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Studien nachgeprüft : Was verrät die Seelenforschung?

  • -Aktualisiert am

Hier wird eine Studie über die körperliche Reaktion beim Fernsehkonsum durchgeführt. Ob die Ergebnisse bei einem zweiten Versuch die gleichen wären? Bild: Stefan Schulz

Psychologische Studien präsentieren oftmals Ergebnisse, auf die auch Nicht-Wissenschaftler kommen könnten. Und selbst diese sind anzuzweifeln: Viele Experimente halten der Überprüfung nicht stand.

          Psychologische Studien böten sich für eine Würdigung an dieser Stelle eigentlich täglich an. Bei vielen ist die Mischung aus Banalität und Wichtigtuerei schon objektiv satirisch. Die Lektüre von „50 Shades of Grey“ und die „problematische Botschaft“ dieses Romans können Frauen dazu verleiten, häusliche Gewalt eher zu erdulden („Fiction or Not? Fifty Shades is Associated with Health Risks in Adolescent and Young Adult Females“, Journal of Women’s Health, 2014). Wer seine Emotionen kontrollieren kann, ist im Schnitt weniger geneigt zu aggressivem Verhalten – so die Ergebnisse einer Untersuchung der University of Texas/Austin und der University of Minnesota, die Studie wurde von der amerikanischen Armee gesponsert.

          Was macht eine Persönlichkeit aus? Nicht die Hobbys und die Erinnerung allein, sondern vor allem Freundlichkeit und Loyalität („Identity is Lost without a Moral Compass, Psychologists Find“, 2015). Auch überraschend: Ein Viertel aller obdachlosen Kinder braucht psychotherapeutische Betreuung. Die Fähigkeit zur Selbstdistanzierung hilft Pubertierenden, negative Gefühle zu bewältigen („Mentally Stepping Back From Problems Helps Youth Deal With Negative Emotions“, Pennsylvania State University, 2015). Wer nach Feierabend noch online arbeitet, kann sein Privatleben und die Beziehungen gefährden („Switching on outside office risks relationships, psychologists find“, University of Surrey, 2015). Und Heranwachsende, die nur noch am Smartphone hängen, werden eher depressiv (Pew Research Center, 2015).

          Nun hat eine Überprüfung psychologischer Studien, die 2008 in Fachzeitschriften erschienen, eine bittere Bilanz über den Erkenntniswert solcher Untersuchungen gezeitigt. Erschienen sind die Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Science“. In der methodisch härteren kognitiven Psychologie war die Lage etwas günstiger als in der Sozialpsychologie: Hier ließen sich drei Viertel der Experimente nicht wiederholen. Nicht bestätigt wurde beispielsweise der Befund einer Studie, dass Menschen nach dem Händewaschen in ihren moralischen Urteilen weniger streng seien. Aber wie war das mit Pontius Pilatus? Der wusch sich die Hände ja erst nach dem Urteilsspruch! Vermutlich hatte die Bibel also doch recht, aber wirkliche Klärung könnte wohl nur eine neue empirische Studie bringen.

          Lorenz Jäger

          Freier Autor im Feuilleton.

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