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Studie zum Sprachgebrauch : Glücksgeschichte

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Auch wenn veraltete Formulierungen den heutigen Leser manchmal unglücklich machen, können die Bücher voller Glücksworte sein. Bild: dpa

Wie glücklich oder unglücklich eine Gesellschaft ist, kann nun gemessen werden – nicht am Bruttoinlandsprodukt, sondern am Sprachgebrauch der Literatur. Seit 1776.

          Über das Wesen des Glücks sinniert die Philosophie seit ewigen Zeiten. Es ist wohl eine Begleiterscheinung der zunehmenden Beschäftigung mit den Tiefen des Ichs, dass das subjektive Wohlbefinden inzwischen ein reges Forschungsgebiet für Soziologen, Ökonomen, Hirnforscher und Psychologen geworden ist, deren wissenschaftliche Befunde im Alltag Niederschlag finden. Das Elite-Internat Wellington geriet vor einigen Jahren in die Schlagzeilen, als ihr progressiver Direktor Glücklichkeitsstunden auf den Lehrplan setzte. In einigen Unternehmen kümmern sich Glücklichkeitsbeauftragte um das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Es gibt Apps für die Vermessung des Glücks. An der Universität Vermont berechnen Wissenschaftler die emotionale Befindlichkeit von Bevölkerungsgruppen mittels einer hedonometrischen Software. Sie durchsucht Twitter-Nachrichten nach bestimmten Gefühls- und Stimmungsbegriffen, deren Glückswert auf einer Skala von eins bis neun bemessen wird.

          Nach ähnlichen Kategorien verfährt eine Forschungsgruppe aus Ökonomen und Psychologen der Universität Warwick, die mit der Erstellung eines historischen Indexes für die Messung des nationalen subjektiven Wohlbefindens in sechs Ländern den ersten Versuch unternommen haben, die Geschichte des Glücks zu verstehen. Die Studie setzt 1776 mit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung ein, unter anderem, weil darin das Streben nach Glück als unveräußerliches Recht verankert ist. Als Grundlage der Studie diente eine Auswahl von Wörtern wie – unter dem Buchstaben A – Abenddämmerung, Allergie, Abtreibung und ängstlich, deren jeweilige positive oder negative Wertigkeit die Forscher durch die Befragung von zwanzig Teilnehmern quantifizierten. Anhand dieses Messwertes wurde je nach der Häufigkeit, mit der diese Begriffe bei der Durchforstung der mehr als acht Millionen Texte umfassenden Bibliothek von Google Books zu gegebenen Momenten der Geschichte auftauchten, veranschlagt, wie gut oder schlecht die Stimmung etwa im Jahr der Französischen Revolution oder des Börsenkrachs von 1929 war.

          Die Forscher geben selbst zu, dass die Daten anfällig sind, da sich in dem digitalisierten Material, das ohnedies nur einen kleinen Prozentsatz der veröffentlichten Literatur darstellt, andere Faktoren auf den Wortgebrauch ausgewirkt haben dürften, etwa literarische Moden oder die Zensur. Konstant sei jedoch die Feststellung, dass das Glück nicht an das Bruttoinlandsprodukt (BIP) geknüpft sei, womit die Forscher hoffen, Anregungen für ein Umdenken gegeben zu haben. Dabei hat Bobby Kennedy bereits 1968 erkannt, dass das BIP alles messe außer dem, was das Leben lebenswert mache.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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