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Syrische Kriegsbilder : Die Toten Syriens, ihre Bilder und unsere Verantwortung

  • -Aktualisiert am

Die Wahrheit liegt hinter den Bildern: Bürgerkriegsszene aus Homs Bild: dapd

Wem hilft es, wenn Fernsehnachrichten das Grauen des syrischen Bürgerkriegs zeigen? Durch die Veröffentlichung schrecklicher Gewaltszenen lässt sich das Blutvergießen nicht stoppen.

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          Wir haben schon viele der tausend Toten zu sehen bekommen, die gewaltsam im derzeitigen Bürgerkrieg in Syrien ums Leben gekommen sind. Das erste Mal mit voller Wucht im Frühjahr, als nach dem Massaker von Hula verstörende Bilder zahlreicher verstümmelter Leichname in den Nachrichten auftauchten. Nach Berichten von UN-Beobachtern wurden die Frauen, Männer und Kinder am 25. und in den Morgenstunden des 26. Mai von Angehörigen der berüchtigten regierungstreuen Schabiha-Milizen ermordet. Die Brutalität, die das Assad-Regime gegen sein eigenes Volk anwendete, sollte mit diesen Fotografien zum Ausdruck gebracht werden. Nun mochte man sich fragen, ob das notwendig oder gar sinnvoll war, doch mit der Verbreitung der Bilder verband sich die Hoffnung, dass sich die internationale Gemeinschaft zu einer wie auch immer gearteten Intervention entschließen möge. Dies ist nicht geschehen. Stattdessen konnte man täglich die eskalierende Gewalt in den Nachrichten weiterverfolgen.

          So auch am 1. August, als das heute-journal des ZDF in einem Bericht zur Lage in Syrien ein im Internet aufgetauchtes Video aus der stark umkämpften Stadt Aleppo sendete. Neu war, dass sich hier nicht die verheerende Gewalt des Regimes zeigte, sondern die rücksichtslose Grausamkeit der Aufständischen. Damit wurde deutlich, was man schon seit einer Weile befürchten musste: Je länger der Krieg andauert, desto wahrscheinlicher ist mit einer allseitigen Brutalisierung und Spaltung der Gesellschaft zu rechnen. Der Nachrichtensprecher Claus Kleber kündigte an, dass man den Film nicht in seiner ganzen Länge zeigen werde. Eine Begründung gab er nicht. Zu sehen war der Mitschnitt einer Hinrichtung mutmaßlicher Angehöriger der gefürchteten Schabiha-Milizen, die für das Massaker von Hula verantwortlich gemacht werden. Wer ihn wann und wo genau aufgenommen hatte, ist nicht geklärt. Anzunehmen ist, dass es die für die Ermordung verantwortlichen Aufständischen selbst in Umlauf gebracht hatten, um die Moral der assad-treuen Truppen zu destabilisieren. Die Kameraführung ist von schlechter Qualität, unstetig und verwackelt, doch sieht man deutlich, wie blutüberströmte Männer an eine Wand getrieben werden. Plötzlich schwenkt die Kamera nach unten; das Bild bleibt auf einem blinden Fleck stehen. Der Ton aber läuft weiter, wir hören das Johlen der Menge, dann die nicht enden wollenden Salven des Hinrichtungskommandos.

          Die Toten der anderen kann man zeigen

          Bemerkenswert an diesem Schnitt ist nicht die Tatsache, dass die Redaktion beschlossen hatte, das Video an dieser Stelle anzuhalten - solche Entscheidungen in Bezug auf drastische Gewaltdarstellungen sind selbstverständlich -, sondern dass man den Ton für noch zumutbar hielt. Den Bildern spricht man offenbar eine Unmittelbarkeit zu, die vom Ton, aber vor allem auch vom berichtenden Wort nicht auszugehen scheint. Umstandslos und ausführlich wurde verbal in der Sendung über die brutale Hinrichtung der Assad-Anhänger informiert. Die Frage aber stellt sich, ob nicht gerade ein Nachrichtensender verpflichtet ist, die ihm vorliegenden Bilder vollständig zu zeigen, nachdem sich die Redaktion einmal entschlossen hat, sie in ihre Sendung aufzunehmen: Geht es hier eventuell gar nicht um Information, sondern um Drama und Nervenkitzel, bei dem es in perfider Weise gerade notwendig ist, das Ende vorzuenthalten? Oder stehen doch Überlegungen zum Schutz der Zuschauer im Vordergrund?

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