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Suhrkamp : Terra juristica

  • -Aktualisiert am

Die unendliche Suhrkamp-Geschichte wird immer mehr zum Fall der Gerichte. Barlach leistet jetzt Verzicht, dem die Familienstiftung nicht folgen will. Die Anwaltskosten fressen den finanziell angeschlagenen Verlag auf.

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          Im Machtkampf um Suhrkamp haben die Spieler inzwischen juristisches Neuland betreten. Jeder Schritt führt ins Ungewisse, das geben hinter vorgehaltener Hand mittlerweile sogar die Anwälte zu. Schon das von Suhrkamp beantragte Schutzschirmverfahren, eine Vorform der Insolvenz, gibt es ja erst seit gut einem Jahr. Und wie bei jedem neuen Gesetz ist vieles noch nicht gerichtsfest und wird sich erst in zukünftigen Verfahren klären. Wer dereinst die Chronik zur Causa Suhrkamp schreiben und dafür ergründen wird, was sich dieser Tage (und durchwachter Nächte) so abspielt, kommt um juristischen Beistand kaum herum.

          Dass der Minderheitsgesellschafter Hans Barlach jetzt ankündigt, vorerst auf seine gerichtlich erstrittene Gewinnausschüttung in Höhe von 2,1 Millionen Euro zu verzichten, wie „Spiegel online“ meldet, bringt wie bei einem Mobile, das man antippt, das gesamte Gefüge in Bewegung. Denn die von Barlach geführte Medienholding, die an Suhrkamp 39 Prozent hält, hat sich durch diesen Rangrücktritt freiwillig auf den letzten Platz in der Reihe der Gläubiger begeben. Hinfällig sind ihre Ansprüche damit nicht, aber sie will signalisieren, dass sie „ein Interesse am Fortbestand des Unternehmens“ hat.

          Barlachs Verzicht

          Im gleichen Atemzug fordert sie die Familienstiftung, die mit 61 Prozent die Mehrheit an Suhrkamp besitzt, auf, ebenfalls ihre Gewinnansprüche hintanzustellen. So könne das Schutzschirmverfahren abgewendet werden. Ausgelöst worden war dieses durch ein Urteil des Frankfurter Landgerichts, das auf Antrag von Barlach die Gewinnausschüttung an die Medienholding angeordnet hatte. Die drohende Auszahlung von insgesamt 8,2 Millionen Euro (da auch an die Familienstiftung ausgeschüttet werden müsste) war der Anlass für den Verlag, wegen Überschuldung den Schutzschirm zu beantragen.

          Aus Verlagssicht kommt die Erklärung der Medienholding aber zu spät, wie die Suhrkamp-Sprecherin Tanja Postpischil gestern sagte: „Wir gehen davon aus, dass die Erklärung der Medienholding das Schutzschirmverfahren nicht tangiert.“ Die Sprecherin erwartet deshalb nicht, dass auch die Familienstiftung ihre Gewinnausschüttung zurückstellen werde. Zumal die Erklärung Barlachs hinter dem zurückbleibe, was der Verlag als notwendige Maßnahmen definiert habe. Barlach erklärte gegenüber „Spiegel online“, dass das Verfahren Kohorten von Beratern und Anwälten beschäftige, die beiden Gesellschaftern hohe Kosten verursachten, also Kapital, das im Verlag sinnvoller eingebracht werden könnte. Bislang hat das den Hamburger Geschäftsmann nicht davon abgehalten, in einen juristischen Feldzug gegen den Verlag zu ziehen. Man hätte sich ein Signal wie den jetzt angebotenen Rangrücktritt schon früher gewünscht. Wer Neuland betritt, begibt sich auf schwieriges Terrain. Schon jetzt, so viel steht immerhin fest, hat der Suhrkamp Verlag nicht nur Kultur-, sondern auch Rechtsgeschichte geschrieben.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

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