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T.C. Boyle über Donald Trump : We shall overcome

  • -Aktualisiert am

Möchte lieber über Literatur als über Donald Trump sprechen: Autor T.C. Boyle. Bild: Picture-Alliance

Beinahe wäre T.C. Boyle bei einer Lesung in Köln ohne Äußerung zur Präsidentschaft Donald Trumps davongekommen. Doch der Moderator ließ nicht locker, bis der Erfolgsautor loslegte.

          T.C. Boyle fühlt sich gekidnappt. Der Schuldige trägt einen „gigantischen aufgeblasenen Kürbis“ auf den Schultern und ist sehr wahrscheinlich „ein Außerirdischer“. Wo immer Boyle auch hinkommt – derzeit ist er in Deutschland unterwegs –, wird er nach seiner Meinung über Donald Trump gefragt. So war es auch in Köln, wo der literarische Superstar Boyle nun im Musical Dome gastiert hat. Nach einer immerhin knappen Stunde freundlicher, im angenehmen Sinne langweiliger Plauderei über den neuen Roman „Die Terranauten“ krachte ohne jede Überleitung, sozusagen hart auf hart, die Gretchenfrage durch die Glaskuppel der Biosphäre 2: Wie hält’s der Autor mit dem amerikanischen Präsidenten?

          Boyle machte noch einen halbherzigen Fluchtversuch, erwähnte, welchen gemeinhin übersehenen positiven Effekt es doch gehabt hätte, wäre die Kandidatin mit den meisten Stimmen Präsidentin geworden: Man könnte jetzt einfach über Literatur sprechen. Aber er sah wohl ein, dass der Moderator nicht einlenken würde. Und so ließ er sich einfach gehen und gab den Deutschen, was sie hören wollten. „Dieses Monster“, dieser „Clown aus dem Realityfernsehen“, gewählt von eigentlich doch so hilfsbereiten „Rednecks“, die aber nur noch „Hate Radio“ und Fox News goutierten, sei nicht nur eine „Peinlichkeit für das amerikanische Volk“, sondern „die größte Herausforderung für die amerikanische Demokratie“. „Etwas Katastrophales“ werde sehr bald geschehen.

          Deshalb wünsche er sich in Bezug auf Trump einfach nur schleunige Auslöschung („swift extinction“). Er lade den „Leader“ auch gern persönlich auf eine ausgedehnte Wanderung durch die Sierra Nevada ein, wo Boyle ein Häuschen besitzt: Da gebe es hungrige Berglöwen. Sollte er in hundert Jahren („ich bin noch jung“) einmal einen Roman über Trump schreiben, werde der erste Satz lauten: „My death was horrible.“ Doch immer noch war es dem Moderator nicht genug, also versuchte Boyle, dessen fast flehentliche Hinweise, wie sehr ihn dieses Thema nerve, geflissentlich überhört wurden, es noch einmal andersherum: Wenn er jeden Abend nur noch über Trump reden müsse, dann werde er das tun, so sehr liege ihm die offene Gesellschaft am Herzen. Sogar ein „We shall overcome“ stimmte der Autor an, indem er unter Applausstürmen versicherte, trotz aller Finsternis reiche die Kraft des amerikanischen Volkes aus, um diese Gefahr zu überstehen.

          Spätestens jetzt begann man zu überlegen, ob die mehrfache Durchsage, „Wunderkerzen und Feuerzeuge sind während der Show leider nicht erlaubt“, vielleicht doch nichts mit den sonst hier gespielten Musicals zu tun hatte. Mit Boyle wiederum könnten wir uns fragen, ob wir da gerade eine fiese Obsession entwickeln. Wollen wir fortan wirklich jeden armen Amerikaner zu Kampfphrasen nötigen? Oder sollte man an Literaturabenden vielleicht einfach nur über Literatur sprechen? Das könnte einen gewissen Herrn, der nach eigenen Angaben seit der Schule kein Buch mehr komplett gelesen hat, schließlich am meisten ärgern.

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