Industriegebiet. Bergbau gibt es hier seit 600 Jahren. 1834 wurde mit dem „Eschweiler Bergwerksverein“ die erste preußische Aktiengesellschaft gegründet. Die Region und die Menschen sind durch und durch vom Abbau der Ressourcen geprägt, der auch die Entwicklung der viel größeren Region Aachen-Köln-Düsseldorf mit mehreren Millionen Einwohnern befeuert hat und noch etwa zwanzig Jahre lang befeuern wird. Danach ist Schluss.

          Das Spannende am Indeland ist deshalb seine Zukunft. In zwanzig Jahren wird sich das riesige Loch mit Grundwasser füllen, und es entsteht ein See von der Größe des Tegernsees. Einige Orte, die vom Baggerfraß verschont bleiben, werden dann am Ufer dieses Sees liegen. Aber wie kann man sich auf eine solche Zukunft einstellen, in der nicht mehr viel ist, wie es jahrhundertelang war?

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