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Sexueller Missbrauch : Woelkis Zeichen

Von nun an gehen sie getrennte Wege: Kardinal Woelki hat seinen Weihbischof Schwaderlapp von den Dienstpflichten entbunden. Bild: dpa

Das könnte Schule machen: Nach dem Kölner Gutachten über sexuellen Missbrauch steht für die Deutsche Bischofskonferenz ein Strategiewechsel an.

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          Kann das die Strategie sein: abwarten und Tee trinken, bis nichts mehr geht? An seinem Posten kleben, bis man, weil dem Nachweis eigener Pflichtverletzungen nicht mehr auszuweichen ist, seiner Aufgaben entbunden wird? Wenn man von dem Gutachter Gehrke gestern hörte, dass ein potentiell Verantwortlicher für sexuellen Missbrauch wie der frühere Kölner Generalvikar und heutige Hamburger Erzbischof Heße mit zwei juristischen Bodyguards zur Unterredung mit Gehrke erschien, dann spricht daraus die Haltung: Ihr müsst mir schon jede einzelne Pflichtverletzung nachweisen, von mir aus sage ich nichts.

          Das mag rechtskonform sein, aber ist doch erschreckend kurz gedacht. Was bringt es Heße, wenn er dann am Ende, wie gestern geschehen, doch dem Papst seinen Amtsverzicht anbieten muss – unter der erdrückenden Last der nachgewiesenen Pflichtverletzungen?

          Persönliche Konsequenzen

          Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) kann es natürlich gerne so haben: sich auf Jahre hinaus mit Rücktrittsforderungen konfrontiert zu sehen, weil Gutachten für Gutachten neue Nachweise beigebracht werden, dass dieser Bischof hier und jener Generalvikar dort seiner Amtspflicht, sexuellen Missbrauch aufzuklären und zu ahnden, nicht nachgekommen ist – also vertuscht hat, sei es durch Tun oder Unterlassen. Möchte man sich auf unabsehbare Zeit wie die Hasen jagen lassen? Nachdem Kardinal Woelki seinen Weihbischof Schwaderlapp sowie den Leiter des Kölner Kirchengerichts Assenmacher ihrer Aufgaben vorläufig entbunden hat und auch Heße ja um sofortige Entbindung bittet, ist jetzt ein Zeichen gesetzt, das Schule machen könnte. Persönliche Konsequenzen haben aufgehört, denkunmöglich zu sein. Prompt hat auch Schwaderlapp seinen Amtsverzicht angeboten. Eine gute Figur macht er mit seinem späten Schritt freilich ebenso wenig wie Heße. 

          Es ist ja nicht so, als sei man als Verantwortungsträger bei der Urteilsbildung über sein einschlägiges Tun und Lassen auf die erst allmählich immer schärfer gewordenen Leitlinien der DBK-Bürokratie angewiesen gewesen. Missbrauchstäter hätten in klassischer moraltheologischer Sicht immer schon und überall hart bestraft werden müssen, erklärte unlängst der römische Jesuit Hans Zollner. Jeder kirchliche Verantwortungsträger hätte das wissen können und dürfe sich, versteht man recht, jetzt nicht auf bürokratische Spielarten des Kulturrelativismus herausreden.

          Was ist in dieser Hinsicht etwa mit den Bischöfen von Essen und Osnabrück, Overbeck und Bode, denen derartige Pflichtverletzungen nachgewiesen wurden, ohne dass einer von ihnen bislang eine Vorneweg-Strategie ergriffe nach der Devise: Ich biete meinen Amtsverzicht an, weil ich heute Verantwortlichkeiten erkenne, die mir damals egal waren, oder denen ich mich womöglich auf die Tour von Kardinal Meisner entledigt habe, der belastendes Material gegen Kleriker seines Sprengels in einem Geheimdossier „Brüder im Nebel“ aufbewahrte, öffentlich beteuernd, er habe ja „nichts geahnt, nichts geahnt“. Die Nebel lichten sich.

          Christian Geyer-Hindemith
          Redakteur im Feuilleton.

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