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„Swept Away“ : Mister Madonna

Würden Sie so einen Schirm auf eine einsame Insel mitnehmen? Bild: AP

Mrs. Guy Ritchie spielt Film: Aus „Swept Away“ wird ein spannender Film, wenn man nur darauf achtet, wie Madonna, die stärkste Frau der Popkultur, sich hier ihrem Mann und Regisseur unterwirft.

          So eine einsame Insel wirft ja immer ein paar Fragen auf, vor allem die, wen oder was einer, wenn er könnte, dorthin mitnehmen würde - und wer "Swept Away" gesehen hat, den Film, der auf einer solchen Insel spielt, tut sich mit der Antwort entschieden leichter: Diesen Film hier würde man, erstens, auch dann nicht mit auf die Insel nehmen, wenn kein einziger anderer zur Auswahl stünde.

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ob man, zweitens, mit Madonna dort stranden möchte, würde man sich noch mal sehr gut überlegen. Und mit Adriano Giannini, dem männlichen Helden, möchte man, drittens, noch nicht einmal auf einem großen Kontinent alleine sein; der schönen Insel im blauen Mittelmeer aber zöge man jederzeit eine graue Hinterhofwohnung in einer der nördlicheren Städte vor, wenn nur Giannini in Australien wäre oder, besser, auf dem Mond.

          Was nicht heißt, daß man an "Swept Away" keinen Gedanken zu verschwenden brauchte; was nicht einmal ein Beweis dafür ist, daß dieser Film so schlecht wäre wie der Ruf, der ihm vorausgeht. Es ist nur kein besonders sympathischer Film: Wenn er anfängt, lernt man sofort, Madonna zu hassen, und wenn er zu Ende geht, kann man keine der Personen auf der Leinwand mehr ausstehen; selbst der Regisseur ist einem ein wenig unangenehm geworden, obwohl er doch Guy Ritchie heißt und nicht nur mit Madonna verheiratet ist, sondern auch zwei Gangsterfilme inszeniert hat, "Snatch" und "Lock, Stock and Two Smoking Barrels", die keine unsterblichen Meisterwerke sind, aber immerhin sehr britisch und sehr lustig.

          Azurblaues Augustmeer

          Daß man nicht mag, was man da sieht, hat womöglich schon mit dem Ursprung des Films zu tun, damit, daß er das Remake eines Films von Lina Wertmüller ist, jener italienischen Regisseurin, die in den siebziger Jahren für eine Künstlerin des Kinos galt, was aber, von heute aus betrachtet, weniger an ihren Inszenierungen gelegen haben kann; eher schon an den poetischen Titeln ihrer Filme: "Hingerissen von einem ungewöhnlichen Schicksal im azurblauen Meer im August" hieß ihr Sex-und-Polit-Melodram aus dem Jahr 1974, in welchem Mariangela Melato und Giancarlo Giannini miteinander taten, was jetzt Madonna und Gianninis Sohn miteinander tun.

          Es ist die Geschichte einer reichen Frau, die mit ein paar Freunden übers Mittelmeer fährt. Sie langweilt sich auf ihrer Luxusyacht, sie geht allen auf die Nerven, und mit Eifer quält sie einen Domestiken, mit dem sie aber, nach einem mißglückten Ausflug im Schlauchboot, auf einer unbewohnten Insel landet, wo der Domestik, weil er besser weiß, wie man überlebt, die Herrin quält und demütigt und absolute Unterwerfung verlangt - was dazu führt, daß die beiden ein Liebespaar werden, richtig guten Sex haben und nie wieder zurückwollen in die Zivilisation.

          Dominanz und Unterwerfung

          Das ist natürlich ein trivialer Plot - der aber eine wunderbar skandalöse, intime und intensive Inszenierung provozieren könnte, jene Art von Körperkino, welche die Franzosen zwei- bis dreimal im Jahr riskieren. Das ist ein Plot, in dem die Paraphrase (oder Travestie) jener Shows steckt, die der Popstar Madonna auf den Bühnen inszeniert: das Spiel von Dominanz und Unterwerfung, in dessen Mittelpunkt sie selber steht - um sie herum tanzen Dutzende halbnackter Männer und Frauen, und selbst das Publikum gehorcht ihr aufs Wort.

          Das Problem in "Swept Away" ist aber, daß ihr die Kamera nicht gehorcht und auch nicht das Licht und schon gar nicht ihr Mitspieler, der selbst in den Liebesszenen eher an einen Fisch als an Madonna zu denken scheint. Das Problem ist, daß sie, die doch sonst so locker wie in einen Turnschuh in die Pop-Rollen schlüpft, hier verkniffen und angestrengt von der Leinwand herunterschaut - so, als gehörten diese eisernen Oberarmmuskeln und das breite Bodybuilderkreuz gar nicht richtig zu ihr.
          Warum, fragt man sich, tut sie sich das an? Warum gefährdet sie ihr Image, das doch wasserfest, feuerfest und völlig undurchlässig für Kritik und Genörgel ist, wieder und wieder mit Filmrollen, in denen sie immer schwach, meistens häßlich und oft völlig deplaziert ist? Die Antwort heißt vermutlich: eben darum - weil sie hier so gut wie nichts unter Kontrolle hat.

          Aus "Swept Away" wird ein spannender Film, wenn man Adriano Giannini völlig vergißt und nur darauf achtet, wie Madonna, die stärkste Frau der Popkultur, sich hier ihrem Mann und Regisseur unterwirft. Sie gibt alle Kontrolle auf - und er ist davon offensichtlich so überfordert, daß er nicht mehr als eben "Swept Away" zustande bringt. Das ist die eigentliche Geschichte, von der dieser Film erzählt: Selbst in dieser Niederlage bleibt Madonna die Stärkere. Vermutlich hat sie das selber nicht gewollt.

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