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Ballettschule Berlin : Falsche Härte

  • -Aktualisiert am

Ralf Stabel (re.), Leiter der Staatlichen Ballettschule Berlin, ist vom Dienst an diesem Institut suspendiert. Genauso auch der Künstlerische Leiter des Instituts, Gregor Seyffert. Bild: dpa

Am Institut der Staatlichen Ballettschule Berlin wurden Leiter und Künstlerischer Leiter vom Dienst suspendiert. Verdacht: Kindeswohlgefährdung. Und was macht die Kommission zur Untersuchung der Vorwürfe?

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          Hemdsärmeligkeit kann man nicht vorwerfen. Auf die Frage, was zur Aufnahme an die Staatliche Ballettschule Berlin und zur Ausbildung zum Bühnentänzer qualifiziere, antwortete der suspendierte Leiter Ralf Stabel einmal der „Berliner Morgenpost“, man dürfe kein Kind sein, das schon beim Aufsagen eines Weihnachtsgedichtes anfange zu weinen. Das kann man hemdsärmelig finden. Es ist aber nicht nur sehr schlicht. Es stimmt einfach nicht.

          So viele Menschen, die als Kinder schüchtern sind, werden großartige Bühnenkünstler. So viele Menschen blühen auf, wenn man ihnen das Passende abverlangt, etwas, das Neigung und Talent nahelegen. Es kann dann ruhig das Schwerste sein – eine körperlich fordernde Berufsausbildung, die im Kindesalter begonnen wird und mit siebzehn, achtzehn Jahren nach neunjähriger Schulung ins Arbeitsleben entlässt.

          Anonyme Beschwerden

          Am Montagabend wurde bekannt, dass der Leiter der Staatlichen Ballettschule Berlin, Ralf Stabel, vom Dienst an diesem Institut suspendiert ist, wie auch der Künstlerische Leiter des Instituts, Gregor Seyffert. Ende letzten Jahres anonym eingereichte Beschwerden werden derzeit untersucht. Es besteht Verdacht auf Kindeswohlgefährdung, die Rede ist von Überlastung der Kinder, von zu viel Druck, der ausgeübt würde, von Angst, die herrsche. Gerade erst war eine Kommission zur Untersuchung der Vorwürfe eingesetzt worden. Unglücklicherweise hatte das Land Berlin, also die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Sandra Scheeres, SPD, die Vorgängerin Stabels als Schulleiterin in die Kommission berufen. Keine gute Idee.

          Entstanden ist sie offenbar aus dem Gefühl heraus, eine Ballettschule sei etwas Besonderes und man brauche jemanden in der Kommission, der diese Besonderheiten verstehe. Die Staatliche Ballettschule Berlin ist doch nicht das einzige Institut dieser Art auf Erden. Einen Experten von außen zu finden wäre ganz einfach gewesen. Nun gibt es eine neue Kommission. Die Schulleitung wurde abgesetzt, weil Teile der Elternschaft, der Schülerschaft und des Lehrerkollegiums Vorwürfe direkt gegen Seyffert und Stabel erheben.

          Das Beispiel anderer Schulen zeigt, dass in der Tat die Direktion in der Pflicht steht, wenn es um den Geist, der an einer Schule herrscht, geht, um ihren Unterrichtsstil und die Umgangsformen aller miteinander. Von dem dänischen Familientherapeuten Jesper Juul stammt die Formulierung, damit ein Mensch sich entwickele, benötige es einen Sog, keinen Druck. Seyffert, Choreograph eines Tanzspektakels über den „Marquis de Sade“, und Stabel, Biograph der unter zwei Diktaturen erfolgreichen Ausdruckstänzerin Palucca, stehen offenbar nicht für diesen Paradigmenwechsel. Tänzer, so Stabel anerkennend in der „Mopo“, lieferten immer „beste Qualität“, egal, ob „die Hüfte zieht oder die Oma gerade einen Verkehrsunfall hatte“. Das ist schlimmer als hemdsärmelig, es ist eine groteske Verzerrung und Banalisierung. So darf man über Tanz, über Tänzer, nicht reden, schon gar nicht als ihr Ausbilder.

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