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Suhrkamps Insolvenzplan : Antrag abgelehnt, weiter geht’s

  • -Aktualisiert am

Zurzeit stehen bei Suhrkamp nicht Bücher, sondern die Prozessakten im Vordergrund. Bild: dpa

Suhrkamps Insolvenzplan ist am Bundesgerichtshof in Karlsruhe gelandet. Bis zu einer Entscheidung können Monate vergehen. Und der Verlag verliert wieder einen Bestsellerautor.

          Ist ein Verfahren erst einmal beim Bundesgerichtshof gelandet, dann kann das dauern. „Sehr lange dauern“, wie eine Sprecherin auf Nachfrage sagt. Sie hätten ja noch nicht einmal die Akten für das Verfahren vorliegen. Aber das sei auch erst seit dem 14. März hier anhängig. Vier Wochen, da hat man am höchsten ordentlichen Gericht noch die Ruhe weg. „Melden Sie sich in ein paar Monaten, dann wissen wir mehr.“

          Ob die jeweils streitenden Parteien Ausdauer und Nerven genug haben, um die Prüfung ihres Falls durch die oberste Instanz abzuwarten, darf die hohen Richter naturgemäß nicht interessieren. Dass ihnen unter dem Aktenzeichen „9 ZB 13/14“ der Suhrkamp-Prozess vor die Füße gefallen ist, macht in Karlsruhe niemanden nervös.

          Von der Personen- zur Aktiengesellschaft

          Ganz anders sieht man das wohl in Berlin, dem Sitz des von Ulla Unseld-Berkéwicz geleiteten Suhrkamp Verlags, wie auch in Hamburg, wo der Miteigentümer von Suhrkamp, Hans Barlach, wohnt. Auf seine Initiative hin hat es die Akte Suhrkamp bis zu den Bundesrichtern in roter Robe geschafft. Das ist für den Verlag ein Drama. Denn so bekannt der Fall ist, der längst Rechtsgeschichte geschrieben hat, so ungewöhnlich scheint diese neueste Entwicklung in einem an irrwitzigen Volten nicht gerade armen Verfahren.

          Zur Erinnerung: Im Streit der Parteien, die seit Jahren in zahllosen Prozessen mehrere Gerichte und viele teure Anwälte beschäftigen, hatte zuletzt der Verlag versucht, mit Hilfe des Insolvenzrechts die Konflikte seiner Gesellschafter zu beenden. Dieser Plan sah unter anderem die Umwandlung der Personen- in eine Aktiengesellschaft vor. Die Gläubigerversammlung wie auch das Amtsgericht Charlottenburg hatten dem Plan im Oktober zugestimmt. Es schien also nur noch eine Frage der Zeit, bis die Suhrkamp AG ausgerufen würde.

          Nicht bloß ein Gartenzaun

          Dass dies nicht geschah, vielmehr gar nichts geschah, lag aufs Neue am zürnenden Minderheitsgesellschafter Barlach, der sich durch die Umwandlung massiv in seinen Rechten beschnitten sieht. Der Unternehmer, der über seine Medienholding AG Winterthur 39Prozent der Suhrkamp-Anteile hält, legte nämlich beim Landgericht Berlin sofortige Beschwerde gegen den Insolvenzplan ein.

          So weit, so bekannt. Nun aber kommt es zur fast schon novellenhaften Wendung. Denn obwohl das Landgericht Barlachs Beschwerde für unbegründet hielt und sie deshalb auch zurückwies, ließ das Gericht eine Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof zu, wie der Gerichtssprecher Ulrich Wimmer bestätigt. Dass nicht jedem solchen Vorgang der Weg nach Karlsruhe eröffnet wird, versteht sich von selbst, sonst würden die Bundesrichter bald über jeden Gartenzaun befinden müssen. In einem Insolvenzverfahren aber spielt die Zeit immer eine entscheidende Rolle. Dennoch sehen die Berliner Richter ein höheres juristisches Interesse gegeben, das den Weg nach Karlsruhe erfordert.

          Bestsellerautor verlässt Suhrkamp

          Selbstredend hat Barlach die Chance genutzt, die man ihm damit eröffnet hat. Dabei hätte die Umsetzung des Insolvenzplans zugleich die Beendigung der Insolvenz zur Folge gehabt. Und welcher Unternehmer wünschte sich nicht das Ende einer solch prekären Lage?

          Doch Suhrkamp kommt nicht zur Ruhe; statt allein durch die Bücher des Verlags zu wirken, rücken abermals die Prozessakten in den Vordergrund. Dass ein Bestsellerautor wie Don Winslow deshalb via Pressemitteilung seines neuen Verlages mitteilen lässt, er verlasse Suhrkamp wegen der „aktuellen Entwicklungen“ sowie der „unsicheren Verhältnisse“ dort, ist mehr als nur schlechter Stil.

          Systemisches Grundproblem

          In Frankfurt hat Barlach seinen Feldzug gegen die Suhrkamp-Verlegerin jüngst verloren. In Berlin werden im Mai und August diverse Entscheidungen der Gerichte erwartet, in denen über die Rechtmäßigkeit des Gesellschaftervertrags, die Abberufung der Geschäftsführung und die Schadenersatzforderungen befunden wird.

          Bis dahin, so ist die Karlsruher Sprecherin zu verstehen, wird der Bundesgerichtshof ganz bestimmt nicht über den Insolvenzplan bei Suhrkamp urteilen. Außer die Richter besännen sich eines Besseren. Schließlich schauen nicht wenige auf diesen Präzedenzfall. Beim Bundesgerichtshof geht es um nicht weniger als das Grundproblem dieses juristischen Großkonflikts, nämlich die Frage, wie sich Gesellschaftsrecht und Insolvenzrecht systemisch zueinander verhalten.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

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