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Suhrkamp-Verlag : Ein literarischer Stern soll verglühen

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Ein Minimum an journalistischer Genauigkeit hätte genügt, herauszufinden, dass Siegfried Unseld genau das gemacht hat. Mit Beschluss vom 26. April 2002 wurde Ulla Unseld-Berkéwicz von den Gesellschaftern Siegfried Unseld und Andreas Reinhart einstimmig zur Geschäftsführerin der Holding bestimmt. Joachim Unseld hat das offenbar vergessen oder nie gewusst; er war damals schon weit weg vom Geschehen und nahm an Gesellschafterversammlungen der Holding nicht teil. Er ist der Sohn, er ist Partei und kann viele Ereignisse nicht rekonstruieren. Er verhält sich wie ein Sohn und tut nicht so, als sei er ein Journalist, der die Geschichte des Suhrkamp-Verlags recherchiert.

Faktisch ist Ulla Unseld-Berkéwicz Erbin der Verlage

Doch damit nicht genug. Eingebettet ist die Fehlinformation in einen Nebel von Insinuationen über Siegfried Unselds angebliche Unentschiedenheit, was seine Nachfolge angeht, über Ulla Unseld-Berkéwiczs Pflichtteilsansprüche, das Haus in Berlin und die Rechtmäßigkeit ihrer Ansprüche. Der Reihe nach:

1. Durch die Errichtung der Stiftung verzichtet Ulla Unseld-Berkéwicz auf alle Ansprüche. Die F.A.Z. hat darauf in etlichen Artikeln in den vergangenen Jahren hingewiesen. Dass jetzt durch den Sohn der Anschein erweckt wird, sie hätte vielleicht verzichten müssen, weil Unseld sie sonst nicht geheiratet hätte, ist an Gemeinheit kaum zu überbieten. Gäbe es da nicht Richard Kämmerlings, der das ohne Nachfrage bei Frau Berkéwicz ernsthaft zu bedenken gibt („Humbug“) und nun auch noch insinuiert, Ulla Berkéwicz habe offenbar auch ihr Vermögen, anders als behauptet, nicht in den Verlag eingebracht, denn „Geld für die Villa ist ja offensichtlich reichlich vorhanden gewesen“. (Das Geld für die Villa stammt in Wahrheit aus dem Erbe, das der Mutter und den Geschwistern Berkéwicz, die alle in dem Haus leben, nach dem Tode ihres Vaters vor sechs Jahren - also nach Unselds Tod - zugefallen ist.)

Die Wahrheit ist eine andere: Tatsächlich ist der Ehevertrag zwischen Siegfried und Ulla Unseld bereits Mitte der neunziger Jahre aufgehoben und Ulla Unseld als Alleinerbin eingesetzt worden. Denn am 27. Oktober 1995 setzen sich die Ehepartner per notariell beglaubigtem Testament gegenseitig als Universalerben ein. Faktisch ist Ulla Unseld-Berkéwicz damit Erbin der Verlage. Ausdrücklich wird in dem Testament - entgegen der Behauptung in der „Welt“ - ausgeführt, dass die Pflichtteilansprüche des Sohnes durch vorhergehende Zahlungen abgegolten sind (nach Unselds Tod erhielt der Sohn seinen Pflichtteil in sechsstelliger Höhe ausgezahlt; alle weitergehenden Ansprüche wurden gerichtlich zurückgewiesen). Das Problem ist nur: Unselds Frau will Schriftstellerin bleiben und nicht Verlegerin werden. Womit wir bei der Frage sind, was Siegfried Unseld wollte.

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