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Tadao Andos Skulpturenmuseum : Es müssen nicht immer Windräder sein

  • -Aktualisiert am

Fachwerk setzt dem Beton die Krone auf: Andos Neubau schätzt Tradition Bild: dugverlag

Ein Dialog zwischen Geschichte und Gegenwart: Tadao Ando hat in Bad Münster am Stein ein kongeniales Gehäuse für Werke des Bildhauerpaares Kubach-Wilmsen gestaltet.

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          „Für mich ist Architektur etwas, das zwischen widersprüchlichen Konzepten existiert, ein Dialog zwischen Gegensätzen wie Innen und Außen, Ost und West, Geschichte und Gegenwart, Einfachheit und Komplexität“, sagt der japanische Architekt Tadao Ando. Die stille, asketische Modernität des Pritzker-Preisträgers lässt sich seit einiger Zeit auch an einem unvermuteten Ort bewundern: in Bad Münster am Stein. Dem beschaulichen kleinen Kurort im Nahetal hat der Purist aus Osaka ein privates Skulpturenmuseum beschert.

          Der Neubau am wuchtigen Felsmassiv des Rotenstein, errichtet für die Fondation Kubach-Wilmsen, ist das dritte Werk des Japaners in der deutschen Provinz: 1993 gestaltete er als ersten Bau außerhalb seiner Heimat in Weil am Rhein nahe der Schweizer Grenze einen Konferenzpavillon für den Möbelhersteller Vitra. Ihm folgte 2004 im nordrhein-westfälischen Neuss auf einem ehemaligen Nato-Gelände ein spektakulärer Kunstbunker für die Sammlung Langen. Reduktion, Geometrie, Licht als Bauelement und der Einklang mit der umgebenden Natur - Andos Grundelemente, die ihn berühmt gemacht haben, sind an allen drei Bauten exemplarisch zu studieren.

          Skulpturenhöfe mit Wasserspiegel und Kiesgrund

          Tadao Ando, der „Mönch unter den Architekten“, Autodidakt und Le Corbusier-Verehrer, der als Achtzehnjähriger mit dem Entwurf eines Nachtclubs in Osaka debütierte und seitdem weltweit Museen, Kirchen, Wohnhäuser und Kongresszentren als unverwechselbare Einheiten aus Plattformen und weit in die Landschaft ausgreifenden Sichtbetonwänden baut, hat auch in Bad Münster am Stein eine Architektur geschaffen, deren Strenge und Schlichtheit die Suggestion eines kontemplativen Orts ausstrahlen. Doch mit dem 15.000 Quadratmeter großen Museumsareal wagt er auch Neues: Unten Sichtbeton, oben Uralt-Fachwerk - einen solchen Dialog kannte man bisher von ihm nicht.

          Mitten in das Gebäude hat Ando nämlich eine fünfzehn Meter lange, historische Fachwerkscheune aus dem nahen Sponheim gepackt. Ihr pittoreskes Gebälk von 1785 ruht auf einem drei Meter hohen Sockelgeschoss aus Beton. Das braune Holzfachwerk, Lehmwände und ein Schieferdach bezeugen unmissverständlich das Alter und die Herkunft; Fassadeneinschnitte und gläserne Giebelseiten dagegen verweisen demonstrativ auf aktuelle Eingriffe und damit die Gegenwart. Um die Scheune herum sind terrassenartig Sichtbetonwände zu zwei Skulpturenhöfen mit Wasserspiegel und Kiesgrund arrangiert.

          Eine historische Leistung

          Auf einige seiner Lieblingselemente wie Zylinder oder Viertelkreisbögen hat Tadao Ando in Bad Münster verzichtet. Unverkennbar aber bleibt sein zentrales Markenzeichen: die charakteristische Oberflächenstruktur seines Sichtbetons, präzise verschalt in der Größe japanischer Tatami-Matten aus Reisstroh. Die kargen Innenräume kommen ohne Klimatechnik aus, und es gibt bewusst nur sanftes Tageslicht. Vielleicht auch deshalb blieb der Preis für das Museum erträglich: Ein erster abgelehnter Entwurf war 1997 auf 4,3 Millionen DM berechnet worden, ein zweiter 2003 auf 1,3 Millionen Euro. Die Stiftung erbat aufgrund knapper Finanzen eine sparsame dritte Version. Das hat der Sache offensichtlich gut getan: „Das begrenzte Budget“, sagt Ando, „versetzte uns in die Lage, das Erschaffen bescheidener, begrenzter Räume voranzutreiben.“

          Andos Symbiose aus Beton, Glas und Holzfachwerk bietet ein kongeniales Gehäuse für die 65 steinernen Kunstwerke des Bildhauerpaares Kubach-Wilmsen, das mit bunten Bücher-Skulpturen aus Granit, Marmor, Quarz und Travertin international bekannt geworden ist. Wolfgang Kubach hat die Fertigstellung seines Museums nicht mehr erlebt, er starb 2007. Seine Witwe lebt ganz in der Nähe und ist glücklich, dass die langwierige Zusammenarbeit mit ihrem Wunsch-Architekten am Ende ein solch überzeugendes Resultat erbrachte. Tadao Ando selbst geht davon aus, dass er Historisches geleistet hat: „In Zeiten, in denen vor allem Umweltprobleme die Menschen beschäftigen, sollte Architektur in der Lage sein, mindestens zweihundert bis dreihundert Jahre zu überdauern.“

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