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Internet der Dinge : Ganz allein

  • -Aktualisiert am

Ob er auch manchmal etwas nicht findet? Christoph Waltz schaut meistens nicht so ratlos wie hier. Bild: Jonas Unger

Früher war es so, dass manche Dinge einfach verschwanden. Verpasste Filme im Kino zum Beispiel. Aber heute? Eine Suche im Internet der Dinge.

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          Wer schon ein paar Jahrzehnte hinter sich hat, kennt das noch: dass manche Dinge sich zurückziehen und einfach nicht mehr da sind. Verpasste man früher zum Beispiel Filme im Kino, blieben sie Geheimnis; etwas, das man nur vom Hörensagen kannte, DVD-Auswertungen gab es nicht, und die Wiederaufnahme im Programm­kino war die letzte Hoffnung. Nicht nur für Filmstudenten galt daher: So viel sehen wie möglich, der Augenblick ist flüchtig. Auch vergriffene Bü­cher waren schwer zugänglich, Funde im Antiquariat seltene Glücksfälle, weshalb sich Bevorratung auch hier empfahl. Das alles ist längst Geschichte.

          Das Internet der Dinge hält uns selbige jederzeit verfügbar. Darüber ist der alte Jagdinstinkt ermattet. Um­so be­stürzender wird die Erfahrung, wenn es nicht klappt. So wie neulich, als Christoph Waltz in einer Arte-Doku über einen seiner frühen Spiel­filme erzählte und seine Zuhörerin zum Handy greifen ließ. Besagter Film aber ist nicht zu kaufen. Die Suche führte zu den Streamingdiensten, doch auch leihen kann man ihn nicht. Die Doku war längst zu Ende, als die Ausforschung der Online-Flohmärkte begann, die allerdings nur Hilferufe ausspuckten: „Ich suche diese DVD. Wenn jemand weiß, wo man sie herbekommen kann?“

          Youtube? Fehl­anzeige. Tags darauf in der Videothek, die bislang immer alle Wünsche er­füllen konnte? Chancenlos. Längst keim­te der Verdacht, jemand habe den Film absichtlich zum Verschwinden gebracht, womöglich versponnene Rechteinhaber? Gierige Erben? Eine unglückliche Nebendarstellerin? Schließlich handelt es sich um das Biopic über einen Verstorbenen. Christoph Waltz hat sicher noch eine Kopie irgendwo, aber hat der auch eine Telefonnummer in Hollywood?

          Weder die durchwachten Nächte am Rechner noch die Gründung einer Selbsthilfegruppe konnten die deprimierende Wahrheit leugnen, von der digitalen Multiplikationslogik im Stich gelassen worden zu sein. Von we­gen totale Verfügbarkeit. Einem Missverständnis war ich aufgesessen, ganz so wie der Protagonist des Films, der ein Rockstar sein wollte, durch Zu­fall beim Schlager landete, damit irren Erfolg hatte und darüber todunglücklich wurde. „Du bist nicht allein“ heißt der Film wider besseres Wissen.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

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