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Szenarien : Der aktuelle Katalog der Schöpfung ist da

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Und was wäre wohl von synthetischen Organismen zu halten, die gegenüber einer ganzen Klasse natürlicher Viren resistent wären? Zwei Verfahren gibt es. Eines besteht darin, eine DNS zu konstruieren, die das Spiegelbild einer natürlichen DNS ist. Wie viele biologische und chemische Substanzen zeichnet sich die DNS durch Chiralität (Händigkeit) aus, das heißt, sie existiert in links- oder rechtshändiger Helixstruktur. In natürlichem Zustand sind die meisten biologischen Moleküle linkshändig. Durch künstliche Schaffung rechtshändiger DNS könnte man aber synthetische Organismen erzeugen, deren DNS das Spiegelbild des Originals ist. Diese wären resistent gegenüber konventionellen Enzymen, Parasiten und Erregern, weil ihre DNS von der Spiegelbildversion nicht erkannt würde. Solche synthetischen Organismen wären Teil einer ganz neuen „Spiegelwelt“.

Church ist außerdem Gründer und Direktor des „Personal Genome Project“. Dessen Ziel ist es, die Genome von hunderttausend Freiwilligen zu sequenzieren und ein Zeitalter der personalisierten Medizin einzuläuten. Anders als die lange übliche Standardkombination aus Pillen und Therapien wird die Medizin künftig passgenau wie ein Maßanzug auf das Individuum zugeschnitten.

„Leben auf anderen Planeten etablieren“

Gegen Ende des ersten Tages stellte Elon Musk, Charismatiker sondergleichen, eine Genomveränderung anderer Art vor. Während im Hintergrund ein Video vom Start seiner „Falcon 1“-Rakete auf dem südpazifischen Kwajalein-Atoll lief, sprach er über die Verpflanzung der Spezies Mensch auf andere Planeten. Dieses Ziel hätte man als unrealistisch abtun können, wäre nicht am 13. Juli, kurz vor der Konferenz, eine „Falcon 1“ gestartet, die den malaysischen Satelliten RazakSat auf eine Erdumlaufbahn brachte. Schon zuvor hatte SpaceX einen Auftrag der Nasa für Versorgungstransporte zur Internationalen Raumstation erhalten.

Wie ein Herrscher seine Untertanen führte Musk dann die Konferenzteilnehmer durch die Fertigungsanlagen seines Raumfahrtunternehmens. Wir sahen den Bereich, in dem das Triebwerk gebaut wird, wir sahen Komponenten der Trägerrakete, das Kontrollzentrum und ein Exemplar des „Dragon“-Raumschiffs, einer Kapsel für den Transport von Fracht oder Menschen zur Raumstation. „All das dient dem Ziel, Leben auf anderen Planeten zu etablieren“, sagte Musk.

Organismen auf ein Minimum an Genen reduzieren

Am zweiten Tag trat J. Craig Venter auf, Pionier des privaten Humangenomprojekts und Gründer von Synthetic Genomics Inc. Das ist eine Organisation, die sich der Vermarktung von Gentechniken verschrieben hat. Eine der Herausforderungen der synthetischen Genomik ist es, Organismen auf ein Minimum an Genen zu reduzieren, die zum Leben notwendig sind. „Reduktionistische Biologie“ nennt Venter das. Die Grundfrage sei, ob sich durch Kombination der geringsten Zahl an lebenswichtigen Genkomponenten neues Leben kreieren lasse.

Venter nutzt Bierhefe, die imstande ist, DNS-Fragmente zu funktionalen Chromosomen zusammenzubauen. Er schilderte ein Experiment, bei dem fünfundzwanzig synthetische DNS-Komponenten erzeugt und in eine Hefezelle eingebracht wurden, die von dieser zu einem Chromosom zusammengefügt wurden. Dabei kam es darauf an, die DNS-Teilchen so zu konstruieren, dass der Organismus sie korrekt zusammensetzen konnte. Venter stellte fest, dass Gene sich in Hefe leicht manipulieren ließen. Er konnte Gene einbringen, entfernen und eine Hefe mit neuen Eigenschaften erzeugen. Im August 2007 veränderte er die Individuen einer Spezies radikal: Er entnahm den Zellen je ein Chromosom, verpflanzte diese und schuf etwas völlig Neues. „Durch Veränderung der Software wurde der alte Organismus völlig eliminiert und ein neuer geschaffen“, so Venter.

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