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Szenarien : Der aktuelle Katalog der Schöpfung ist da

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Neue Evolutionschance für den Neanderthaler? Bild: dpa

Bakterien, die Kohle in Biogas umwandeln und Mikroben, die Kerosin produzieren: In ihren Zukunftswerkstätten spielen die Meister der Synthetischen Genomik, Craig Venter und George Church, ihre Visionen durch.

          Der New Yorker Literaturagent John Brockman und seine Edge Foundation hatten kürzlich zu einer außergewöhnlichen Zukunftskonferenz nach Los Angeles geladen. Zwei prominente Wissenschaftler, George Church, Molekulargenetiker in Harvard, und Craig Venter, Pionier bei der Entschlüsselung des Humangenoms, sprachen über die synthetische Genomik. Zu der Tagung, zu der nur ein ausgewählter Kreis eingeladen worden war, erschienen rund zwanzig Vertreter der Technologieelite Amerikas, darunter Larry Page, Mitbegründer von Google, Nathan Myhrvold, vormals Chief Technology Officer von Microsoft, und Elon Musk, Gründer von PayPal und Direktor von SpaceX, einem privaten Raketenbau- und Raumforschungsunternehmen, das in einem riesigen Gebäude unweit des Flughafens von Los Angeles untergebracht ist.

          Der erste Tag des Treffens fand auf dem Areal von SpaceX statt, wo übrigens auch das Elektroauto Tesla produziert wird. Die synthetische Genomik, Thema der Konferenz, ist im Grunde Gentechnik in großem Stil. Sie beschäftigt sich mit der teilweisen oder vollständigen Ersetzung des natürlichen Genmaterials eines Organismus durch synthetisches Genmaterial.

          Das Schreckgespenst der „Biohacker“

          Von ihr erwartet man eine Vielzahl von biotechnischen Umbrüchen - beispielsweise Bakterien, die so programmiert werden, dass sie Kohle in Biogas umwandeln, oder Mikroben, die Kerosin produzieren. Mit wieder anderen Verfahren wollen Wissenschaftler ausgestorbene Lebewesen wieder zum Leben erwecken, etwa das Wollhaarmammut, vielleicht sogar den Neandertaler.

          Natürlich kam auch das Schreckgespenst der „Biohacker“ zur Sprache, die neue Krankheitserreger produzieren. Aber Genomforscher sind ja fast zwangsläufig Optimisten. George Church, der über sein Spezialgebiet „Humangenetik 2.0“ sprach, erklärte seinen Zuhörern, wie sich das Genmaterial - die DNS - programmieren lässt. So wie Sequenzierungsautomaten die natürliche Ordnung eines DNS-Moleküls entziffern können, so können Automaten Komponenten einer gezielt manipulierten DNS schaffen, die, in eine Zelle eingebaut, deren normales Verhalten verändern. Bösartige Tumoren ziehen beispielsweise viele Bakterienzellen an. Durch präzise Manipulation des Bakteriengenoms kann man krebsbekämpfende Mikroben schaffen, also Organismen, die den Tumor angreifen, indem sie in die Geschwulst eindringen und dort synthetisch erzeugte Toxine freisetzen.

          „Personalisierte“ Mäuse

          Church und sein Harvard-Team haben inzwischen Bakterien programmiert, die jede dieser Funktionen separat ausüben, aber es ist ihnen noch nicht gelungen, sie zu einem komplett organisierten System zusammenzubauen. Trotzdem: „Wir sind nicht mehr weit von dem Punkt entfernt, wo wir diese Zellen quasi wie Computer programmieren können“, sagte Church.

          Tumorkiller-Mikroben sind aber nur eine der vielen wundersamen Entwicklungen in Churchs Laboren. Ein anderes Projekt ist die Aussicht auf „personalisierte“ Mäuse. Es handelt sich um Säugetiere, denen Ausschnitte menschlicher DNS injiziert werden, damit sie Antikörper bilden, die vom jeweiligen Menschen nicht abgestoßen werden. Eine personalisierte, mit individuellem Genmaterial gespickte Maus würde dann Antikörper produzieren, die der entsprechende kranke Mensch nicht mehr abstoßen würde.

          Resistent gegenüber konventionellen Enzymen, Parasiten und Erreger

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