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Studie zum Blinzeln : Genug geredet

Erzähl es meinen geschlossenen Lidern: geschminkte Karnevalistin in Köln Bild: dpa

Ganz besonderer Augenkontakt: Wie man höflich Schwätzer zum Schweigen bringt, verrät eine neue Studie – gerade rechtzeitig zur Silvesterparty.

          Karl Jaspers wäre in diesen Tagen ganz in seinem Element: Wenn Kommunikation eine „universale Bedingung des Menschseins“ ist, dann erlaubt das Jahresende wie keine andere Zeit im Jahr das Ausleben unserer eigensten Natur. Weihnachtsfeiern, Treffen mit Freunden in der Heimat oder Besuchstourneen durch den erweiterten Familienkreis – überall wird geredet und geredet und geredet. Jetzt, nach Weihnachten, können da durchaus die ersten Ermüdungserscheinungen auftreten. Und wenn man auf der Silvesterparty in einer langatmigen, nicht enden wollenden Konversation festhängt, käme so manchem ein kommunikativer Nothalt-Knopf nicht ungelegen.

          Anregung zur Entwicklung der subtilen Variante eines solchen liefert ein Forschungspapier, das Mitte Dezember von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik im niederländischen Nijmegen veröffentlicht wurde. Studiert wird darin der Effekt des Blinzelns im direkten Gespräch. Dass unsere Wimpernschläge mehr sind als ein bloßer – rund 13.500 Mal pro Tag praktizierter – Reflex, wusste man bereits: Wir blinzeln seltener, wenn wir konzentriert sind, besonders häufig blinzeln wir dagegen im Gespräch und dann vor allem am Ende inhaltlicher Gesprächseinheiten. Außerdem gibt es willkürliches Blinzeln und reflexhaftes, ersteres besteht aus deutlich langsameren Lidschlägen.

          Die Forscher gingen nun der These nach, dass dem willkürlichen Blinzeln als visuellem Feedback eine eigene kommunikative Rolle zukommt. Dafür ließen sie Testpersonen in einem auf virtueller Realität basierenden Experiment auf Fragen von Avataren antworten. Die Avatare reagierten während der Antwort entweder mit einer Kombination aus Nicken und kurzen Lidschlägen (208 Millisekunden), Nicken und langen Lidschlägen (607 Millisekunden), oder sie gaben keine visuelle Rückmeldung. Das Ergebnis: Die Antworten der Getesteten fielen deutlich kürzer aus, wenn ihr Gegenüber mit langen Lidschlägen reagierte, ohne dass dies den Antwortenden selbst auffiel. Langsames Blinzeln werde demnach unbewusst als Signal mit der Bedeutung „Ich habe von dir genügend Informationen bekommen“ verstanden, schließen die Autoren. Wie nützlich, diese Nachricht nonverbal kommunizieren zu können! Und ein weiteres erfreuliches Ergebnis der Studie: Diese Reaktion ist offenbar unabhängig von der Empathie der Sprecher, was alles andere als selbstverständlich ist. So sind wenig empathische Sprecher ansonsten dafür bekannt, die Reaktionen ihrer Zuhörer zugunsten der Ausweitung eigener Redezeit gerne zu ignorieren. Der Blinzel-Trick sollte dagegen auch bei wortgewaltigen Selbstdarstellern funktionieren – ob all das auch außerhalb des Labors gilt, bleibt nun in echter Kommunikation zu testen.

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