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Szenarien : Der aktuelle Katalog der Schöpfung ist da

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„Die Software baut sich ihre eigene Hardware“

Venter und sein Forschungsteam schufen auch eine synthetische DNS-Kopie des PhiX-Bakteriophagen, eines kleinen, für Menschen ungefährlichen Bakterienparasiten. Eingesetzt in ein Kolibakterium, produzierte die Zelle die erforderlichen Proteine und setzte sie zu einem neuen Bakterienvirus zusammen, das seinerseits die Zelle vernichtete, aus der es hervorgegangen war. Und all das, so Venter, sei automatisch in der Zelle passiert: „Die Software baut sich ihre eigene Hardware.“

Diese und andere genomische Kreationen, Transformationen und Zerstörungen führten zu Fragen, wie sicher wir vor dem Albtraum gentechnisch produzierter Bakterien sind, die aus dem Labor entweichen und Unheil in die Welt bringen. Um das zu verhindern, könne man, so Venter, den Organismus mit „Suizidgenen“ versehen - das heißt ihn mit einer chemischen Abhängigkeit ausstatten, so dass er außerhalb des Labors nicht überlebensfähig ist. Außerhalb des Labors würden diese künstlichen Zellen absterben.

„Es ist nicht schwer, Algen dazu zu bringen, Öl zu produzieren“

Wenn dem so ist, wäre das eine gute Nachricht, denn Venter und sein Team sind gegenwärtig dabei, mit Forschungsgeldern von Exxon-Mobil eine fünf bis sieben Quadratkilometer große Algenfarm einzurichten, in der umprogrammierte Algen Biokraftstoff produzieren werden. „Es ist nicht schwer, Algen dazu zu bringen, Öl zu produzieren“, sagte Venter. „Die Menge ist das Problem.“ Um als praktikable Energielieferanten dienen zu können, müssen Algenfarmen groß sein, und das macht sie teuer. Algen haben jedoch den Vorteil, dass sie Kohlendioxid verbrauchen und Sonnenlicht als Energiequelle verwenden. Potentiell haben wir also lebende Solarzellen, die Kohlendioxid fressen und dabei neue Kohlenwasserstoffe - den Treibstoff - produzieren.

Das letzte Wort hatte Church mit seinem Projekt „Engineering Humans 2.0“. Der Mensch, meinte er, sei in vielerlei Hinsicht beschränkt: in seiner Konzentrations- und Erinnerungsfähigkeit, durch die Kürze des Lebens und so weiter. Mit Hilfe der Gentechnik könnten all diese Unzulänglichkeiten und Einschränkungen korrigiert werden. Die gemeine Labormaus habe eine Lebensdauer von zweieinhalb Jahren, der Nacktmull dagegen erreicht das hohe Alter von fünfundzwanzig Jahren. Es sei möglich, diejenigen Gene zu finden, die zur Langlebigkeit des Nacktmulls beitragen, und wenn man diese Gene in die Labormaus einsetze, könne man deren Lebensdauer allmählich steigern.

„Warum sollte man Neandertaler wiederbeleben wollen?“

Analog könne man bei Menschen verfahren, also die Lebensdauer verlängern und das Gedächtnis verbessern, aber es frage sich, ob das klug wäre. Es gebe immer Nachteile, sagte Church. Man kann es einrichten, dass die Menschen größere und kräftigere Knochen haben, aber nur um den Preis, dass sie massiger und plumper werden. Auf einer Konferenz, in der über grenzenlose Machbarkeit gesprochen wurde, waren diese Worte eine willkommene Mahnung.

Doch dann erklärte er, dass es vermutlich möglich sei, durch gezielte Manipulation des Elefantengenoms dem Wollhaarmammut zu neuer Existenz zu verhelfen. Und durch ähnliche Manipulation des Schimpansengenoms könne man möglicherweise den Neandertaler wieder zum Leben bringen.

„Warum sollte man Neandertaler wiederbeleben wollen?“, fragte ein Gast.

„Um einen Verwandten zu schaffen, der uns einen neuen Blick auf uns ermöglicht“, antwortete Church. Der Mensch sei eine Monokultur, und Monokulturen seien eben biologisch gefährdet. Seine Antwort überzeugte nicht alle Anwesenden. „Wir haben schon genug Neandertaler in Washington“, rief Craig Venter, und mit dieser Bemerkung ging die Konferenz zu Ende.

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